Ob Stromstöße, Feuer oder Farbe: Jährlich nehmen in Deutschland Tausende Sportler an Extremläufen teil. "Es geht immer darum, an seine Grenze zu kommen", sagt der Sportpsychologe Andreas Marlovits, und "um die Frage: Kann ich mich gegen einen heftigen Widerstand durchsetzen?"

Ein Marathon, bei dem Sportler rund 42 Kilometer zurücklegen, sei ein vergleichsweise sauberer und eintöniger Lauf. Irgendwann werde das langweilig, sagt Marlovits.

Der Eintönigkeit entkommen Läufer im unterfränkischen Münnerstadt zum Beispiel in einer metertiefen Schlammgrube. Beim "Braveheartbattle" legen sie zwar "nur" 28 Kilometer zurück. Dafür müssen sie aber 50 fiese Hindernisse überwinden.

Neben Schlammlöchern sind das zum Beispiel Dornenhecken oder ein steiniger Fluss. Durchmogeln könne sich niemand, sagt Veranstalter Joachim von Hippel: "Pussylanes - also einfachere Routen - gibt es nicht."

Extremläufer setzen auf Zusammenhalt

Der ehemalige Soldat organisiert noch weitere Extremläufe: Man muss dem Läufer etwas bieten, ist sich von Hippel sicher. Seiner Einschätzung nach macht die Fitness bei solch einem Rennen nur etwa 40 Prozent aus - der Rest sei Willensstärke.

„Jeder Läufer geht für sich durch die Hölle", sagt er. Anders als beim Marathon müssten die Teilnehmer einander aber bei vielen Extremläufen helfen, um ans Ziel zu kommen.

Genau das schätzt der 31-jährige Christian Förnges aus Frankfurt am Main, der am Extremlauf "Tough Mudder" teilgenommen hat. "Ein Marathon ist eine sportliche Herausforderung, Tough Mudder hat eher Eventcharakter", sagt er.

Der Matsch-Lauf, der mittlerweile in mehreren Städten ausgetragen wird, spielt bewusst mit Ängsten: Dunkle Tunnel, Schlammkäfige mit wenig Platz zum Atmen und brennende Hindernisse sind nur ein paar Beispiele. Auch mit Stromstößen müssen die Teilnehmer rechnen. Vor allem null Grad kaltes Wasser zu Beginn des Laufs habe er als hart empfunden, erzählt Förnges - insgesamt habe er es aber "eher als Spaß gesehen".

Gefährlicher Trend? Extremlaufen forderte schon Tote

Genau das kann Sportwissenschaftlern zufolge bei Untrainierten problematisch werden. Da viele Menschen solche Läufe eher als Spaßveranstaltung sähen, muteten sie sich möglicherweise zu viel zu, warnt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Zudem könne der ständige Wechsel der einzelnen Belastungen den Körper selbst von fitten Teilnehmern stark fordern. "Der Reiz liegt natürlich darin, dass man nicht merkt, wie lange man läuft", sagt Froböse. Die Extremläufer hätten aufgrund der Abwechslung nicht das Gefühl "Wie lange dauert das noch?".

Tatsächlich muten sich unerfahrene Hobby-Athleten dabei oft zu viel zu: Beim "Zugspitzlauf" starben vor einigen Jahren zwei Teilnehmer an Erschöpfung und Unterkühlung, weitere Läufer mussten ins Krankenhaus. Trotz schlechter Wettervorhersage waren viele der etwa 600 Sportler in kurzen Hosen und T-Shirts zu dem 16,1 Kilometer langen Rennen durch dichtes Schneetreiben auf die 2962 Meter hohe Zugspitze gestartet.

Farbe und Essen machen das Rennen zum Event

Um routinierten Läufern etwas Neues zu bieten, setzen Veranstalter aber nicht nur auf Schlamm und Stromstöße: Der Renner ist derzeit der sogenannte "ColorRun", bei dem sich Teilnehmer mit Farbe bewerfen und kunterbunt ins Ziel kommen.

Weniger schmutzig geht es beim "Gourmetlauf" in Fürth zu: Dabei besteht die Schwierigkeit für die Extremläufer eher darin, trotz vollem Magen anzukommen - sie werden auf der Strecke mit allerlei Leckereien verköstigt.

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