Dabei ließen sich gerade bei Kindern und Jugendlichen viele schwere Kopfverletzungen bei Unfällen vermeiden. Das zeigen die Berechnungen einer Expertin des Robert Koch-Instituts.
2012 verunglückten 74.776 Fahrradfahrer auf deutschen Straßen, 406 Fahrradfahrer kamen dabei ums Leben, laut offizieller Statistik des Bundesverkehrsministeriums. Im Vergleich zu 1992 nahm die Zahl der getöteten Radfahrer - trotz der starken Zunahme des Radverkehrs innerhalb der letzten 20 Jahre - um 55,2 Prozent ab.
Mit dem Fahrrad verunglückten im Jahr 2012 rund 9.900 Kinder unter 15 Jahren. Experten vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin vermuten jedoch, dass die tatsächliche Zahl der Fahrradunfälle höher ist, da nicht alle Unfälle gemeldet werden.
Kopfverletzungen und Radfahren: Das zeigen Statistiken
Nach Arm und Bein ist der Kopf das am häufigsten beschädigte Körperteil. Viele Verletzungen wären durch Fahrradhelme vermeidbar.
Die Schutzwirkung stehe außer Zweifel, schreibt die Forscherin. So sinke das Risiko einer Kopfverletzung um 69 Prozent, wenn Radfahrer einen Helm tragen.
Mit zunehmendem Alter schrumpft die Zahl der Helmträger
In Deutschland halten sich aber viele Kinder und Jugendliche nicht an die Empfehlungen. Dies hatte zuletzt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts ergeben. Dort waren die Mütter von 3- bis 17-Jährigen gefragt worden, ob ihr Kind regelmäßig beim Radfahren einen Helm trägt.
Im Alter von drei bis sechs Jahren war dies bei 90 Prozent der Fall, so Gutsche. Der Anteil nehme mit zunehmendem Alter jedoch stark ab, und von den Teenagern (14 bis 17 Jahre) schützen sich nur noch elf Prozent.
Der PAR-Wert ist bei älteren Jugendlichen besonders hoch
Das Team um die RKI-Wissenschaftlerin hat die Ergebnisse des KiGGS mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Schutzwirkung in Beziehung gesetzt und den so genannten PAR-Wert berechnet. PAR steht für „population attributable risk“ zu deutsch: bevölkerungsbezogenes zuschreibbares Risiko. Gemeint ist der rechnerische Anteil aller Kopfverletzungen nach Radunfällen, der durch das Tragen von Helmen verhindert werden könnte. Da ältere Kinder und Jugendliche meist ohne Helm radeln, ist der PAR bei ihnen besonders hoch: In der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen beträgt er nach den Berechnungen von Gutsche 57 Prozent, bei den 14- bis 17-Jährigen sogar 66 Prozent.
Eine Helmpflicht wie in Schweden, Kroatien, Spanien und Finnland hält die Autorin in Deutschland jedoch nicht für konsensfähig. Selbst der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ist dagegen. Er befürchtet einen Rückgang der Fahrradnutzung. Nicht bestritten wird allerdings, dass Helme schützen. Wenn es gelänge, drei Viertel der jugendlichen Radler zu motivieren, würde nach den Berechnungen von Johanna Gutsche der Anteil der vermeidbaren Kopfverletzungen bei Jugendlichen deutlich auf 35 Prozent zurückgehen.
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