Reisebranche

Flugverkehr nimmt in Berlin um ein Drittel zu

Die Zahl der Flüge wird bis 2030 auf 373.000 Flugbewegungen wachsen. Der BER ist vom Start weg ausgelastet.

Eine Maschine von Easyjet im Landeanflug auf Schönefeld

Eine Maschine von Easyjet im Landeanflug auf Schönefeld

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der Flugverkehr in der Region Berlin-Brandenburg wird in den nächsten 14 Jahren noch einmal um ein Drittel zunehmen. Im ablaufenden Jahr 2016 sind in Tegel und Schönefeld rund 280.000 Flugzeuge gestartet und gelandet. Schon bis November war mit 260.000 die Zahl des kompletten Vorjahres erreicht. Für 2030 erwartet die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) dann 373.000 Flugbewegungen.

Diese Zahl nannte Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Czaja.

Bei den Passagieren rechnen die Planer mit noch stärkerem Wachstum. 2016 werden Berlins Flughäfen wohl rund 33 Millionen Menschen abfertigen. Schon im November hatte die FBB nach einem Wachstum von elf Prozent erstmals die Schallmauer von 30 Millionen Passagieren pro Jahr geknackt. 2030 wird von 46,8 Millionen Fluggästen in Berlin ausgegangen. Das wäre ein Plus von 41 Prozent.

Die Prognose macht die Dringlichkeit deutlich, sich um zusätzliche Kapazitäten für Jets und Abfertigung zu kümmern. Der BER, dessen Eröffnung für 2017 oder 2018 angestrebt wird, war ursprünglich inklusive zweier Satelliten-Gebäude auf dem Flugfeld für 45 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) nannte unter Berufung auf die FBB und eigene Berechnungen 2012 ohne eine dritte Landebahn eine Kapazitätsgrenze von 50 Millionen Passagieren pro Jahr und 90 Flugbewegungen in der Stunde.

Wachstum des Flugverkehrs hat alle Prognosen überholt

Am BER wird es in jedem Fall gleich zum Start sehr eng sein. Durch den neuen Terminal, in dem die technischen Probleme bis jetzt noch nicht behoben sind, können laut Flughafengesellschaft jährlich 22 bis 23 Millionen Reisende geschleust werden. Hinzu kommen zwölf Millionen Menschen, die im modernisierten Schönefelder Terminal aus DDR-Zeiten abgefertigt werden sollen.

Die Gesamtkapazität von knapp 35 Millionen entspricht ziemlich genau der Prognose von 34,6 Millionen Passagieren, die Senat und Flughafengesellschaft für das wahrscheinliche Eröffnungsjahr 2018 erwarten. Dass würde aber bedeuten, dass sich das Passagierwachstum bis dahin deutlich verringert. Bisher hat die Entwicklung des Luftverkehrs und nach Berlin jedoch alle früheren Vorhersagen überholt. Im Planfeststellungsbeschluss für den Neubau war noch von 30 Millionen Fluggästen im Jahr 2023 die Rede gewesen. Inzwischen gehen die Planer von mehr als 40 Millionen aus.

Bis Ende 2017 will die Flughafengesellschaft einen Masterplan zur langfristigen Entwicklung des BER vorlegen, schreibt der Flughafenkoordinator an den FDP-Politiker Czaja. Dessen Partei, die AfD und zunehmend auch die CDU drängen darauf, den Flughafen Tegel offen zu halten, um dem steigenden Bedarf gewachsen zu sein.

Ein entsprechendes Volksbegehren läuft. Bis kurz vor Weihnachten waren aber erst 12.400 Unterschriften bei der Landeswahlleiterin eingegangen. Bis zum Ende der zweiten Stufe am 20. März 2017 müssen es 174.000 Unterstützer oder sieben Prozent der Wahlberechtigten sein, um eine Volksabstimmung zu erzwingen.

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