Karsten Schulze ist ein Mann klarer Worte. „Erbärmlich“ sei es, wie der Flughafen und seine Gesellschafter derzeit versuchten, „sich der Verantwortung zu entziehen“, schimpft der Spandauer Busunternehmer.

Seine Firma Haru Reisen muss durch das Debakel der verschobenen Eröffnung des neuen Flughafens hohe Verluste verkraften. Von der vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zugesagten „unbürokratischen Hilfe“ können Haru und die anderen Firmen nur träumen.

„Grob fahrlässig“ sei der Schaden angerichtet worden, so Schulze: „Die Flughafengesellschaft hält die einfachsten Grundregeln ehrbarer Kaufleute nicht ein, fügt dem Land Berlin und der hiesigen Wirtschaft enormen Schaden zu und die verantwortliche Politik schweigt und geht zur Tagesordnung über“, beklagt Schulze in einem Brief, der unter anderem an Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos, für die CDU) gerichtet ist. Sein Unternehmen sei nun gezwungen, den Rechtsweg einzuschlagen, um seine Forderungen durchzusetzen. Auch andere Firmen prüfen Schadensersatzklagen.

Keine finanzielle Unterstützung

Die Senatorin lässt versichern, Unternehmen, die wegen BER in Schwierigkeiten geraten sind, solle innerhalb von 48 Stunden geholfen werden. Die Flughafengesellschaft lässt wissen, man habe einige Mieter, die vor der Pleite standen, unterstützt, so mit Anpassungen der Mietverträge, jedoch nicht mit Geld. Beim Unternehmensservice der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner sind nach Angaben eines Sprechers „vier bis fünf“ Firmen vorstellig geworden. Für diese moderiere man Gespräche mit Banken und Lieferanten. Geld gibt es auch hier nicht. Auch der Liquiditätsfonds der landeseigenen Investitionsbank darf Einzelhändler oder Gastronomen nicht helfen. Die Stimmung der betroffenen Unternehmen ist inzwischen gereizt. Vom Flughafen bekam der Chef von Haru-Reisen nur einen knappen Brief: „Nach sorgfältiger Prüfung Ihres Anliegens möchten wir Sie heute darüber informieren, dass wir Ihrem Wunsch nach einer Kompensation ihrer Kosten derzeit nicht entsprechen können“, schrieb eine Flughafen-Juristin an Karsten Schulze. Auch die Möglichkeit einer „Kulanzlösung im Einzelfall“ komme nicht in Betracht.

Schaden von 200.000 Euro

Das erbost die Opposition. Der Eröffnungstermin sei „politisch gesetzt“ gewesen, sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Ludwig. „Mich stört, dass sie keinen Fonds einrichten, um schnell und unbürokratisch zu helfen.“

Haru hatte nach eigenen Angaben vom Land Berlin die Genehmigung für eine Linienbus-Verbindung zwischen Rathaus Steglitz und dem BER bekommen. Weil die Geschäftsführung des Flughafens stets „gebetsmühlenartig“ wiederholt habe, dass der Eröffnungstermin 3. Juni „unumstößlich feststand“, hatte Schulze investiert. Drei Busse für zusammen 750.000 Euro kaufte er, gab weitere 30.000 Euro für die vorgeschriebene Technik aus, stellte sechs Busfahrer und eine Buchhaltungskraft ein. Insgesamt belaufe sich der monatliche Schaden durch Kapitaldienst und Lohnkosten auf 22.000 Euro, rechnet Schulze vor. In den fast zehn Monaten bis zum nun angestrebten Eröffnungstermin im März kommen so mehr als 200.000 Euro zusammen.

Keine "transparente Information"

Der Unternehmer, der im Präsidium der Berliner Industrie- und Handelskammer sitzt, glaubt, durch eine „offene und transparente Information“ hätte der Schaden sehr viel geringer ausfallen können. Die Flughafengesellschaft schreibt in ihrem Ablehnungsbrief, die Verschiebung habe erst am 8. Mai festgestanden. Diese Aussage sei inzwischen widerlegt, findet Schulze. Die Unternehmen hätten Investitionen strecken können und Mitarbeiter wären nicht eingestellt worden, wenn „das Offenkundige im Dezember auch kommuniziert worden wäre“.

Anwalt eingeschaltet

Die Erfahrung des Haru-Chefs teilt der Prokurist der Schnellrestaurant-Kette Asiagourmet, Hans Koch. Mehr als 450.000 Euro hat sein Unternehmen investiert in das Geschäft am BER. Er habe seinen Anwalt beauftragt, den Mietvertrag zu überprüfen, ob es irgendeine Aussicht gibt, den Schaden ersetzt zu bekommen. In diesen Tagen muss er mit seinen Banken reden, ob sie wegen ausbleibender Einnahmen den Sonderkredit für den Aufbau des ersten Flughafen-Restaurants der Firma strecken. Viel Hoffnung macht sich Koch nicht. „Ich mache mir keine Illusionen, dass die Banken uns entgegenkommen“, so der Unternehmer, dessen Frau Tam Koch als Erfinderin der „asiatischen Reispfanne“ als Schnellgericht gilt.

Kette von Planungsmängeln

Koch schildert eine Kette von Planungsmängeln auf der Baustelle, die schon vor der Verschiebung für Ärger gesorgt hätten. So sei die Decke im „Food Court“ statt der gewünschten 3,25 Meter nur 2,50 bis 2,75 Meter hoch. Wasserleitungen seien mit Sprinklerleitungen verwechselt worden. Es fehle auch ausreichende Versorgung mit elektrischer Energie. „Flughafengesellschaft und Politik verstehen gar nicht, was für ein Desaster angerichtet worden ist“, sagte der Unternehmer.