Höhere Gebühr

Taxis verursachen Chaos am Flughafen Tegel

| Lesedauer: 5 Minuten
Viktoria Unterreiner

Weil sie gegen eine höhere Gebühr am BER sind, umfahren Taxifahrer das Bezahlsystem in Tegel und blockieren damit die Zufahrten.

Die Anfahrt zum Flughafen Tegel von der Berliner Innenstadt aus ist für die Passagiere unkalkulierbar geworden. Am Dienstagvormittag standen Fahrgäste im Bus der Linie TXL eine halbe Stunde Unter den Linden im Stau. Wer stattdessen in ein Taxi umstieg, konnte auch nicht sicher sein, zeitlich gut durchzukommen. Denn Berlins Taxifahrer sind im Streit mit der Flughafengesellschaft und umfahren deshalb das automatische Bezahlsystem in Tegel. Das führt zu teils chaotischen Zuständen auf den Anfahrtswegen.

Dagegen ging es im Terminal selbst vergleichsweise ruhig zu. Denn alle Betroffenen hatten personell vorgesorgt. Allein die Lufthansa hat insgesamt 70 zusätzliche Mitarbeiter für den Bodendienst angefordert. Die Securitas, die unter anderem das Handgepäck der Fluggäste kontrolliert, hat 50 zusätzliche Mitarbeiter bereitgestellt. Sie arbeitet hier eng mit der Bundespolizei zusammen, die sowohl auf den Gängen als auch im Sicherheitsbereich mehr Beamte auf Streife schickt. Air Berlin startete ohne Probleme am Dienstag ihre neue Direktverbindung von Berlin nach Kaliningrad. „Die ersten Tage verliefen sehr positiv“, sagt Bernhard Alvensleben, der Geschäftsführer von Globeground Berlin. „Die Flüge konnten von uns pünktlich abgefertigt werden.“

15 Millionen Euro Verlust im Monat

Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh. Denn schon kommende Woche werden mehr Fluggäste erwartet, die wegen der Fußball-Europameisterschaft über Berlin weiter nach Polen reisen. Unmittelbar danach beginnt in Berlin die Ferienzeit. „Erst dann können wir entscheiden, ob wir die Zahl der Mitarbeiter wieder auf den normalen Betrieb anpassen oder dauerhaft in Tegel mehr Personal vorhalten müssen“, sagt Thomas Mensinger von Securitas.

Von den Schadensersatzforderungen der Airlines und betroffenen Firmen sieht sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) indes nicht angesprochen. Das Land Berlin müsse nach Angaben Wowereits mit „keinerlei Schadensersatzforderungen“ durch die zum zweiten Mal verschobene Eröffnung des neuen Flughafens rechnen. „Inwieweit gegenüber der Flughafengesellschaft Schadenersatzforderungen erhoben werden, beziehungsweise inwieweit der Wirtschaft Schaden entsteht, lässt sich zur Zeit noch nicht konkretisieren“, antwortete Wowereit auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion. Die Flughafengesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender Wowereit ist, gehe zur Zeit von Einnahmeausfällen von 15 Millionen Euro im Monat aus, schrieb Wowereit. Experten halten diese Summe für viel zu gering.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sieht nur wenig Spielraum bei den Flugbewegungen. Zwischen sechs und neun Uhr sowie zwischen 17 und 21 Uhr erreicht der Flughafen fast seine zulässigen Eckwerte. Erlaubt sind 52 Flugbewegungen pro Stunde. Das bedeutet, dass bei Hochbetrieb fast jede Minute ein Flugzeug startet oder landet. „Dieser Wert wird zu den Spitzenzeiten morgens und abends nahe erreicht“, sagt DFS-Sprecher Stefan Jäkel. Damit könnten die Fluglotsen derzeit „überraschend gut umgehen“. Allerdings sei es auch noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. „Schwierig wird es erst, wenn ein Rädchen mal nicht ins andere greift“, sagt Jäkel. „Das macht sich dann bei allen Beteiligten bemerkbar.“

Berlins Taxifahrer zeigen allerdings keine Bereitschaft, den Passagieren entgegenzukommen. Sie sorgen stattdessen für zusätzliches Chaos. Schon allein wegen des höheren Streckenangebots machen sich nun seit dem 3. Juni mehr Fluggäste auf den Weg nach Tegel. Dort nutzen die Taxifahrer die Situation aus, um ihren ganz eigenen Kampf mit der Flughafengesellschaft auszufechten. Sie müssen bei der Anfahrt an den Flughafen eigentlich eine Schranke passieren, bei der ihnen elektronisch eine Gebühr in Höhe von 50 Cent berechnet wird. Doch einige Fahrer blockieren diese Schranke zum Stellparkplatz, sodass alle anderen über eine nicht zugelassene Strecke auf den Parkplatz fahren müssen.

Andere fahren gleich direkt an den Kollegen vorbei und am Terminal vor. Sie sparen sich dadurch die Wartezeit und keiner von ihnen zahlt die Gebühr. „Dadurch wollen wir den Flughafen zwingen, am BER auf eine deutlich höhere Gebühr als derzeit zu verzichten“, sagt Boto Töpfer, stellvertretender Vorsitzender des Taxi Verbands Berlin Brandenburg.

Die Taxifahrer rechnen wegen der längeren Fahrt an den BER und des entsprechend höheren Beförderungsentgelts mit einem insgesamt schlechteren Geschäft. „Wir gehen davon aus, dass sich dann deutlich weniger Berliner ein Taxi leisten werden“, sagt Töpfer. Er hat daher Verständnis für die Kollegen. „Wenn der Flughafen unserer Forderung nachgibt, werden wir auch wieder in Tegel durch die Schranke fahren.“ Am BER müssen die Taxifahrer für die Anfahrt 1,50 Euro und damit einen Euro mehr bezahlen als bisher. Der Parkplatzbetreiber Apcoa rechtfertigt die Erhöhung durch den dann besseren Service. So sollen die Fahrer unter anderem einen Aufenthaltsraum zur Verfügung haben.

Weitere Infos zum BER gibt es auf dem Flughafen-Blog der Berliner Morgenpost: http://hinundweg.morgenpost.de