Air Berlin in Turbulenzen

Der BER hofft noch auf ein gutes Ende

Air Berlin ist für die Berliner Flughäfen der wichtigste Kunde. Die Flughafengesellschaft gibt sich zunächst gelassen.

Die Fluggesellschaft Air Berlin wollte den BER eigentlich zu einem internationalen Drehkreuz machen

Die Fluggesellschaft Air Berlin wollte den BER eigentlich zu einem internationalen Drehkreuz machen

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Offiziell reagiert die Berliner Flughafengesellschaft mit Gelassenheit auf die jüngsten Entwicklungen bei Air Berlin. „Im Moment sehen wir keine negativen Auswirkungen“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Intern dürften die Alarmglocken angesichts der Hiobsbotschaften über die wirtschaftliche Lage der Airline läuten. Denn für die Berliner Flughäfen ist Air Berlin der mit Abstand wichtigste Kunde. Aktuell werden 45,5 Prozent, also fast die Hälfte aller Starts und Landungen am Flughafen Tegel von Maschinen der Air Berlin ausgeführt. Die Lufthansa Group, zu der auch Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines gehört, liegt mit einem Anteil von aktuell 25 Prozent deutlich dahinter.

Air Berlin klare Nummer eins in Berlin

Auch bezogen auf den gesamten Berliner Luftverkehr (Tegel und Schönefeld zusammen) liegt Air Berlin mit einem Anteil von 30 Prozent klar vorn. Die Lufthansa-Gruppe kommt auf einen Marktanteil von 16 Prozent, gefolgt von Easyjet mit 14 Prozent Marktanteil. Der am Standort Schönefeld stark expandierende irische Billigflieger Ryanair führt inzwischen 11,5 Prozent alle Flüge von und nach Berlin aus.

Flughafen-Geschäftsführer Mühlenfeld ist sich sicher, dass die Berliner Flughäfen für Air Berlin weiter „ein ganz wichtiges Standbein“ bleiben werden. In der Tat ist in den aktuellen Ankündigungen der Airline nicht die Rede davon, sich aus der Hauptstadt zurückzuziehen. Mehr noch: Erst im August hatte die Fluggesellschaft angekündigt, das Angebot ab Berlin-Tegel sogar kräftig auszubauen. So stehen ab Mai 2017 mit Los Angeles und San Francisco zwei weitere attraktive Nonstop-Ziele an der US-Westküste neu im Flugplan. Zudem erhöht die Berliner Fluggesellschaft die Frequenzen auf den bestehenden Verbindungen nach New York, Chicago und Miami. Insgesamt soll die Anzahl der wöchentlichen Langstreckenflüge von Air Berlin ab Berlin-Tegel im Vergleich zum Vorjahressommer um 93 Prozent steigen. Für die Berliner Flughäfen bedeutet dies, sie haben eher mehr als weniger Einnahmen.

US-Konkurrent greift Air Berlin an

Ob das Konzept aufgeht, muss sich indes noch zeigen. Zumal die Konkurrenz nicht schläft. Davon zeugt die auch für Insider überraschende Ankündigung von Delta Airlines, ab Mai nächsten Jahres eine tägliche Nonstop-Verbindung zwischen Berlin-Tegel und dem New Yorker JFK-Airport anzubieten. Die im Verbund mit Air-Berlin-Konkurrenten Air France/KLM operierende US-Fluggesellschaft greift damit Air Berlin auf einer ihrer wichtigsten und profitabelsten Strecken an. Mit steigender Anzahl der Anbieter (auch die zur Star Alliance gehörende US-Airline United fliegt täglich die Strecke Berlin–New York) sinken jedoch erfahrungsgemäß die Ticketpreise und die Auslastung der Maschinen.

Grünen-Politikerin hält BER-Ausbaupläne für fragwürdig

Noch völlig offen sind Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des BER. Bislang hatte einzig Air Berlin erklärt, den Flughafen als Drehkreuz, das heißt also für lukrative Umsteigeverkehre, nutzen zu wollen. Die Airline trägt damit wesentlich zur Refinanzierung des Milliardenprojekts bei. Für die Grünen-Politikerin Ramona Pop sind die wirtschaftlichen Turbulenzen von Air Berlin „höchst bedauerlich“. Das Finanzierungskonzept für den BER sieht sie aber nicht unmittelbar in Gefahr. Allerdings würden die teuren Erweiterungspläne für den BER immer fragwürdiger, so Pop. Insider rechnen damit, dass selbst bei einem völligen Ausstieg von Air Berlin aus dem Luftfahrtgeschäft schnell andere Fluggesellschaften die frei werdenden Verbindungen übernehmen werden. Allerdings wird befürchtet, dass der Anteil der Billigfluggesellschaften mit ihren Punkt-zu-Punkt-Verbindungen in Berlin weiter steigen wird. Damit würden auch die ‘Einnahmen sinken. Andererseits hat die Lufthansa bereits angekündigt, mit Eröffnung des BER auch wieder Interkontinentalverbindungen ab Berlin anbieten zu wollen.