Mamas & Papas

Rettungspaket fürs Schnuffelhäschen

Kolumnist Hajo Schumacher über Kosten und Nutzen einer Abenteuerreise nach Neuseeland.

Wir sind eine lockere Familie. Natürlich können wir loslassen. Nur die Kinder nicht. Es muss eine geheime Region im Elternhirn geben, die Gedanken an ein schlechtlauniges Pubertätsmonstrum ausradiert und nur heiter-gelassene Glücksmomente in der Erinnerung belässt.

Er wisse noch nicht so genau, wann er zurückkomme, hatte unser großer Sohn beim Abschied in unser Schluchzen hinein gesagt. Eigentlich wisse er nicht einmal, ob er überhaupt zurück komme, schließlich habe er ja Geld genug gespart für die nächsten Monate. Tapfer hatten wir tränenersticktes Wehklagen unterdrückt.

Obgleich das Internet inzwischen auch Neuseeland mit Schöneberg verbindet, erfuhren wir nicht viel von unserem Weltenbummler. Offenbar war ein Auto angeschafft und zum Wohnmobil ausgebaut worden, das zunächst liegen geblieben war und dann aufgebrochen wurde. Immerhin hatte der Täter Wertsachen in der fahrenden WG vermutet.

Vergangenes Wochenende meldete unser Schnuffelhäschen überraschend ein Videotelefonat an. Die Chefin saß beim Frisör, während zwei Mails auf einmal eintrafen. In der ersten wurde die unendliche Liebe zu den Eltern beschworen, in der zweiten folgte Klartext: Jenes Finanzierungskonzept, das beim Abflug als wetterfest präsentiert worden war, hatte offenbar nur EU-Qualität: Der Bengel war pleite wie Griechenland und ich die Kanzlerin. Grundsatzfrage: Sollte gutes deutsches Geld das neuseeländische Gebrauchtwagen-Gewerbe stützen?

„Er wird verhungern“, jammerte die Chefin. Mit Merkel-Gesicht erinnerte ich an die Grundregeln guter Haushaltsführung: Mehr verdienen, weniger ausgeben. Ich sei herzlos, sagte die Chefin. Der Junge habe abgemagert ausgesehen. Das sei nur das verzerrte Computerbild gewesen, erklärte ich. Die Chefin wollte ein metallisches Scheppern gehört haben, wahrscheinlich vom Blechnapf, mit dem das Kind um Reiskörner bettele. Na und, entgegnete ich, wir hatten es auch nicht leicht früher. Muss er eben Kiwis pflücken. Oder Schafe jagen. Soll ich etwa das nächste halbe Jahr Abenteuerferien finanzieren? Im Übrigen: Wenn einer urlaubsreif ist, dann bin ich das ja wohl.

Es folgte die unvermeidliche pädagogische Grundsatzdebatte. Die Gattin argumentierte mit sozialer Verantwortung, ich mit Appellen an die Selbsthilfe. Lehrjahre sind nun mal keine Herrentorten. Mangel macht kreativ. Außerdem erhöht Kohldampf das Ansehen der Eltern.

Am nächsten Tag fehlte ein nicht unbedeutender Betrag auf unserem, leider, gemeinsamen Konto. Die weichherzige Mutter hatte eine Notblitzüberweisung veranlasst - Rettungspaket I. Immerhin: Der junge Herr hat inzwischen auf einer Farm angeheuert, um eine bislang unbekannte Kulturtechnik namens Arbeit auszuprobieren. Prima. Vielleicht können wir Rettungspaket II wenigstens bis ins neue Jahr hinauszögern.