Hauptstadtflughafen

Mehdorn und Wowereit - aus Feinden sollen Freunde werden

Zwischen dem Regierenden Bürgermeister und dem neuen BER-Chef gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten. Wowereit rechnet für die Zukunft mit „produktiven Spannungen“.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Hartmut Mehdorn und Berlin – das war immer eine ganz besondere Beziehung. Das größte Zeugnis seines Wirkens dominiert die Freifläche zwischen Moabit, Spree und der Charité. Berlins Hauptbahnhof war zwar schon lange vor dem Dezember 1999 in Planung, als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Industriemanager Mehdorn zur Deutschen Bahn holte.

Der Siegerentwurf des Architekten Meinhard von Gerkan, der später auch das BER-Terminal gezeichnet hat, wurde 1993, also weit vor Mehdorns Zeit bei der Bahn, ausgewählt. Dass die Kosten für das Projekt aus dem Ruder liefen und die ursprünglich avisierten Eröffnungstermine platzten, ist Mehdorn kaum anzulasten. Angesichts zahlreicher Probleme auf der Baustelle zog Mehdorn 2001 die Notbremse. Den dann erklärten Eröffnungstermin rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 konnte Mehdorn schließlich halten, auch weil er gnadenlos den Rotstift an Gerkans Plänen anlegte.

Verantwortlich ist der Maschinenbauingenieur aber für die umstrittene Pferdeskulptur auf der Nordseite des Hauptbahnhofs, für das verkürzte Dach über den oberen Bahnsteigen und für den Verzicht auf die vom Architekten ersonnene Kuppeldecke im Untergeschoss. Noch heute nehmen viele Bewohner der City West Mehdorn zudem übel, dass er den traditionsreichen Bahnhof Zoo komplett vom Fernverkehr der Bahn abhängte. Während also Mehdorns Hauptbahnhof dennoch als Erfolgsprojekt gilt, ist die jahrelange massive Krise der Berliner S-Bahn eine der negativen Hinterlassenschaften des Managers.

Gravierende Mängel bei der S-Bahn

Die Bundesregierung verlangte Ende der 90er-Jahre von Mehdorn, die Deutsche Bahn fit für einen ertragreichen Börsengang zu machen. Mehdorn zog das tatkräftig durch und verlangte dabei auch einen beträchtlichen Ergebnisbeitrag von der Tochter S-Bahn Berlin GmbH. Inzwischen wissen alle, dass dabei die Schrauben deutlich überdreht wurden, weil zu viel Personal reduziert und die Wartung der S-Bahn-Züge erheblich vernachlässigt wurde. Die Folgen sind in Berlin bis heute zu spüren.

Es war ein gewisser Klaus Wowereit, der innerhalb der SPD an vorderster Front gegen die Privatisierung der Bahn und damit gegen Mehdorns Kurs kämpfte. Das Verhältnis des Regierenden Bürgermeisters zum Chef des größten Berliner Arbeitgebers galt sowieso schon als belastet. 2003 hatte Wowereit den Bahn-Boss in einer dramatischen Nachtsitzung genötigt, der Ausschreibung wichtiger S-Bahn-Linien ab 2017 zuzustimmen. Im Gegenzug schlossen Berlin und das Unternehmen einen neuen Verkehrsvertrag ab, von dem Experten heute sagen, das Land zahle immer noch deutlich zu viel an die Bahn.

Mann „mit Ecken und Kanten“

Zwei Jahre später verärgerte Mehdorn den Regierenden Bürgermeister, als er öffentlich darüber nachdachte, die Logistiksparte der Bahn in Hamburg zu konzentrieren und damit wichtige Leitungsfunktionen aus der Hauptstadt abzuziehen. Zeitweise hielt sich gar das Gerücht, die Bahn wolle sogar die Konzernzentrale von Berlin verlegen. Wowereit wütete: Es könne nicht sein, dass die Bahn „Berlin im Stich“ lasse, und forderte die Kanzlerin auf, Mehdorn zu stoppen. Es folgte eine längere Eiszeit zwischen den beiden Ur-Berliner Alpha-Tieren.

Am Freitag haben sich Wowereit und Mehdorn versichert, keinesfalls persönlich zerstritten zu sein. „In der Tat, er hat Ecken und Kanten, die werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen, nehme ich an“, sagte Wowereit. Er rechne auch mit Spannungen, die seien aber produktiv. In Anspielung auf die Querelen zum Hauptbahnhof fügte Wowereit überaus gut gelaunt hinzu: Es sei gut, dass das Dach auf dem Terminalgebäude ja schon fertig sei. Mehdorn konterte verschmitzt: „Dafür war der Bahnhof aber wenigstens pünktlich fertig.“