Flughafen BER

Jetzt erntet Technikchef Amann harsche Kritik

Die Zweifel an der Kompetenz des einstigen Hoffnungsträgers wachsen: Nun wird erstmals offen aus Aufsichtsratskreisen Kritik an Amann geübt.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Horst Amann ist bekannt dafür, dass er Probleme klar anspricht. In der Öffentlichkeit kommt der Technikchef des Berliner Flughafens BER mit seiner direkten Art gut an. Doch bei seinem Arbeitgebern wächst der Unmut. Als Amann jetzt ausgerechnet bei einem Termin vor Berliner Unternehmern berichtete, dass sich das Licht im Terminal nicht kontrolliert an- und ausschalten lässt, reagierten die Gesellschafter entsetzt. Nun wird erstmals offen aus Aufsichtsratskreisen Kritik an Amann geübt.

Tadel aus Brandenburg und Berlin

Seit August vergangenen Jahres ist Amann im Amt. Dass er für die hoch komplexe Brandschutzanlage noch keine Lösung hat, können die meisten nachvollziehen. Doch das Licht sollte er ihrer Meinung in den vergangenen Monaten in den Griff bekommen haben.

„Jeder Elektriker würde sich den Sicherungskasten suchen und die Sicherung herausschrauben“, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke), der zugleich Vorsitzender des Finanzausschusses des Aufsichtsrates ist, am Donnerstag am Rande der Landtagssitzung in Potsdam. „Als zuständiger Geschäftsführer für den Bau ist es Amanns Aufgabe, den BER in Betrieb zu nehmen.“ Er müsse die baulichen Voraussetzungen dafür schaffen. „Damit hat er genug zu tun.“

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister und Aufsichtsratsmitglied Ralf Christoffers (Linke) zeigt sich verärgert. „Amann muss endlich Probleme lösen, statt sie nur zu benennen“, sagte Christoffers der Berliner Morgenpost.

Platzeck hüllt sich in Schweigen

Während Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) sich nicht zu Amanns Kapriolen äußern wollte, verbarg SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher seinen Unmut nicht „Ich würde mir wünschen, dass Horst Amann sich etwas mehr darauf besinnt, einen Standort nicht schlecht zu reden.“ Als Geschäftsführer sei er bei allen Problemen dazu verpflichtet, Optimismus zu verbreiten.

Die Zweifel an der Kompetenz des einstigen Hoffnungsträgers wachsen – auch in Berlin. Amann will noch bis zum Herbst seine Bestandsaufnahmen am BER fortsetzen und erst dann mit „voller Kraft“ weiter bauen. Der Verkehrsexperte der Grünen, Harald Moritz, findet es „merkwürdig, wie lange Amann braucht, um die Mängel und Missstände aufzudecken“. Es sei klar, dass man Zeit für einen gründlichen Überblick benötige, doch dies dauere doch etwas lang. Zumal Horst Amann schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Anfang August vorigen Jahres den 13. Oktober 2013 als neuen Eröffnungstermin genannt hatte. Dieser musste erneut gekippt werden.

Kritik am Nachtflugverbot

Wann der Flughafen eröffnet werden kann, will Amann nun voraussichtlich in diesem Jahr bekannt geben. Amann hat auch offen Platzecks Kehrtwende beim Nachtflugverbot kritisiert. Er warnte auch vor einem strikten Flugverbot am BER zwischen 22 und 6 Uhr. Der Brandenburger Landtag stimmte am Mittwoch mit der rot-roten Mehrheit dem Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot zu. Der Streit zwischen Berlin und Brandenburg spitzt sich deshalb zu.

Die Stimmung zwischen den beiden Landeschefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck soll nach dem überraschenden Schwenk des Brandenburger Regierungschefs beim Nachtflug schlecht sein. Die Atmosphäre zwischen Berlin und Brandenburg sei seither vergiftet, heißt es in Gesellschafterkreisen. Berlins Regierender Bürgermeister soll sich bislang geweigert haben, dem Arbeitsvertrag des neuen Chefberaters Wilhelm Benders zuzustimmen.

Dem Vernehmen nach geht es darum, ob Bender zusätzlich zu seinem angeblichen Honorar von 2500 Euro pro Tag Spesen für Hotel und Fahrtkosten erstattet bekommt. Dieser hätte eigentlich am Mittwoch schon seine Arbeit am BER aufnehmen sollen. Doch die offizielle Vorstellung des neuen Chefberaters wurde nur wenige Stunden zuvor abgesagt. Vorher muss erst noch der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates tagen. Ihm gehören neben Wowereit und Platzeck auch Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium und ein Arbeitnehmervertreter an.

Das Treffen soll „kurzfristig stattfinden“, hatte Ingo Strater, Sprecher im Bundesverkehrsministerium, angekündigt. Man erwarte sich ein klares Signal. Von Bender ist offiziell nicht bekannt, was er von dem Streit um seinen Arbeitsvertrag hält. Aber ein wenig sorgen sich die Beteiligten durchaus, er könne dadurch abgeschreckt werden. Wie verfahren die Lage ist, zeigt sich daran, dass bisher noch keine Sitzung stattfand. Platzeck wollte keinen Kommentar abgeben: „Ich sage nichts zu Personalien.“

Aufsichtsratsmitglied und Wirtschaftsminister Ralf Christoffers sagte: „Ich kann allen Beteiligen nur dringend raten, abzurüsten.“ Er appellierte an Wowereit, sich „wieder der gemeinsamen Aufgabe zu stellen“, den BER endlich ans Netz zu bringen. Senatssprecher Richard Meng äußerte sich nur allgemein: „Alle Fragen werden kollegial in den Flughafengremien gelöst.“