Flugsicherung

Tower am Flughafen BER offiziell eröffnet

Fast unbemerkt machen die Fluglotsen am BER seit einem Monat ihre Arbeit im neuen Tower. Jetzt wurde er offiziell in Betrieb genommen.

Foto: DAPD

Der neue Tower am Flughafen BER ist bei Weitem nicht der höchste Turm Berlins. Mit seinen 72 Metern ist er niedriger als der Fernsehturm, der Funkturm, ja sogar als der Turm des Roten Rathauses. Er ist auch nicht der höchste Tower Deutschlands. Dieser steht am Flughafen Düsseldorf. Aber er ist einen Meter höher als der Tower am Flughafen in Frankfurt am Main. Und darauf sind die Berliner Fluglotsen durchaus stolz.

Seit genau einem Monat sitzen die Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) schon im neuen Tower auf dem Gelände des Flughafens BER. So richtig mitbekommen hat das kaum jemand. „Das zeigt, dass der Übergang vom alten auf den neuen Tower reibungslos funktionierte“, sagte DFS-Chef Dieter Kaden. Von ihrem neuen Turm aus wickeln die Lotsen weiterhin den Flugverkehr des alten Flughafens Schönefeld ab. Dessen Südbahn wird am 3. Juni zur Nordbahn des neuen Flughafens. „Der letzte Schritt für uns ist, wenn im Juni dann auch die Lotsen aus Tegel an den BER kommen“, sagt Dieter Kaden.

Am Mittwoch, einen Monat nach Inbetriebnahme wurde der Tower nun offiziell eingeweiht. Zu der Feier kamen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Klaus-Dieter Scheurle, sowie Flughafenchef Rainer Schwarz. In einem Festzelt wurde vor 300 geladenen Gästen der Schlüssel des Towers an die DFS übergeben. Für ihre Arbeit wünschten ihnen alle Beteiligte ein „Happy Landing“, was in der Welt der Fluglotsen eine gute Landung bedeutet.

Von ihrem noch ganz neuen Arbeitsplatz sehen die Lotsen bis weit hinein nach Brandenburg. Auf genau 68 Metern Höhe ist die Schaltzentrale des Flughafens. Dort haben die Lotsen den besten Überblick auf alles, was sich vor ihnen auf dem Boden und in der Luft abspielt. Auch die Lage des Towers ist gezielt gewählt. Er steht genau auf dem Punkt, der sich ergibt, wenn man ein Kreuz zwischen den vier Stellen zeichnet, an denen ein Flugzeug auf den beiden Start- und Landebahnen aufsetzt.

37 Millionen Euro hat die Flugsicherung für den Bau ausgegeben. Der Tower steht auf zwölf jeweils ein Meter dicken Pfählen aus Beton, die 18 Meter tief in die Erde ragen. Für seinen Bau wurden 3100 Kubikmeter Beton verbraucht. Von innen sieht der Tower aus wie ein beliebiges Bürogebäude. Grauer Teppich, blaue und weiße Wände. Hier sind die Büros der Mitarbeiter. Doch wer zwei Treppen nach oben steigt, gelangt über einen Gang zu dem Aufzug, der direkt in den wichtigsten Raum des Towers führt.

Start- und Landebahn im Blick

Dieser ist rundum verglast. An normalen Betriebstagen sitzen hier auf jeder Seite zwei Lotsen, die jeweils eine Start- und Landebahn im Blick haben. Sie organisieren die Reihenfolge, in der die Flugzeuge abheben und landen und stellen sicher, dass der Flugbetrieb reibungslos läuft. Dazu kommen zwei Lotsen, die den Verkehr auf dem Vorfeld steuern. Dazu gehören unter anderem die Tankfahrzeuge und Gepäckwagen. Bei Bedarf können sich bis zu elf Lotsen in diesem Raum aufhalten.

Sie arbeiten in Schichten von jeweils acht Stunden und zwölf Minuten. Nach drei Stunden müssen die Lotsen eine halbe Stunde Pause machen. Das ist vorgeschrieben und hängt von der Dichte des Flugverkehrs ab. Ihre Kollegen in Frankfurt müssen beispielsweise schon nach zwei Stunden eine Pause einlegen, da dort mehr Flugzeuge starten und landen.

Vor sich haben die Lotsen fünf Monitore. Auf ihnen sehen sie die Bewegung der Flugzeuge in der Luft und auf dem Vorfeld. Sie kennen die Wetterbedingungen und haben Abflug- und Ankunftspläne im Blick. Ein roter Hörer ist für Notfälle, ein grüner für Gespräche mit den Wagen auf dem Boden und ein weißer für normale Anrufe. Über ein Mikrofon kommunizieren sie mit den Piloten. Ein wichtiges Instrument hängt in einer Ecke. Es ist die Lichtpistole, mit der bei extrem schlechten Sichtverhältnissen oder einem Ausfall des Funkverkehrs das Flugzeug auf die Landebahn eingewiesen werden kann. Auf ihr sitzt als Maskottchen ein roter Vogel aus Plüsch.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat an seinen ersten Besuch im Tower gemischte Erinnerungen. Damals blieb der Fahrstuhl hängen. Wowereit und die anderen Passagiere im Fahrstuhl mussten per Hand nach unten gekurbelt werden. Das passierte nun nicht.

„Die Akzeptanz des neuen Flughafens ist groß“, sagte Wowereit. Das hatte auch eine Umfrage im Auftrag der Berliner Morgenpost bestätigt. „Die Proteste spiegeln nicht die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung wider.“ Wowereit warnte vor übertriebener Nostalgie in Bezug auf Tegel. „Aber Tegel ist immer mehr zum Provisorium geworden“, sagte Wowereit. Sollte am BER anfangs nicht alles klappen, sollten sich die Fluggäste doch bitte ein wenig gelassen zeigen.