Idole

Warum ich Marilyn Monroe verehre

Ob Leinwandgröße, Rockstar, Sportler oder YouTuber: Fast jeder von uns hat ein Idol. Wie hat sich der Starkult verändert?

Ricarda Ulm verehrt Marilyn Monroe – und doubelt den Leinwandstar

Ricarda Ulm verehrt Marilyn Monroe – und doubelt den Leinwandstar

Foto: jörg Krauthöfer

Alles wäre es das Normalste der Welt, spaziert Ricarda Ulm über den Kudamm – mit dem Kopf voller Lockenwickler. Sie ist auf dem Weg zu ihrer Maskenbildnerin. Gleich wird die junge Frau für ein paar Stunden in die Haut von Marilyn Monroe schlüpfen. Die Gestik und Mimik des unvergessenen Weltstars kennt sie in- und auswendig, genauso wie sämtliche Filme. Schon als Kind bezauberte Ricarda Ulm die Ausstrahlung der Monroe. Immer wieder schaute sie „Manche mögen’s heiß“ oder „Wie angelt man sich einen Millionär?“. Sie erinnert sich, dass sie schon damals die Bewegungen der Leinwandlegende nachgeahmt hat, die für sie „die Weiblichkeit in Person“ darstellt.

Was gefällt ihr an ihrem Idol besonders? „Marilyn Monroe versteckt sich nicht und steht zu ihren Kurven“, sagt Ricarda Ulm und spricht von dem 1962 verstorbenen Star ganz selbstverständlich im Präsens. „Sie spielt mit ihren Reizen und ist dabei auf naiv unschuldige Weise schön, anstatt wie viele heutige Stars einen auf sexy zu machen nach dem Motto: ,Ich habe mir die Brust vergrößern lassen, guckt her!’“

Ricarda Ulm steht auf Natürlichkeit. Und sie sieht ihrem Idol nicht nur verblüffend ähnlich, sie kann auch singen. Schon mit 15 Jahren war sie Mitglied einer Rockband. Die Ausbildung zur Sekretärin machte sie nur ihren Eltern zuliebe. Der Drang zur Musik war stärker – und auch das Talent. An der renommierten Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin studierte Ricarda Ulm Jazzgesang. Neben Klavier und Gitarre spielt sie auch Ukulele wie Marilyn Monroe in dem Film „Manche mögen’s heiß“. Auf die Idee, als ihr Double aufzutreten, kam sie durch ihre Zeit am Friedrichstadtpalast, wo die Künstlerin zwei Jahre lang als Tänzerin und Sängerin engagiert war und in viele Kostüme schlüpfen musste.

Früher waren Stars unerreichbar

Mittlerweile wird Ricarda Ulm auch als Double von Marlene Dietrich oder Helene Fischer gebucht. Aber am liebsten ist sie Marilyn Monroe. Zwar hat sie auch männliche Vorbilder wie Frank Sinatra oder Elvis Presley. Doch ihr Herz schlägt vor allem für Sängerinnen von Weltruhm: Zarah Leander, Barbara Streisand und Ella Fitzgerald, nach der sie auch ihre Tochter benannt hat. Die ist elf Jahre alt und hat die Musikalität ihrer Mutter geerbt. Nur im Geschmack unterscheiden sich die beiden deutlich. Ella steht auf Boygroups im Manga-Style, die sich auf YouTube präsentieren. Deren Songs singt sie auf Koreanisch mit.

Ob jung, ob alt: Jede Generation hat ihre Idole. Das sind Menschen oder Kunstgestalten, denen große Bewunderung entgegengebracht wird. Sie werden verehrt, umschwärmt, gerne auch nachgeahmt. Manche Idole glänzen mit besonderen Leistungen auf der Bühne oder im Stadion, andere ziehen durch außergewöhnliche Schönheit oder Charme und Witz Aufmerksamkeit auf sich. Was die Idole von heute von den einstigen unterscheidet, ist unter anderem die Schnelligkeit, in der sie populär werden – und auch wieder die Gunst des Publikums verlieren können. Und anders als früher leben viele von ihnen nicht abgeschirmt, sondern sie sind „Stars von nebenan“ – so wie viele YouTuber.

Von den internetaffinen Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren sagt bereits mehr als jeder Dritte (36 Prozent), dass sein Lieblingsstar ein YouTuber ist. Damit sind die sogenannten Influencer beliebter als Idole aus den klassischen Bereichen Sport (23 Prozent) und Schauspiel (18 Prozent). Nur Musiker nehmen mit 38 Prozent immer noch Rang 1 ein. Und auch der Wunsch, den Idolen nachzueifern, ist ungebrochen: Immer öfter hören Eltern als Berufswunsch ihrer Kinder: „YouTube-Star“.

Die Botschaft lautet: Jeder kann es schaffen

„In Zeiten, wo Menschen eher schwache Bindungen bevorzugen, hat sich das Verhältnis zu Idolen verändert“, sagt Philipp Ikrath, Jugendkulturforscher und Co-Autor des Buches „Generation Ego“. Statt dem coolen, unerreichbaren Typen dominiere „der nette Junge von nebenan“ die Szene. Superreich auf einer Yacht in Cannes? Das war einmal und ist heute nicht mehr sexy. Angesagt sei stattdessen das „Ich-bin-einer-von-euch-Image“. Plattformen wie Youtube oder Instagram gaukelten vor: Jeder kann es schaffen. Und so eroberten ständig neue Gesichter von ihren Jugendzimmern in Bottrop aus die Welt. Und die Fans werden immer jünger. Die größte Besuchergruppe von „YouTube Conventions“, wo sich die Internet-Stars live präsentieren, stellen elf- bis 14-jährige Mädchen.

Ein Star zu sein und zu bleiben, sei heute schwieriger als früher, erklärt Ikrath. Denn die Konkurrenz sei riesig und groß die Gefahr, dass die Anhänger sich abwendeten. Untersuchungen hätten gezeigt, dass beim Betrachten eines Videos die Konzentration der Fans bereits nach anderthalb Minuten nachlasse. Dann bräuchten sie wieder neue Emotionsstimuli.

Ein paar Mal im Jahr über den roten Teppich zu laufen, das reicht also nicht mehr. Ein Star von heute muss ständig in Kontakt mit seinen Fans sein. Denn weil die sich nicht mehr „tief einlassen“ könnten, gierten sie nach immer neuen Reizen und wollten mit „Aufmerksamkeitshäppchen“ in Form von Fotos oder Posts in den sozialen Netzwerken bei Laune gehalten werden, so Jugendkulturforscher Ikrath. Für Kultfiguren mit einer Strahlkraft à la Marilyn Monroe oder Elvis Presley sei der Markt heute viel zu kurzlebig. Es fehle das Interesse, Stars „aufzubauen“, zumal die meisten Fans nicht mehr interessiert seien an stabilen Beziehungen mit ihren Idolen. Eine Entwicklung, die Hand in Hand gehe mit Bindungsschwierigkeiten in anderen Bereichen, zum Beispiel zu einer Partei oder auch zu einem Partner.

Idole werden angehimmelt

Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Idol und einem Vorbild? Für Philipp Ikrath ist ein Idol „eine Person, die man anhimmelt“. Zu einem Vorbild habe man dagegen eine „eher intellektuelle Beziehung“. Was das Vorbild vorlebe, empfinde man als nachahmenswert. Musiker aus einer Boyband zählten dagegen eher zu den Idolen. Man könne sie toll und süß finden, müsse aber selbst nicht so sein oder werden.

„Vorbilder, wie es sie einmal gegeben hat, haben junge Menschen kaum noch“, stellt Ikrath fest. Solche hochgeachteten Leitfiguren hätten in der Gesellschaft an Bedeutung verloren – egal ob in Kultur, Religion oder Politik. Das hat für Ikrath auch Vorteile. Statt blinder Verehrung zeigten junge Menschen von heute eher kritische Distanz und seien skeptisch den Institutionen gegenüber. Ihre Vorbilder bauten sie sich aus unterschiedlichen Facetten selbst zusammen, oftmals abgerundet mit einem Schuss Esoterik. Die Kehrseite der „neuen Freiheit“ sei Orientierungslosigkeit.

Dass Kinder und Jugendliche Vorbilder nach altem Muster brauchen, davon ist dagegen der österreichische Psychologe Werner Stangl überzeugt. Er hat untersucht, wie sich der Einfluss von Vorbildern und Idolen auf die Persönlichkeit Jugendlicher auswirkt.

Sich selbst definieren und abgrenzen

In der Pubertät versuche ein Mensch, sich in seinen Eigenheiten und Zielen zu definieren und von der Gesellschaft und ihren Einflüssen abzugrenzen. Im Mittelpunkt der Selbstfindung stünden drei zentrale Fragen: Wer bin ich? Wie möchte ich sein? Für wen hält man mich? Das Äußere spiele in diesem Lebensalter eine große Rolle: die Frisur etwa und die Art sich zu kleiden.

Häufig versuchten junge Menschen, ihre Schwächen und Unsicherheiten durch die Nachahmung von Vorbildern oder Idolen auszugleichen. „Vorbilder haben Leitbildfunktionen, die sich auf konkrete, nachprüfbare Faktoren stützen“, so Stangl. Stars seien dagegen „Ausdruck unserer Sehnsüchte: In ihnen kristallisieren sich unsere irrationalen, unerreichbaren Vorstellungen“. Die Medien unterstützten die Jugendlichen in dem Glauben, dass „Stars“ perfekt seien.

Auch Stangl stellt fest, dass in unserer Zeit Vorbilder rarer werden und stattdessen Stars Hochkonjunktur haben. Ein Star zu sein, dazu gehöre immer weniger. Bedenklich findet er diese Entwicklung erstmal nicht: Einen Star könne man lieben, aber dabei man selbst bleiben. Skeptisch wird er, wenn Stars zu Idolen werden. Ein Idol ist für Stangl „ein Trugbild oder eine Person, der übermäßige Verehrung zuteil wird“. Eine Verehrung, die ins Irrationale, Mystische abgleiten könne. Idole rufen laut Stangl zur Gefolgschaft auf. „Ein Idol ist kein Mensch aus Fleisch und Blut mehr, es ist unsterblich.“ Anhänger von Idolen zeigten erstaunliche Parallelen zu religiösen Eiferern. Bisweilen wiese ihre Liebe auch Zeichen einer psychischen Störung auf. Oder zumindest einer gewissen Realitätsferne.

Wenn Fans zu Stalkern werden

Tatsächlich nimmt die Begeisterung von Fans manchmal bizarre, fast krankhafte Formen an. Jessies Objekt der Begierde heißt Justin Bieber. Der 24-jährige Sänger kommt für sie „gleich nach Jesus und meiner Familie“, schreibt sie auf Facebook. Nie würde die 22-jährige Studentin vergessen, ihm zum Geburtstag zu gratulieren oder ihm frohe Weihnachten zu wünschen. Einmal, als der Sänger in ihrer Heimatstadt New York war und sie keine Zeit hatte, „ihn zu stalken“ (wie sie selbst schreibt), versuchte sie die kostbare Luft, die er eingeatmet hatte, mit einem Gefäß einzufangen. Trotz zahlreicher Skandale will sie „immer zu ihm halten“. Das hat sie ihm bei ihrem ersten Konzertbesuch versprochen: „Ich werde dich niemals verlassen, Justin – egal, was passiert.“

Wenn Freunde die Studentin darauf aufmerksam machen, dass sie regelrecht besessen von ihm ist, bleibt sie unbeeindruckt. Ein Foto, das sie gepostet hat, zeigt Justin Bieber im Liegestuhl. Die von ihr hinzugefügte Bildunterschrift lautet: „Ich liebe meinen friedlichen und unproblematischen Ehemann.“ Ein anderes Foto zeigt Jessie mit dem Star Arm in Arm. „Wir sehen toll zusammen aus“, postet sie. „Ich bin so glücklich!“

Doch nur bei den wenigsten Fans ist die Leidenschaft so ausgeprägt, dass sie krankhafte Formen annimmt oder das Fanobjekt den Alltag dominiert. Wissenschaftler bringen den extremen Fankult in Zusammenhang mit Depressionserkrankungen, Angst- oder Borderlinestörungen. Unter anderem der Psychotherapeut John D. Moore ist für sein Buch „Confusing Love with Obsession“ der Frage nachgegangen, wann aus Liebe Besessenheit wird. Er unterteilt sogenannte Prominenten-Stalker in drei Kategorien: die einfach Besessenen, die Liebeskranken und die Erotomanen.

Die Begeisterung kann blind machen

Zur ersten und größten Personengruppe der Stalker gehören in der Mehrzahl Männer, die zuvor eine persönliche Beziehung zu ihren Opfern hatten. Sie haben ein niedriges Selbstwertgefühl und Probleme, im wahren Leben eine funktionierende Beziehung zu führen. Liebeskranke Stalker glauben, sie seien mit dem Objekt ihrer Begierde in einer Liebesbeziehung, obwohl sie dieses persönlich überhaupt nicht kennen. Manche leiden unter Erkrankungen wie Schizophrenie oder Paranoia. Dagegen sind die Erotomanen – in der Mehrzahl Frauen – überzeugt, dass ihre Opfer in sie verliebt sind. Sie nutzen die Medien, um ihnen Liebesbotschaften zu kommen zu lassen, suchen aber eher selten einen persönlichen Kontakt. Ihre „Liebe“ kann auch hier ihren Ursprung in einer psychischen Erkrankung haben, etwa einer bipolaren Störung oder einer Depression.

Wenn Ricarda Ulm als Marilyn Monroe auf der Bühne steht, bekommt sie bisweilen auch die Schattenseiten des Ruhms zu spüren. Nicht immer ist es einfach, zu aufdringlichen Fans Abstand zu wahren. Auf einer Gala sei ihr einmal ein älterer Herr hinterher gerannt, erzählt sie. Er habe sie am Handgelenk festgehalten und immer wieder „Marilyn, Marilyn“ gerufen. Mit Realität hatte das nichts mehr zu tun. Real war nur die giftig blickende Ehefrau, die ihren Mann nur mit Mühe wieder in den Griff bekam.

Von solch blinder Begeisterung hält Ronald Czissowski wenig. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Elvis Club Berlin e.V. und findet, obwohl er selbst Fan ist: „Viele Fans übertreiben es mit der Bewunderung ihrer Idole.“ Vor allem ärgert er sich über die Fans, die an Selbstüberschätzung leiden. Bisweilen präsentierten sich Elvis-Imitatoren auf der Bühne, die eher aussähen wie Karikaturen und noch nicht einmal singen könnten, sagt er. Das geht für Czissowski zu weit. „In den Zeitungen steht heute mehr über verrückte Fans als über Elvis“, kritisiert er.

Für ihn ist Elvis bis heute der Größte

Ronald Czissowski interessiert nur das Original. Und das begleitet ihn quasi schon sein Leben lang. Als Elvis 1977 starb, wurde der heute 46-Jährige gerade eingeschult. Trotzdem kann er sich noch genau an den Hype um den berühmten Rock’n’Roller erinnern. Wann immer seine Musik im Radio gespielt wurde, turnte der kleine Ronald mit hochgeschlagenem Kragen und einem Federballschläger auf der Couch herum und imitierte den Mann, der so toll singen, Gitarre spielen und tanzen konnte.

Mit seiner Begeisterung für den Weltstar war der Junge in guter Gesellschaft. Auch seine Mutter mochte den Sänger, und das Nachbarsmädchen ein Stockwerk tiefer hatte die Wand voller Elvis-Poster aus der „Bravo“. Bei dem Song „Crying in the Chapel“, den seine ältere Schwester vom Radio auf eine Musikkassette überspielt hatte, funkte es endgültig. Doch für den Hennigsdorfer, der in der DDR aufwuchs, war es nicht einfach, an die Musik zu kommen.

Ronald Czissowski erinnert sich, dass an Elvis’ 50. Geburtstag im Jahr 1985 dessen Musik den ganzen Tag im Radio gespielt wurde. „Doch meine Eltern erlaubten mir nicht, für mein Idol die Schule zu schwänzen.“ Zu Hause wartete auf ihn eine Überraschung: Der Vater hatte sich einen Tag frei genommen, um Elvis’ Musik auf dem Kassettenrekorder aufzunehmen.

Der Nachwuchs bleibt aus

Bis heute trägt Czissowski sein Haar kurz, mit der berühmten Elvis-Tolle. Eine Zeit lang spielte er auch in einer Band und sang ein paar Lieder zur Gitarre. Doch auf ein Podest gestellt hat der Handwerker den Weltstar nie. Elvis war für Czissowski gerade deshalb so groß, weil er in seinen Augen Mensch geblieben ist. „Er war ein Mensch mit Fehlern“, sagt er. „Nicht jeder Song war ein Hit und mancher Film sogar Schrott.“

Wie soll er erklären, dass Elvis trotzdem der Größte für ihn ist? „Durch ihn habe ich gelernt, Musik zu lieben.“ Ronald Czissowski hat eine riesige Plattensammlung: Jazz, Soul, Rhythm & Blues bis hin zu Rock und Pop. Na klar, er mag auch Johnny Cash, Frank Sinatra und Dean Martin. Aber mit Elvis ist es doch etwas anderes. Czissowski gerät ins Schwärmen: „Er war ein Visionär, der die Popkultur revolutioniert hat. Nach ihm war alles anders. Elvis ist unsterblich. Allein wenn man seinen Vornamen sagt, weiß die ganze Welt, wer gemeint ist.“ Ob das immer so bleibt, ist allerdings fraglich. Die Gefolgschaft stirbt langsam aus: Im Elvis-Fanclub ist das Durchschnittsalter 50+. Junger Nachwuchs ist rar.

Damit steht Elvis nicht allein. „Die Zukunftsaussichten für den Berufsstand ,Idol’ sind nicht so rosig“, sagt der Psychologe Werner Stangl. Der Grund: die Differenzierung der Gesellschaft in immer kleinere Gruppen. Idole bräuchten nämlich Masse: die Ekstase der vielen, die weitere Personen anziehe – eine Art „Rattenfänger-Syndrom“.

Sie kann mehr als ihr Idol nachahmen

Ricarda Ulm sieht das weniger pessimistisch. Ihr Idol Marilyn Monroe ist für sie ebenfalls unsterblich: „Ihre zeitlose Schönheit, ihr Sexappeal, ihre Eleganz, ihr Stil, der bis heute immer wieder kopiert wird. Sie hat einfach Klasse. Sie ist wie gute Musik. Die kann man sich einfach nicht überhören. Sie überdauert sogar Jahrhunderte.“

Maskenbildnerin Maren Ilic hat ganze Arbeit geleistet. Ricarda Ulm ist kaum noch von ihrem berühmten Vorbild zu unterscheiden. Die Haare sind frisiert und eingesprayt, der Lidstrich perfekt gezogen, der Schmollmund leuchtet in kräftigem Rot. Nun kommt die Feinarbeit: Der Schönheitsfleck darf nicht vergessen werden. Zum Schluss schlüpft Ricarda Ulm vorsichtig in eine Nachbildung des berühmten weißen Kleides mit dem hoch wehenden Rock, bekannt aus dem Billy-Wilder-Film „Das verflixte siebte Jahr“.

Nun ist Ricarda Ulm bereit für den nächsten Auftritt: bei Hochzeiten, Geburtstagen oder auch Firmenfeiern. Kürzlich jettete sie durch halb Europa, um den Chef eines großen Unternehmens mit dem Geburtstagsständchen „Happy Birthday Mister President“ zu überraschen. Und wenn sie mal nicht als Doppelgängerin unterwegs ist? Da gibt es schließlich auch noch das Original Ricarda Ulm. Die Jazzsängerin kann sich über mangelnde Auftritte nicht beklagen. Außerdem unterrichtet sie. Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählte auch die deutsche Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld. Und Ricarda Ulm schreibt eigene Lieder – am liebsten deutsche Chansons.

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