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Fitz und Haase: Geheimnisse sind erlaubt, um sexy zu bleiben

Florian David Fitz und Jella Haase gehören zu den Stars des neuen Films „Das perfekte Geheimnis“. Wie halten sie es mit der Wahrheit?

Die Harmonie stimmt: Die Schauspieler Jella Haase und Florian David Fitz im Doppelinterview zum Film "Das perfekte Geheimnis"

Die Harmonie stimmt: Die Schauspieler Jella Haase und Florian David Fitz im Doppelinterview zum Film "Das perfekte Geheimnis"

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Handys auf den Tisch. Und alle Botschaften, die reinkommen, werden publik gemacht. Das ist die Grundkonstellation des Films „Das perfekte Geheimnis“, der am Donnerstag ins Kino kommt. Sieben deutsche Stars sitzen da um einen Tisch. Und dann hagelt es Überraschungen. Es ist der erste Film von Bora Dagtekin nach seinen „Fack ju Göhte“-Erfolgen. Und er scharte dabei all seine Stars um sich. Mit denen er jetzt auch auf Städte-Tour ist. Wir haben zwei von ihnen getroffen: Jella Haase, die Chantal aus „Göhte“, und Florian David Fitz, der mit „Doctor’s Diary“ bekannt wurde – auch eine Serie von Dagtekin. Wir trafen die Schauspieler vor der Berlin-Premiere des Films im Zoo Hotel.

Sie wurden beide durch Bora Dagtekin bekannt. Sagt man da blind zu, wenn er wieder ruft?

Jella Haase: Was heißt blind? Da ist einfach ein großes Vertrauen. Man hat mal eine Entscheidung füreinander getroffen und trifft diese wieder. Trotzdem musste ich zum Casting, da gab es schon einen Findungsprozess. Bora sucht ja immer nach der perfekten Besetzung.

Florian David Fitz: Als die Anfrage kam, gab es das Drehbuch noch nicht. Aber diesen Vertrauensvorschuss gab es schon, dass man total gern dabei ist. Wenn die Rolle gut ist. Aber dafür sorgt Bora schon, dass die Rollen gut sind.

War das auch ein bisschen „Veteranentreffen“? Die „Dagtekin“-Kinder vereint? Frederick Lau hat ja auch in „Türkisch für Anfänger“ mitgespielt…

Fitz: Und in „Doctor’s Diary“!

Haase: Es ist immer von Vorteil, wenn man den Regisseur kennt. Und die Kollegen. Aber die Arbeit wird relativ schnell so intensiv, dass alle das Gefühl haben, dass sie sich seit Langem kennen. Da geht es relativ schnell zur Sache.

Fitz: Der Lerneffekt ist jedenfalls groß. (beide lachen)

Wie dürfen wir uns die Dreharbeiten vorstellen? Sie saßen ständig zu siebt am Tisch, haben zwei Monate gedreht. Erfährt man da mehr voneinander, als man vielleicht möchte? Gibt es da auch mal Lagerkoller?

Haase: Das kann schon ganz schön anstrengend sein. Aber rückblickend finde ich es wieder irre, was wir alles gemeinsam an Extremsituationen erlebt haben. Wir saßen ja wirklich 50 Tage gemeinsam im Studio, im Halbdunkel. Wir hatten ein kleines Aufenthaltszelt, in dem jeder sein eigenes Sofa hatte. Aber wir haben nur aufeinandergehockt.

Fitz: Das war, als ob du in „Alice im Wunderland“ oder in ein Wurmloch gefallen ist (lacht). Das war total spannend, weil du alle Stadien von Spaß und Kreativität über Hysterie bis Apathie durchläufst. Das war wohl eher schwierig für Bora, dabei die Herde zu bändigen. Diese sieben Leute, die alle keine kleinen Egos haben, unter einen Hut zu kriegen.

Sieben Stars in einem Tisch: Verspürt man da eigentlich auch Konkurrenzdruck?

Fitz: Das werden wir jetzt dauernd gefragt. Aber auch wenn’s langweilig klingt: Da war wirklich null Komma null Konkurrenz. Zickenkrieg wäre vielleicht die bessere Werbung, aber damit können wir echt nicht dienen. Ich hatte vorab schon Bedenken, wie das wird. Ich war mir nicht sicher, ob allen klar ist, dass das auch ein Dampfkochtopf sein kann.

Haase: Wir saßen aber auch alle im selben Boot. Jeder hat ja ein paar große Momente im Film. Bei sieben Hauptdarstellern hieß das aber auch, dass auf allen sieben eine Kamera war. Da kann man sich ausrechnen, wie oft wir jede Szene drehen mussten. Da hält man eher zusammen, sonst ist das nicht auszuhalten.

Im Film müssen alle Handys auf den Tisch. Würden Sie so ein Spiel mitmachen?

Haase: Also, mein Freundeskreis ist noch relativ analog unterwegs. Keiner hat WhatsApp, fast keiner ist auf Instagram. Ich bin da diejenige, die am meisten Zeit am Handy verbringt. Mein Freund Nils sagt mir dann aber regelmäßig: „Jella, echtes Leben!“

Fitz: Sie reden hier leider genau mit den zweien aus dem Film, die vorher kein WhatsApp hatten. Wir wurden während des Films genötigt, beizutreten. Bei dir, Jella, scheinen sie es ja geschafft zu haben. Aber wenn du einmal dabei bist, kommst du nicht mehr raus.

Haase: Doch, kann man. Ich war eine Zeit lang drin und habe es wieder gelöscht. Weil mich diese permanente Erreichbarkeit genervt hat. Ich gebe aber zu, ich bin selber sehr anfällig für so was. Durch Sachen wie WhatsApp verlernt man ein bisschen, im richtigen Moment zu sein. Man ist permanent zerstreut und agiert auf allen Kanälen gleichzeitig. Das macht einen unkonzentriert.

Fitz: Also nein, wir würden das Spiel nicht spielen. Ich glaube, das war die Frage.

Alle sagen im Film: Ich habe keine Geheimnisse. Und haben natürlich doch welche. Was denken Sie? Sollte man sich in einer Beziehung alles sagen? Oder ist es auch gut, wenn man nicht alles voneinander weiß?

Fitz: Es ist ein großer Unterscheid zwischen Geheimnissen und nicht alles sagen. Ich muss nicht jeden Furz, der mir im Kopf querhängt, mitteilen. Was echte Geheimnisse angeht, würde ich mir das bei Beziehungen nicht wünschen. Vielleicht maximal körperlicher Natur, damit es sexy bleibt. Nicht unbedingt auf dem Klo sitzen, während der andere Zähne putzt. Bei Freunden wäre das sinnlos, von denen will ich mir doch gerade Rat holen. Also muss ich da auch die Wahrheit sagen.

Haase: Das ist ja das Spannende im Film: Jeder geht damit anders um. Und so ist das ja auch im richtigen Leben. Was man dabei aber etwas vergisst, ist, dass es ja auch um eine Wahrheit mit sich selber geht. Um Fragen wie: Kann ich mich so auch anderen zumuten? Da muss man schon auch an sich selbst arbeiten.

„Mobiltelefone sind die Flugschreiber unseres Lebens“, heißt es im Film. Ist es wirklich schon so weit? Haben uns die Handys so im Griff?

Fitz: Aber mehr als Sie denken! Flugschreiber heißt ja auch, dass das Ding nicht nur alles aufzeichnet, was uns bewusst ist. Es zeichnet auch Dinge auf, über die wir uns nicht so klar sind. Wo sind wir wie lange? Diese Geräte wissen ja mehr über uns als wir selber.

Haase: Von meiner kleinen Schwester ist gerade das Handy kaputt, die muss jetzt ein paar Tage ohne auskommen. Da merkt man schon, wie abhängig man davon ist. Und wie man plötzlich wieder Zeit mit sich selber verbringt, ohne diese permanente Ablenkung. Diese Abhängigkeit finde ich schon beängstigend.

Fitz: Natürlich wäre es nicht so schwierig, wenn es nicht so praktisch wäre. Ich bin froh, dass ich meine Flugtickets, dass ich Wikipedia auf dem Handy habe. Man kann das alles ja auch sinnvoll nutzen. Aber du hast wieder was im Leben, wo du dich disziplinieren musst. Man muss sich, wenn man sich zerstreut, doch klarmachen: Mach ich das, weil ich es wirklich möchte oder weil ich ein Klickäffchen bin? Und wir sind halt

schon Klickäffchen…

Haase: Ich glaube, man muss sich diese Freizeit vom Handy immer wieder nehmen. Und sich prüfen, ob das geht. Ich fürchte nur, dass das sehr schwer wäre.

Fitz: Die Generation meiner Nichte, die jetzt 18 wird, hat das schon so internalisiert, dass sie es nicht mehr anders kennen. Die wissen aber sehr wohl, dass sie das nervt. Die stellen sehr wohl für sich Regeln auf. Das ist etwas, was wir lernen müssen. Das sind ja alles noch relativ neue Sachen. Aber wir müssen Regeln finden, wie wir damit umgehen. Genau wie beim Internet. Früher gab es auch keine Notwendigkeit für Ampeln, weil es noch nicht so viele Autos gab. In dem Moment, als der Verkehr zunahm, brauchte man Regeln dafür.

Wie ist das mit sozialen Medien? Muss man als Filmstar permanent präsent sein?

Fitz: Es schadet sicher nicht. Aber es muss nicht sein. Ich bin einfach kein Digital Native. Klar hilft das beim Promoten von Projekten. Das ist auch ein Kommunikationskanal fürs Publikum. Ich versuche das auch so zu machen, dass es mir Spaß macht. Aber ganz ehrlich: Wenn ich nicht Schauspieler wäre, ich würde es wohl nicht machen.

Haase: Ich würde es nicht machen. Ich wollte auch gar nicht. Ich hatte gar kein solches Mitteilungsbedürfnis. Aber Bora hat mich gebeten, das bei „Fack ju Göhte“ zu machen. Bora hat überhaupt damit angefangen, Filme auf diesen sozialen Plattformen zu bewerben. Er hat damit total den Zeitgeist getroffen. Aber ich glaube, zu vielen passt das auch gar nicht. Ich kenne Kollegen, die das nicht machen und trotzdem immer wieder damit hadern, ob sie es nicht tun sollen. Aber ich denke, es gibt doch einen Grund, warum sie nicht aktiv sind. Ich finde es eigentlich ganz wichtig, dass es Leute gibt, die das nicht machen.