Auch der neue Eröffnungstermin für den Flughafen BER wackelt. Der Aufsichtsrat teilte am Freitagabend nach einer siebenstündigen Sitzung mit, dass der 17. März 2013 noch einmal genau überprüft werden soll. Außerdem könnten die Kosten für neuen Flughafen in Schönefeld um mehr als eine Milliarde auf 4,2 Milliarden Euro steigen. Das gab Flughafen-Chef Rainer Schwarz bekannt.
Schwarz sagte weiter, dass man wegen der Verschiebung des Betriebsstarts mit Mehrkosten in Höhe von 586 Millionen Euro rechne. Hinzu kommen mögliche Mehraufwendungen von knapp 600 Millionen Euro für den verbesserten Schallschutz, den das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg angemahnt hatte. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der dem Kontrollgremium vorsitzt, kündigte an, dass die Flughafengesellschaft juristisch gegen die vom Gericht verhängten Schallschutzauflagen vorgehen werde.
Zum Eröffnungstermin sagte Wowereit, man gehe zurzeit davon aus, dass der 17. März „ins Auge gefasst“ wird. Eine Garantie für diesen Termin wollte Wowereit jedoch nicht abgeben. Vordringlich, so der Regierende, sollten jetzt die Planungen für die Entrauchungsanlage geprüft werden, um letzte Zweifel am Zeitplan auszuräumen. Die Verantwortung für diese Entscheidung soll der neue Technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Horst Amann, nach gründlichem Studium der Planungsunterlagen treffen. „Dann bin ich aussagefähig“, sagte Amann, der vom Frankfurter Flughafen nach Berlin wechselt und am Freitag vom Aufsichtsrat bestellt wurde. Der 59-Jährige tritt sein Amt zum 1. August an, wird aber nach eigener Aussage schon vorherin Berlin arbeiten, so oft es geht.
Die Kostensteigerung über die bisher eingeplanten drei Milliarden Euro hinaus erklärte Flughafenchef Schwarz mit drei Elementen. Die Einnahmeverluste und Mehrkosten, die durch die um zehn Monate verschobene Eröffnung im operativen Betrieb entstehen, bezifferte Schwarz auf 110 Millionen Euro. Die ursprünglich angesetzten 150 Millionen hätten durch Sparprogramme gesenkt werden können, so der Manager, der weiterhin an der Spitze der Flughafengesellschaft stehen wird.
Zweiter Block sind laut Schwarz die deutlich absehbaren Schadenersatzforderungen, die sich aus klaren vertraglichen Pönalen ergeben. Diese Summe liege aber nur bei fünf Millionen Euro. Die Baukosten werden nach den Worten des Flughafenchefs um 276 Millionen Euro steigen. Als Risikovorsorge für eventuelle Nachforderungen von Baufirmen oder Schadensersatzansprüchen von anderen Unternehmen sieht der Flughafen 195 Millionen Euro vor.
Ob diese Mehrausgaben die Haushalte der Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Berlin belasten werden, wollte Wowereit noch nicht konkret sagen. Die Flughafengesellschaft solle zunächst alle eigenen Finanzierungsmöglichkeiten ausschöpfen. Wowereit versicherte jedoch, die Gesellschafter stünden hinter ihrem Unternehmen.
Die große Unbekannte in der Kalkulation bleibt der Schallschutz. Man sei von der Entscheidung des Oberverwaltunsgerichtes überrascht worden. Sollten die hohen Ansprüche umgeetzt werden, würde das 591 Millionen Euro kosten, sagte Wowereit am Freitag. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) machte deutlich, dass er dieses Niveau für überzogen hält. Schon die bisher geplanten Maßnahmen böten „exzellenten Schallschutz“ für die Anwohner, so Platzeck weiter

