Flughafen BER

Neue Fehlplanung am BER: Politik gibt sich empört

Auch Terminal 2 wird teurer als geplant. Grund ist der typische BER-Fehler: Fehlplanung. Risiken gibt es weiterhin bei den Kabeln.

Rainer Bretschneider (l), Aufsichtsratschef der Flughafen-Gesellschaft, unterhält sich vor Beginn der Sitzung des BER-Sonderausschusses des Brandenburger Landtags mit Engelbert Lütke Daldrup, Flughafenchef des BER.

Rainer Bretschneider (l), Aufsichtsratschef der Flughafen-Gesellschaft, unterhält sich vor Beginn der Sitzung des BER-Sonderausschusses des Brandenburger Landtags mit Engelbert Lütke Daldrup, Flughafenchef des BER.

Foto: Bernd Settnik / ZB

Berlin.  Empörung und Ratlosigkeit. So könnte man die Reaktionen der Berliner und Brandenburger Landespolitik zu den neuerlichen Planungsfehlern am Flughafen BER zusammenfassen. So stellt der Obmann der Grünen im Berliner Untersuchungsausschuss, Marc Urbatsch, mit Verweis auf die Flughafengesellschaft FBB fest: „In einem ist die FBB unglaublich konsequent: in der Fehlplanung.“

Jährlich sechs Millionen Passagiere

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup räumte am Montagabend im Flughafenausschuss des Brandenburger Landtags auch Fehler bei der Planung des Terminals 2 ein, in dem wegen steigender Fluggastzahlen nach der Inbetriebnahme des Hauptterminals jährlich sechs Millionen Passagiere vornehmlich der Billigflieger abgefertigt werden sollen. Dieses Terminal solle im Sommer 2020 im Rohbau fertig sein, sagte der Flughafenchef. Dessen Kosten sollen sich wie berichtet auf 200 Millionen Euro verdoppeln. Dazu äußerte sich Lütke Daldrup trotz Nachfragen der Abgeordneten nicht. Er verwies aber darauf, dass es eine Steigerung bei den Baukosten gegeben habe. Auch die Beauftragung eines Generalunternehmers habe zu einem Aufschlag geführt.

Planung ohne feste Parameter

In einer Stellungnahme der Flughafengesellschaft hieß es außerdem, es habe „verschiedene Unzulänglichkeiten über alle bisherigen Projektphasen hinweg gegeben“.

Durch Recherchen der Berliner Morgenpost war bekannt geworden, dass das Terminal nicht nur doppelt so teuer wird, sondern auch ohne belastbare Parameter geplant wurde. Das stellten die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) in einem Gutachten für den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft fest. Bei der Ausschreibung war weder klar, wie viele Passagiere in dem Gebäude abgefertigt, wie viele Sicherheitskontrollen aufgestellt noch wie viele Geschosse gebaut werden sollen.

„Die Wahrheit über den Baufortschritt am BER kommt nur scheibchenweise ans Licht der Öffentlichkeit, das Parlament wurden über den Kostenanstieg und die Kalkulationsprobleme für das Erweiterungsterminal 2 nicht informiert“, sagt Christian Gräff, CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss. Und nennt parteitaktische Gründe bei „SPD-Verantwortlichen“ als möglichen Grund.

SPD-Politiker zweifelt am Eröffnungstermin

Jörg Stroedter, der der SPD im BER-Ausschuss vorsteht, weist solche Vorwürfe zurück. Und tatsächlich ist die Erhöhung der Kosten auf 200 Millionen Euro seit Monaten bekannt. Zu den erst jetzt öffentlich geworden Gründen sagt Stroedter: „Das ist eine Fortsetzung dessen, was ich seit Jahren bei Terminal 1 erlebe. Es wird mit Zahlen gearbeitet, die nachher nicht zu halten sind.“ Angesichts der immer noch nicht behobenen Probleme mit Kabelsträngen und Brandschutzanlagen im Hauptterminal stellt er den Eröffnungstermin infrage: „Ich bin nicht überoptimistisch, dass das klappt.“

Lütke Daldrup räumte am Montagabend im Ausschuss ein, dass die Kabeltrassen beim BER voraussichtlich erst im Juli fertig sein werden. Dabei gebe es noch etliche Risiken, so Lütke Daldrup weiter. Bei der immer noch unfertigen Brandmeldeanlage hofft er auf eine Fertigstellung mit Prüfergebnis bis zum April. „Auch dabei gibt es noch einen möglichen Risikozuschlag“, sagte der Flughafenchef. Damit gerät der Zeitplan für die geplante Eröffnung im Herbst 2020 weiter unter Druck.

Bis Herbst muss die Fertigstellung angezeigt werden

Denn erst nach der Fertigstellung können die gefürchteten Wirkprüfungen beginnen, die zeigen müssen, dass alle Anlagen im Zusammenspiel funktionieren. Und bis zum Herbst muss den Baubehörden die komplette Fertigstellung angezeigt werden, damit der Flughafen ein Jahr später starten kann.