„Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Zellen und löslichen Faktoren, die Krankheitserreger und Tumorzellen abwehren“, erklärt Hajo Haase vom Institut für Immunologie an der Uniklinik Aachen. Dass die Ernährung eine Wirkung auf die Abwehrkräfte hat, ist unstrittig. „Eindeutig ja, aber wir wissen noch nicht genau, wie“, sagt Professor Stefan Meuer, der das Institut für Immunologie an der Universität Heidelberg leitet.

Im Darm jedes Menschen sitzen Billionen von Bakterien, die die Nahrung verstoffwechseln. Die Zusammensetzung der Mikroben – das sogenannte Mikrobiom – sei aber von Mensch zu Mensch verschieden. „Gezielte Veränderungen durch die Ernährung lassen sich erst erfassen, wenn das Mikrobiom in ein paar Jahren entschlüsselt ist.“

Ausgewogen Essen statt Hühnersuppe gegen Erkältung

Eine gesunde Ernährung ist dennoch wichtig für gute Abwehrkräfte – nur lässt sich durch einzelne Lebensmittel kein gezielter Einfluss nehmen. Zum Beispiel Hühnersuppe: Der Körper bekommt Nährstoffe, Salz und etwas Warmes. „Der Kranke fühlt sich in dem Moment besser“, sagt Haase. Jedoch wirke Hühnersuppe eher kurzfristig – das Immunsystem bleibt davon unbeeindruckt. Dafür trägt womöglich der Placeboeffekt zur Heilung bei.

Wie der restliche Körper müsse das Immunsystem bestimmte Nährstoffe bekommen, erläutert Haase. „Lassen Sie zum Beispiel Zink weg, dann sehen Sie ganz klar, welche Zellen und Abwehrmechanismen ausfallen.“ Auch Kupfer, Eisen oder Vitamine wie A, C, D und E seien wichtig für die körpereigene Abwehr. Im Prinzip entfaltet eine ausgewogene Mischkost im Immunsystem den maximalen Effekt, sagen Mediziner.

Sport und gute Stimmung pushen das Immunsystem

Und wie sieht es mit dem „Abhärten“ durch Saunieren, kalte Bäder oder Spaziergänge im Nieselregen aus? Die Mediziner winken ab: „Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die belegt, dass das Abhärten einen Einfluss auf das Immunsystem hat“, sagt Meuer. Ein positiver Effekt lässt sich trotzdem erzielen, denn wer regelmäßig in die Sauna geht oder Kaltwasserbäder nimmt, verbessert seine Thermoregulation und kann dadurch in den kalten Monaten die Körperwärme besser speichern.

Ebenfalls unstrittig ist der positive Einfluss von Sport auf die Abwehrkräfte: „Moderates Training – also Schwimmen, Radfahren oder Joggen – stärkt das Immunsystem unabhängig von Regen, Schnee oder Sonne“, sagt Sportmediziner Karsten Krüger von der Universität Gießen. „Wir gehen davon aus, dass wir mit jedem Training das Immunsystem ein bisschen reizen und dadurch stimulieren.“

Einen wichtigen Effekt auf die Immunabwehr hat zudem die Psyche. Bei dauerhaftem Stress schütte der Körper vermehrt Kortisol aus, welches das Immunsystem unterdrückt, erläutert Meuer. Psychisches Wohlbefinden ist deshalb sehr wichtig, um grippale und andere Infekte abzuwehren.

Mehr Informationen zu Fitness, Sport und Ernährung bietet das Gesundheitsportal Lifeline. Quelle: lifeline.de

sw/dpa