Flughafen

Noch ist Luft im Zeitplan für den BER-Start

Der Flughafenchef glaubt trotz Verzögerungen an die BER-Eröffnung 2017 und erklärt, wie bis 2025 weiter ausgebaut werden soll.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER)

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Ob der neue Berliner Flughafen BER wie geplant im Herbst 2017 eröffnen kann, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Das hat Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Mittwoch bei einem Vortrag beim verein berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) deutlich gemacht.

Derzeit würden die Pläne für den Umbau der bisher nicht funktionierenden Entrauchungsanlage von externen Experten überprüft. Das sollte bis Jahresende abgeschlossen sein, sagte Mühlenfeld. Danach müsse das Bauordnungsamt seinerseits die Pläne sichten und genehmigen. Erst dann könnten die Bauarbeiten an der Anlage beginnen.

Bisher liege der Bau des BER hinter den selbst gesetzten Meilensteinen zurück, räumte der Flughafenchef ein. „Wir hatten Luft im Zeitplan, die ist noch nicht komplett abgelassen“, sagte Mühlenfeld: „Ich gehe fest davon aus, dass wir eine gute Chance haben, im Herbst 2017 zu eröffnen.“

„Anfang 2016“ soll klar sein, wann der BER eröffnet

So ganz in der Hand haben die Flughafen-Manager ihren eigenen Erfolg aber nicht. Dem unabhängigen Prüfingenieur, der sich nun den 5. Nachtrag für die Baugenehmigung mit 1300 neuen Anforderungen ansehe, könne man nicht vorschreiben, wie schnell er arbeiten solle. Und auch das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald werde sich seine Zeit nehmen.

>>>Interaktiv: Ist der BER schon fertig?

„Anfang 2016“ werde man wissen, ob der Start-Termin für den BER zu halten sei, sagte der frühere Rolls Royce-Manager, der vor acht Jahren die Nachfolge von Hartmut Mehdorn an der Spitze der Flughafengesellschaft angetreten habe.

„Komplexe Sanierung“ eines Bestandsgebäudes

Mit Vergangenheitsbewältigung wollte sich der Flughafenchef vor den Wirtschaftsvertretern nicht lange aufhalten. Es handele sich um eine „komplexe Sanierung“ eines Bestandsgebäudes. Es seien politische Fehler gemacht worden, als das Terminal nach Beginn der Bauphase umgeplant worden sei.

Auch neue Informationen, wonach sich am Flughafen in den vergangenen Jahren Mitarbeiter zu Unrecht als Brandschutz-Fachleute ausgegeben haben , regten Mühlenfeld nicht sonderlich auf. Der Regierende Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) hatte in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei von „Einzelfällen“ im „niedrigen einstelligen Bereich seit dem Jahr 2012“ gesprochen. Mühlenfeld sagte dazu, er wünsche sich mehr Sachlichkeit. „Es ist nicht notwendig, dass solche Themen wie heute, dass es den einen oder anderen Mitarbeiter im Brandschutz gab, der nicht die nötige Qualifikation hatte, in den Nachrichten sind. So was gibt es auf jeder Baustelle. Das Gute ist eigentlich nur, dass man’s herausgefunden hat.“

Zu wenige Gepäckbänder zum Start am BER

Mehr Raum in Mühlenfelds Vortrag nahm die Zukunft ein. Er forderte eine bessere Verkehrsanbindung aus der Innenstadt, unter anderem den schnellen Bau der Dresdener Bahn und eine Anbindung des nahe gelegenen U-Bahnhofes Rudow.

Zudem müsse die Leistungsfähigkeit des Flughafens erhöht werden. Weil es zu wenige Gepäckbänder gebe, werde der BER 2017 mit Kapazitäten für 22 Millionen Passagiere in Betrieb gehen und sukzessive auf 27 Millionen hochgefahren werden. Schon in diesem Jahr werden bis zu 29 Millionen Fluggäste in Berlin starten und landen.

Um die Nachfrage zu decken, bleibt daher der alte Terminal Schönefeld bis mindestens 2023 in Betrieb. Der frühere DDR-Zentralflughafen wird für bis zu elf Millionen Fluggäste pro Jahr ausgebaut.

2019 muss die Flughafengesellschaft den Platz dort aber wieder einschränken. Denn die Bundesregierung beginnt dann mit dem Bau ihres Regierungsterminals. Vorfeld-Flächen zum Abstellen der Jets fallen weg, so dass nur noch sechs Millionen Menschen durch den Schönefelder Terminal geschleust werden können.

Die Lücke schließen soll ein neues Terminal am Ende des Nordpiers für die Billig-Fluglinien, das sechs bis acht Millionen Passagiere bewältigen kann.

Keine dritte Startbahn am BER notwendig

So komme man 2025 auf die prognostizierten 40 Millionen Fluggäste, rechnete Mühlenfeld vor. Gerade bei Gepäck und Ticketing brauche Berlin besonders hohe Kapazitäten, weil es wenig Umsteigepassagiere gibt.

Bei den „Direkteinsteigern“, also den Menschen, die direkt ein- oder aussteigen, werde Berlin im nächsten Jahr die größte Destination Deutschlands sein und sogar den Frankfurter Flughafen überflügeln. Um weiteres Wachstum zu bewältigen, müssten zusätzliche Erweiterungen geplant werden. Eine dritte Startbahn sei hingegen nicht notwendig, London Heathrow bewältige mit zwei Bahnen mehr als 70 Millionen Passagiere, so der Flughafenchef.

Kardinalfehler war der Bau in Eigenregie

Dazu will Mühlenfeld aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Die Flughafengesellschaft müsse zusätzliche Bau-Kapazitäten aufbauen. Einzelne Projekte will er zudem an einen Generalübernehmer übertragen, der für die Planung bis zur Einhaltung der Termine verantwortlich ist.

Inzwischen gilt es als Kardinalfehler des BER-Baus, das Projekt nicht von einem großen Baukonzern wie Hochtief realisieren zu lassen, sondern in Eigenregie zu bauen und zu planen sowie die Leistungen in vielen kleinen Losen ausgeschrieben zu haben. Diese Entscheidung hatte 2003 maßgeblich der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) durchgesetzt.