Kapazität erweitert

Flughafen BER: Richtfest für Billigflieger-Terminal

Am Flughafen BER wird Richtfest für das Terminal T2 gefeiert. Es soll künftig weitere sechs Millionen Fluggäste im Jahr bewältigen.

Bauarbeiten am Terminal Nord des Hauptstadtflughafens BER: Das Terminal 2 (M), Parkhäuser (vorn) und das Pier Nord des Terminal 1 (hinten).

Bauarbeiten am Terminal Nord des Hauptstadtflughafens BER: Das Terminal 2 (M), Parkhäuser (vorn) und das Pier Nord des Terminal 1 (hinten).

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin. Am pannengeplagten Flughafen BER können Termine auch gehalten werden. Das Terminal T2 ist im Rohbau fertiggestellt, am Dienstag konnte in Schönefeld (Dahme-Spreewald) das Richtfest gefeiert werden. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geht fest davon aus, dass der Erweiterungsbau für das bestehende Hauptterminal wie geplant bis Herbst kommenden Jahres fertiggestellt und einsatzbereit sein wird.

Mit dem Zusatzterminal will die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bereits vorab drohende Engpässe bei der Passagierabfertigung am neuen Hauptstadtairport verhindern. Denn über die vielen Jahre seiner Nicht-Fertigstellung – ursprünglicher Eröffnungstermin war Oktober 2011 – ist der BER zu klein für den tatsächlichen Bedarf in der Hauptstadtregion geworden.

Eigene Sicherheitslinien und Gepäcksortierung im Gebäude

So sind an den beiden bestehenden Berliner Flughäfen in Tegel (TXL) und Schönefeld (SXF) bereits im Vorjahr 34,7 Millionen Fluggäste gestartet und gelandet. Trotz aller „Flugscham“-Debatten hält das überdurchschnittliche Wachstum in der Region unvermindert an. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde der Vorjahreswert bereits um zwei Millionen Passagiere übertroffen. Das Problem: Das neue Fluggasterminal am BER kann anfangs gerade einmal 22 Millionen Fluggästen im Jahr bewältigen. Selbst mit den Abfertigungsgebäuden von Schönefeld-Alt (aktuell zwölf Millionen Passagiere im Jahr), die laut Lütke Daldrup als Terminal T5 noch mindestens zehn Jahre weiter betrieben werden sollen, dürften die Kapazitäten am BER für den in den kommenden Jahren zu erwartenden Ansturm von Fluggästen nicht ausreichen. Das Zusatzterminal soll nun Platz für die Abfertigung von weiteren sechs Millionen Fluggästen im Jahr schaffen. Die Gesamtkapazität des BER wird sich damit auf mehr als 40 Millionen Passagiere pro Jahr erhöhen.

Das Terminal T2 ist ein Zweckbau direkt vor dem Nordpier des Hauptterminals, das seit Kurzem als T1 bezeichnet wird. Das 240 Meter lange, 40 Meter breite und 15 Meter hohe Gebäude wird über Check-in-Schalter (voraussichtlich zwölf im Erdgeschoss), Sicherheitslinien (acht im Obergeschoss) sowie eine eigene Gepäcksortieranlage verfügen. Es kann daher autark vom Hauptterminal betrieben werden. Eine theoretisch mögliche Eröffnung des Zusatzterminal ohne das BER-Hauptterminal schloss Lütke Daldrup bislang aber stets aus.

Möglichst schnelle Passagierkontrollen und genügend Gastro

Genutzt werden soll das Gebäude T2 vor allem von Fluggästen von Billigairlines, die in der Regel zu Fuß zu ihren Maschinen gehen müssen. Sie sollen laut Flughafengesellschaft dennoch einen guten Service erhalten. So werde es im Terminal ausreichend gastronomische Angebote geben. Die nötigen Sicherheitscheck soll besonders schnell und effektiv ablaufen. „Die Bundespolizei wird im T2 über die modernste Kontrolltechnik verfügen, die es derzeit gibt“, kündigte Lütke Daldrup. So soll es möglich, in der Security Line seinen Vordermann (oder Vorderfrau) zu überholen, wenn der noch seinen Laptop auspacken muss.

Der Check-in-Bereich wird gleichfalls nach neuesten Gesichtspunkten gestaltet. Passagiere müssen nicht am Schalter warten, sondern können ihr Gepäck an speziellen Automaten selbst aufgeben. Über zwei Brücken geht es anschließend vom T2 hinüber in das Nordpier des Fluggasterminals, wo sich die eigentlichen Wartebereiche befinden. Von dort aus weiter zu Fuß zu den auf dem Vorfeld stehenden Maschinen. Nach der bisherigen Planung wird vor allem Easyjet diesen Bereich am BER nutzen. Die Airline bietet bislang ausschließlich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen an. Ein Durchchecken von Gepäck zu einem Anschlussflug ist da in aller Regel nicht notwendig – und im T2 mit eigener Gepäcksortieranlage auch nicht vorgesehen.

Kosten fürs Zusatzterminal haben sich verdoppelt

Die Baukosten des Zusatzterminals sind von anfangs kalkulierten 100 Millionen auf 200 Millionen Euro gestiegen. Für die so oft in der Kritik stehende Flughafengesellschaft ist T2 dennoch eine Erfolgsgeschichte. Denn während es seit der geplatzten BER-Eröffnung im Juni 2012 am eigentlichen Bau ständig neue Hiobsbotschaften über Baumängel, Planungsfehler und Technikprobleme gibt, läuft das T2-Projekt bislang ohne Pannen und zudem in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Obwohl erst im Sommer 2017 beschlossen, lag für das Terminal bereits im Jahr darauf eine Baugenehmigung vor.

Anders als bislang beim BER versuchte die Flughafengesellschaft dieses Mal auch nicht, das Vorhaben in Eigenregie zu stemmen. Stattdessen wurde ein Generalunternehmen gesucht und mit der Zechbau GmbH aus Bremen auch gefunden. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte am 17. September 2018, also vor weniger als einem Jahr. Übergabe des schlüsselfertigen Gebäudes soll bereits im August 2020 sein. Kurt Zech, geschäftsführender Gesellschafter der Zech Group, versicherte beim Richtfest: „Wir schaffen das.“