Neuer Airport BER

Flugsicherung wehrt sich gegen Kritik an Sicherheitszonen

Die Deutsche Flugsicherung weist den Vorwurf zurück, die BER-Sicherheitszonen und damit die Flugrouten nachträglich verändert zu haben.

Der Ärger um die Flugkorridore, die den Piloten als Sicherheitszone auch weitab der behördlich festgelegten offiziellen Flugrouten zur Verfügung stehen, reißt nicht ab. Während die Deutsche Flugsicherung (DFS) noch darauf verweist, dass diese bereits Anfang dieses Jahres mit der Festlegung der neuen Flugrouten bekannt gemacht wurden, sind viele Berliner entsetzt darüber, dass die Piloten nicht dazu verpflichtet sind, überhaupt auf den festgelegten Routen zu fliegen. Das belegen die Flugspurenkarten der DFS, auf denen nachzulesen ist, dass schon heute die Mehrzahl der Flugzeuge abseits der offiziellen Routen fliegt.

Die Auswertung einer Karte, die rund 200 Starts von Tegel an einem Tag mit Ostwind im März dieses Jahres zeigt, trägt dazu bei, das Misstrauen weiter zu schüren. Die Daten der Flugsicherung belegen, dass viele Flugzeuge ab einer Höhe von 5000 Fuß nicht auf den vorhergesehen Flugrouten nördlich der Stadt fliegen, sondern eine Abkürzung über das dicht bewohnte Stadtgebiet im Süden nehmen. Ab dieser Höhe von umgerechnet etwa 1500 Metern ist das erlaubt. Viele Bürger fragen sich aber, welche Bedeutung die offiziellen Flugrouten dann überhaupt haben.

„Der Lotse kann den Piloten ab einer Höhe von 5000 Fuß nach links oder rechts abdrehen lassen“, sagte dazu DFS-Sprecher Axel Raab. Das sei auch nicht typisch für Berlin, sondern an allen Flughäfen weltweit so üblich. „Anders würden sie den Verkehr nicht vom Flughafen wegbekommen“, sagte Raab. Zahlreiche Verspätungen wären sonst die Folge. Für manche Piloten würde das sogar einen Umweg bedeuten. „Andere können dadurch natürlich auch Sprit sparen“, so Raab.

Flugrouten spielen offenbar keine Rolle

Die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) sieht in dem Abgleich der offiziellen Routen mit den tatsächlichen Flugbewegungen den Beweis, dass die „Flugrouten offenbar gar keine Rolle spielen“, so FBI-Mitglied Thomas Ludwig. Wenn die DFS für Tegel Routen festgelegt habe, nach denen bei Ostwind über den Norden geflogen werden soll, um in Richtung Westen zu gelangen, die meisten Piloten jedoch die kürzere Strecke über den dicht besiedelten Süden Berlins wählen, „spielen solche Festlegungen doch offensichtlich keine Rolle“, so Ludwigs Fazit.

Die Vermutung, dass auch die Flugrouten am neuen Flughafen BER nicht tatsächlich geflogen werden, dränge sich also auf. Ludwig, der die Flugspurkarten der DFS an den Berliner Flughäfen regelmäßig auswertet, widerspricht zudem der DFS, dass solche Abweichungen auch an anderen Flughäfen üblich seien. „Im Vergleich mit München und Frankfurt zeigt sich, dass in Tegel und Schönefeld sehr unsauber geflogen wird“, so Ludwig. Erklären ließe sich dies wohl aus der Historie: „Die Berliner fühlen sich aus der Geschichte heraus Tegel sehr verbunden und haben den Fluglärm offenbar als notwendiges Übel toleriert“, sagte Ludwig. Die Bürger in Frankfurt etwa seien dagegen schon seit den Zeiten der Startbahn-West-Proteste in den 70er Jahren viel stärker sensibilisiert.

Kritik an Informationspolitik

Unterdessen wehrt sich die Flugsicherung gegen den Vorwurf, heimlich die Sicherheitszonen verändert zu haben. Die Sicherheitskorridore stünden laut DFS-Sprecher Raab schon seit Januar fest. Damals verkündete die DFS die Flugrouten für den BER. Verwirrung entstand nun durch eine Anfrage der Fluglärmkommission. Diese wollte von der DFS die Gebiete definiert haben. „Es handelt sich dabei um sehr große Datenmengen“, sagte Raab. „Ein Mitarbeiter aus der Fachabteilung hat die Daten zu den Korridoren daher für ein paar Tage auf einen Server ins Netz gestellt und dem Kollegen bei der Kommission mitgeteilt, dass er sie dort herunter laden kann.“ Dadurch sei fälschlicherweise der Eindruck entstanden, der Korridor sei nachträglich erweitert worden.

Für den Verkehrsexperten der Grünen, Harald Moritz, stellte sich allerdings die Frage, „warum die Flugsicherung so zögerlich ist, solche Karten zu veröffentlichen. Das schürt Misstrauen.“