Radfahren macht Spaß, entspannt und hält gesund. Es stärkt die Kondition, schont dabei die Gelenke und heizt den Fettpölsterchen richtig ein. Doch Radfahren kann die Gesundheit auch schädigen, zeigen Studien. Ein falscher Sattel kann bei Männern zu Durchblutungsstörungen im Penis führen, bei Frauen zu Taubheitsgefühlen im Genitalbereich. Auch von der richtigen Sitzposition hängt einiges ab.
Viele Männer und Frauen spüren beim Fahrradfahren Schmerzen im Gesäß, ergab eine Untersuchung der Deutschen Sporthochschule in Köln im Auftrag des italienischen Sattelherstellers Selle Royal.
Der Grund: Beim Radfahren lastet auf der kleinen Sattel-Fläche mehr als 50 Prozent des Körpergewichts. "Das kann zu einem enormen Druck auf die Sitzknochen und den Schambereich führen", berichtet Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Um mangelnder Durchblutung vorzubeugen, empfiehlt Froböse einen Sattel mit großer Sitzfläche. Der sollte zudem geschlossen und im mittleren Teil gepolstert sein. Denn bei einem Sattel mit Loch verlaufen Venen, Nerven und Arterien genau da, wo nur Rest-Sattelmaterial vorhanden ist. Dadurch seien sie einem größeren Druck ausgeliefert, erklärt Fröbose.
Der ideale Sattel für Mann, Frau und Radsportler
1) Der ideale Frauensattel fürs gesunde Radfahren sollte laut der Untersuchung hinten eine breite Sitzfläche und vorne eine schmale Sattelnase haben, um den Genitalbereich der Frau zu schonen. So ließen sich Quetschungen der Nerven und Blutgefäße, damit einhergehende Taubheitsgefühle, Entzündungen der Haarwurzeln und geschwollene äußere Schamlippen verhindern.
2) Der beste Sattel für den Mann ist ebenfalls breit und hat eine volle Sitzfläche. Bereits in einer früheren Untersuchung hatte der Urologe Frank Sommer von der Universität Köln herausgefunden: Schmale Sättel sind besonders für männliche Radsportler ungeeignet. Er beobachtete, dass sich bei einem schmalen Sattel "die Durchblutung des Penis während des Radfahrens erheblich verringerte", berichtet er in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2001,126:939).
3) Radsportlern mit Durchblutungsstörungen im Penis empfiehlt der Urologe daher den Umstieg auf breite Frauensättel. Als Radsportler definiert er Männer, die 300 und mehr Kilometer pro Woche zurücklegen. Zum Vergleich: Alltagsradler fahren im Schnitt rund 300 Kilometer im Jahr.
Richtiges Sitzen verhindert Durchblutungsstörungen
Auch durch richtiges Sitzen auf dem Rad lassen sich Gesundheitsschäden vermeiden. Um Durchblutungsstörungen zu verhindern, empfiehlt Sommer Radsportlern alle zehn Minuten zwischen sitzender und stehend fahrender Position zu wechseln oder aber auf ein Liegerad zu wechseln. Dort maß der Mediziner während und auch nach der Radtour keinen verringerten Blutfluss.
Den Sattel am besten horizontal oder so einstellen, dass die Sattelspitze ein bis drei Grad nach unten geneigt ist, rät Sommer. Die Beine sollten nicht völlig gestreckt sein, wenn sich die Pedale an der tiefsten Stelle befinden. Sind die Knie noch etwas gebeugt, stützen sie das Gewicht des Radfahrers mit ab.
Sitzposition wechseln, sonst drohen Rückenprobleme
Auch wer nicht so viel fährt wie Radsportler, sollte häufiger seine Sitzposition wechseln und regelmäßig pausieren. Eine Pause von mindestens 30 Minuten ist auf längeren Strecken ideal. "So lassen sich Quetschungen und Schmerzen im Gesäß und an den Genitalien vorbeugen", sagt Froböse.
Grundsätzlich ist es besser, beim Radeln fast aufrecht zu sitzen statt in vornüber gebeugter Rennrad-Position in die Pedalen zu treten. Denn dabei spannt sich die Rückenmuskulatur an und der Hauptdruck wird vom Genitialbereich auf die Sitzknochen verlagert.
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