Seit 2006 schon wird am neuen Großflughafen für die Hauptstadtregion mehr oder minder eifrig gearbeitet. Und wenn es seither eine Konstante bei dem von Pleiten, Pech und Pannen überschatteten Milliardenprojekt gibt, dann die offene Frage, wann der Airport mit dem Kürzel BER tatsächlich einmal in Betrieb gehen wird. Je nach Zählweise des Betrachters ist der Eröffnungstermin bereits zwischen vier und neun Mal verschoben worden. Nun steht wohl die nächste Terminkorrektur an: Der BER wird wohl frühestens im April 2018 und nicht – wie zuletzt standhaft propagiert – im November 2017 seinen Betrieb aufnehmen.
Noch Anfang Dezember hatten der Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), als auch Flughafenchef Karsten Mühlenfeld versichert, dass eine Eröffnung des neuen Hauptstadtairports bis Ende 2017 „noch immer möglich“ sei. Eine Korrektur wurde damals allerdings schon einmal kommunikativ vorbereitet. „Es wird knapper und enger“, seufzte Müller nach der letzten Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats in diesem Jahr. Und fügte hinzu: „Es kann auch 2018 sein.“ Die verbalen Pirouetten haben einen einfachen Grund. Beim Bau des neuen Airports herrscht seit Jahren das irreale Prinzip Hoffnung statt substanzieller Verlässlichkeit.
Entsprechend dünn fielen am Mittwoch dann auch die Reaktionen der Eigentümer der Flughafengesellschaft auf jüngste Medienberichte über eine Verschiebung der BER-Eröffnung auf 2018 aus. Es gab kein Dementi, keine Bestätigung, nicht mal den Versuch einer sachlichen Kommentierung der jüngsten Hiobsbotschaften. Auch die Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB) blieb auf Tauchstation. „Es bleibt dabei: „Wir äußern uns erst im Januar“, sagte FBB-Sprecher Daniel Tolksdorf der Berliner Morgenpost. „Wir wollen auf Basis einer verlässlichen Grundlage den Termin festlegen, und das wird im Januar sein.“
Die verlässliche Grundlage, das soll die noch ausstehende Genehmigung des sechsten und letzten Nachtrags zum BER-Bauantrag sein. Der grüne Stempel vom zuständigen Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald wird von der Flughafengesellschaft Mitte Januar 2017 erwartet. Und Landrat Stephan Loge (SPD) hatte bereits am Dienstag signalisiert, dass der Behördenbescheid „so gut wie fertig“ sei. Damit ist aber auch klar: Die Flughafengesellschaft kann eine mögliche spätere Inbetriebnahme des BER nicht mehr den Genehmigungsbehörden anlasten.
Da tauchen plötzlich „Probleme mit der Elektrotechnik“ auf, die eine Fertigstellung verzögerten. Der schwarze Peter für eine Terminverzögerung, so mutmaßen einige Experten, soll nun wohl einer der beteiligten Baufirmen zugeschoben werden. Klarheit darüber, ob und welche Probleme es aktuell am BER gibt, wird am Mittwoch nicht geschaffen. Fragen der Berliner Morgenpost an Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup und die Flughafengesellschaft zum Thema BER-Eröffnung blieben am Mittwoch allesamt unbeantwortet. Die Senatskanzlei, der jetzt auch Flughafenkoordinator Lütke Daldrup zugeordnet ist, ließ lediglich mitteilen: „Hier liegen keine Informationen diesbezüglich vor.“
Opposition sieht sich bestätigt
Während alle drei Regierungsparteien in Berlin die jüngsten Hiobsbotschaften unkommentiert ließen, sieht sich die Opposition in ihren Positionen zum BER bestätigt. „Wer nach dem Regierungswechsel auf eine neue Politik gehofft hatte, muss sich bitter enttäuscht fühlen. Denn Rot-Rot-Grün hat es nicht einmal geschafft, alten Wein in neuen Schläuchen zu präsentieren. Vielmehr ist alles beim Alten geblieben: Chaos pur“, sagte der Fraktionsvorsitzender der FDP, Sebastian Czaja, zur anhaltenden Sprachlosigkeit des Senats zum neuen Hauptstadtflughafen. Und warb zugleich für das Lieblingsthema der Liberalen aus den letzten Monaten: der Forderung nach einem Offenhalten von Tegel. „Das einzig ,Positive‘ an diesem Drama, wenn man davon überhaupt sprechen mag, ist, dass es die Notwendigkeit eines Weiterbetriebes des Flughafens Tegel unterstreicht“, heißt es in einer Stellungnahme der Berliner FDP. Angesichts der Erfahrungen mit dem Flughafenprojekt in Schönefeld erscheine es doch „mehr als fahrlässig“, sich allein auf den BER zu verlassen.
Nach Ansicht des wirtschaftspolitischen Sprechers der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frank-Christian Hansel, sind die politisch Verantwortlichen „mit der Projektleitung sowohl in der Sache wie auch kommunikativ weiter vollkommen überfordert“. Entweder würden sich der Senat und die anderen Gesellschafter nicht trauen, von sich aus die Wahrheit über den schleppenden Baufortschritt zu sagen, oder sie wüssten vielleicht gar nicht, ob und wann der BER einmal fertig werden könnte. „Anders ist das offizielle Schweigen der Aufsichtsräte kaum zu erklären“, so Hansel.


