Mamas & Papas

Der Zauber von Weihnachten

Für Kinder beginnt die Vorfreude weit vor dem 1. Advent. Das fordert von Eltern Kreativität, erzählt Sandra Garbers.

Für Kinder beginnt die Weihnachtszeit lange vor dem 1. Advent

Für Kinder beginnt die Weihnachtszeit lange vor dem 1. Advent

Foto: Jens Wolf / dpa

Ich kann mich noch sehr gut an die Vorweihnachtszeit ohne Kind erinnern. Arbeiten bis zum 23. Dezember, und wenn ich dann am 24. morgens mit den anderen Weihnachtslosern im Kaufhaus stand, um letzte Geschenke zu besorgen, fragte ich mich immer, wo eigentlich diese berühmte Weihnachtsstimmung in den letzten zehn Jahren abgeblieben war. Weihnachten, das war wie ein Zahnarztbesuch. Man kam nicht drum herum und war heilfroh, wenn es schnell vorüber war.

Das ist jetzt anders. Mit kleinen Kindern beginnt die Vorweihnachtszeit lange vor der Vorweihnachtszeit. Schon im Oktober fragte die Fünfjährige erstmals, wo eigentlich der Adventskalender bleibe. In den Fenstern klebten schon, Tage bevor das erste Lichtlein brannte, krumme und schiefe Sterne aus bunter Metallfolie, die Keksboxen sind randvoll bestückt mit Mürbeteigplätzchen, der Herrnhuter Stern leuchtet, die Esskastanien für den Backofen liegen bereit, Boskop und Dominosteine für Bratäpfel. Den meisten Platz im Haus aber beanspruchen die diversen Adventskalender.

Wie bereits im vergangenen Jahr hatte ich vor dem 1. Dezember mit fester Stimme verkündet: Dieses Jahr gibt es nur Schokoladenadventskalender für die Kinder. Das reicht. „Findest du wirklich? Keine kleinen Tütchen, die sie jeden Morgen aufgeregt mit roten Bäckchen öffnen können ...?“, fragte der ansonsten stets vernünftige Vater. „Ja, finde ich. Lauter Kleinzeugs, mit dem einen Tag lang gespielt wird und das dann für immer die Kinderzimmer zumüllt. Blinkende Fische, Leuchtknete, Plastikseehunde, die im Geschäft Salto können, zu Hause aber immer auf der Seite landen. Wer braucht so etwas?“ – „Aber es ist doch so schön, wenn sie morgens die Säckchen ...“

48 weihnachtchlich bedruckte Tütchen mit Kleinzeugs

Jetzt haben die Kinder also Schokoladenkalender (die hatte ich schon vorher besorgt) und insgesamt 48 weihnachtlich bedruckte Papiertütchen mit Kleinzeugs. Damit sind wir immer noch besser als im vergangenen Jahr, da hatten wir zusätzlich noch einen Kalender mit Pixiebüchern und einen, hinter dessen Türchen sich jeweils ein Weihnachtslied mit Noten befand. Wir mussten morgens eine halbe Stunde früher aufstehen, um vor der Kita das Kalender-Programm zu schaffen.

Bei den Weihnachtsgeschenken wollen wir aber eigentlich konsequent bleiben. Man muss die Kinder nicht überschütten. Jawohl! Erfahrungsgemäß kommt das Umdenken spätestens am 21. Dezember: Man soll Kinder nicht überschütten. Außer zu Weihnachten. Da MUSS man sie überschütten. Wann, wenn nicht dann? Also werde ich vermutlich wie jedes Jahr noch heimlich ein paar Geschenke besorgen. Das Schöne ist, dass ich damit nicht nur die Kinder, sondern auch ihren Vater ein bisschen überraschen kann. Und darum geht es ja auch zu Weihnachten. Überraschungen.

Ein echtes Einhorn und eine Kettensäge

Aber womit überschütten wir sie? Auf die Mithilfe der Kinder kann ich nicht zählen, ihre Wunschzettel sind kurz. Die Fünfjährige möchte ein kleines, graues, echtes Einhorn haben, ihr kleiner Bruder wünscht sich eine Kettensäge. „Ich glaube nicht, dass der Weihnachtsmann Einhörner hat“, sagte ich, um eventuellen Enttäuschungen am Heiligabend vorzubeugen. Tochter: „Doch, der hat alles. Und wenn nicht, fragt er eben das Christkind.“ Die Kinder glauben nach wie vor, dass sie Heiligabend von Weihnachtsmann UND Christkind beschenkt werden. Das Christkind, weil es eben das Christkind ist, und der Weihnachtsmann, weil irgendwer ja die Einhörner und Kettensägen schleppen muss.

„Kommt das Christkind auch durch den Kamin?“, fragte mich die Fünfjährige. „Kann es fliegen?“ „Wäscht es sich zwischendurch in einem Badezimmer, weil es in den Kaminen so schmutzig wird?“ Und: „Wenn der Weihnachtsmann Rentiere besorgen kann, die fliegen, warum dann nicht auch Einhörner?“ Die Antwort auf all die Fragen ist ganz einfach: Das ist eben der Zauber von Weihnachten. Den kann man nicht erklären.