Pannenflughafen

BER-Chef Mehdorn entlastet Hochstapler di Mauro

Ex-Planer di Mauro ist für Hartmut Mehdorn nur ein Teil der Brandschutz-Probleme am Hauptstadtflughafen. Zugleich bekräftigte er, der Airport werde nicht mehr als 5,4 Milliarden Euro kosten.

Die Brandschutz-Probleme im neuen Hauptstadtflughafen gehen aus Sicht von Geschäftsführer Hartmut Mehdorn nicht allein auf den umstrittenen Planer Alfredo di Mauro zurück. Dem technischen Zeichner wird Hochstapelei vorgeworfen, weil er sich zeitweise als Ingenieur ausgab. „Herr di Mauro war nur ein Teil“, sagte Mehdorn am Mittwoch im Sender n-tv. Es gebe bei dem Projekt einen Strauß von Fehlern.

Der frühere Bahnchef bekräftigte, der Bau werde bis zur Eröffnung 5,4 Milliarden Euro kosten, 1,1 Milliarde Euro mehr als bisher bewilligt. Darüber berät an diesem Donnerstag der Finanzausschuss des Aufsichtsrats. Nach dpa-Informationen hat Mehdorn dem Gremium die Zahl 1,049 Milliarden Euro als Mehrkosten genannt.

Bewilligen müssten das Geld der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg als Flughafen-Eigentümer. Nach der Sitzung des Aufsichtsrats am Montag könnte schon am Mittwoch der Haushaltsausschuss des Bundestags beraten.

Mehdorn - „Wir können die Eröffnung nicht herbeischwätzen“

Dabei ist auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem ersten geplatzten Eröffnungstermin im Oktober 2011 unklar, wann der Flughafen in Betrieb gehen kann. Baumängel, Planungsfehler und Technikprobleme wie beim Brandschutz verzögern den Start. Eine Eröffnung vor 2016 gilt als unwahrscheinlich.

„Wir können die Eröffnung nicht herbeischwätzen, wir müssen sie herbeiarbeiten“, sagte Mehdorn. Er lässt die Brandschutzanlage in ihrem kritischen Teil grundsätzlich umbauen.

Es habe bei ihrem Bau eine „skurrile Arbeitsteilung“ zwischen zahlreichen Firmen gegeben, die nicht ausreichend überwacht wurden. Rauchmelder, Sprinkler, Durchsagen, Rauchabzug und Frischluftzufuhr lagen in unterschiedlichen Händen. Zudem wurde nicht alles so gebaut wie es geplant wurde. „Herr di Mauro hat den Teil der Entrauchung gemacht.“

Di Mauro brauchte für Plan-Entwürfe keinen Ingenieur-Abschluss

Er benötigte keinen Ingenieur-Abschluss, um die Pläne zu entwerfen. Darauf wies der Präsident der Baukammer Berlin, Jens-Peter Karstedt, am Mittwoch hin. „In Deutschland darf jeder alles machen“, kritisierte er und forderte eine strengere Aufsicht. „Standsicherheit und Brandschutz darf nicht Laien überantwortet werden.“

Einige Entrauchungskanäle im Terminal erwiesen sich laut Betreiber als undicht, andere implodierten bei Tests. Karstedt sagte, di Mauro habe aber sicher keine Bauvorlageberechtigung gehabt. Das heißt, er durfte Pläne nicht selbst zur Genehmigung bei den Behörden vorlegen. „Wahrscheinlich hat der Generalplaner seinen Stempel draufgemacht.“

Das legen auch Angaben des zuständigen Kreises Dahme-Spreewald nahe. Di Mauro sei nur im Herbst 2012 bei der Bauaufsicht in Erscheinung getreten, als der Flughafen ihn als Fachplaner zu Beratungen hinzuzog, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Ansprechpartner im bauordnungsrechtlichen Verfahren sei aber immer der Objektplaner.

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