Pannen-Flughafen

Lütke Daldrup kann BER-Eröffnung 2020 nicht mehr garantieren

Im Oktober 2020 soll der BER endlich eröffnen. Doch wegen anhaltender technischer Probleme erscheint dies immer fraglicher.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.

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Beim Verschieben der BER-Eröffnung haben die jeweiligen Flughafenchefs schon Routine. 2011, 2012, 2013 - keiner der anvisierten Termine konnte letztendlich gehalten werden. Nun steht auch der aktuelle Termin auf der Kippe - Oktober 2020. Wie der „Spiegel“ vorab online berichtet, soll BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup Anfang April gegenüber Vertretern der Landesregierungen Berlin und Brandenburg sowie der Bundesregierung erklärt haben: „Die ursprüngliche Sicherheit des Eröffnungstermins im Oktober 2020 kann heute nicht mehr uneingeschränkt garantiert werden.“ Dies gehe aus Unterlagen der der Gesellschafterversammlung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg hervor.

Für BER zuständiger Landrat Stephan Loge: „Ich habe Magengrummeln“

Erst im März hatte der TÜV Rheinland bei BER insgesamt 11.581 Mängel aufgelistet. 9404 davon seien „wesentliche Mängel“. Der Terminplan in den Bereichen Sicherheitstechnik und Brandschutz sei stark gefährdet. Auch beim Terminal 2 soll es Probleme geben, wie der „Spiegel“ berichtet. Die ursprünglich für Mai 2020 geplante Fertigstellung könnte sich demnach auf Anfang 2021 verschieben.

Auch der für den BER zuständige Landrat Stephan Loge (SPD) zeigt sich mittlerweile skeptisch, was die Eröffnung im Oktober 2020 angeht. „Ich habe Magengrummeln“, sagte Loge im ARD-Magazin „Kontraste“. Der SPD-Politiker erinnerte an frühere geplatzte Eröffnungstermine: „Wir haben da so ein bisschen Déjà-vus.“ Die Flughafengesellschaft bekräftige, die Eröffnung 2020 sei nicht gefährdet.

Loge untersteht das für den BER zuständige Bauordnungsamt. Es verhinderte 2012, dass der Flughafen in Betrieb ging, ohne fertig zu sein. Seit einigen Wochen gibt es Berichte, nach denen auch der Termin 2020 bedroht wäre, wenn es für bestimmte Dübel im Terminal keine Einzelfallzulassung gebe. Der Flughafen bestätigte, dass für Befestigungslösungen zum Teil noch Zulassungen fehlten.

Auch an einem Plastikdübel kann die Inbetriebnahme des BER scheitern

Loge sagte: „Auch an einem Plastikdübel oder mehren tausend Plastikdübeln, wie mutmaßlich in diesem Fall, kann die Inbetriebnahme scheitern.“ Er schloss aus, „ein Auge zuzudrücken“. Der Flughafen betonte, es seien grundsätzlich Metalldübel verbaut worden.

Die Betreiber widersprachen der „Kontraste“-Darstellung, dass im zentralen Kabelkanal im Terminal aufwendige Rückbauten notwendig seien. „Richtig ist, dass eine Kabelpritsche verbreitert werden muss. Hier sind auf circa 40 Meter Länge Arbeiten am Tragsystem erforderlich.“ Diese sollten Ende Mai abgeschlossen sein.

Carsten Schatz sieht Baufortschritt am BER „beträchtlich“

„Das Festhalten von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Eröffnungstermin Oktober 2020 ist nur konsequent“, sagte Carsten Schatz (Linke), Mitglied im BER-Untersuchungsausschuss der Berliner Morgenpost am Sonnabend. Es sei sinnvoll, an dem Termin festzuhalten, schon um den Druck auf die Baufirmen aufrecht zu erhalten. „Sonst lassen die Firmen den Hammer fallen“, so seine Befürchtung.

Schatz betonte, dass der Fortschritt auf der Baustelle BER „durchaus beträchtlich“ sei. Es sei nicht hilfreich, dass Untersuchungsberichte des TÜV zu Dübeln, Kabelkanälen und Traglasten in den Medien auftauchen und dadurch der Eindruck entstehe, dass immer neue schwerwiegende Mängel bekannt würden. „Das Problem ist dem Ausschuss bereits seit Ende letzten Jahres bekannt“, so Schatz. „Ich hoffe, dass wir das Projekt schnellstmöglich zum Ende bringen und nicht dauernd das Chaos beschwören.“

Lütke-Daldrup bekräftigte am Freitag im RBB-Inforadio: "Der BER wird im Oktober 2020 eröffnet."

Update: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass Carsten Schatz gesagt habe, der TÜV steche Untersuchungsberichte durch. Schatz hat das nach eigenen Angaben allerdings nicht gesagt. Wir haben den Text entsprechend angepasst.