Bilderbücher

Diese zehn Bücher helfen Kindern über schwere Zeiten hinweg

Lesen macht Spaß – und tut gut, wenn der Nachwuchs Kummer hat. Neue Bilderbücher erklären selbst schwierige Themen wie den Tod.

Kinder lieben Bilderbücher: In ihnen können sie auch ganz allein schmökern

Kinder lieben Bilderbücher: In ihnen können sie auch ganz allein schmökern

Foto: loops7 / Getty Images

Berlin. Wie wäre es schön, wenn das Leben immer sonnig, unbeschwert und heiter wäre! Auf solche Gedanken kommt man leicht angesichts der trüben und dunklen Novembertage. Der helle, freudige Lichterglanz der Advents- und Weihnachtszeit scheint noch weit, wir gedenken am Volkstrauertag und am Totensonntag der Gefallenen und Verstorbenen.

Doch nicht nur die Erwachsenen, auch viele Kinder haben Probleme, Sorgen und Nöte. Und für sie ist es fast noch schwerer, mit Traurigkeit und Verzweiflung umzugehen, weil es ihnen an Erfahrung und Wissen fehlt. Sie haben viele Fragen, wenn das Schicksal zuschlägt, etwa in Form von Krankheit oder Tod. Warum muss das geliebte Haustier sterben? Was genau ist der Himmel, in dem Oma jetzt sein soll, und wieso kommt sie nicht wieder? Warum hatte Papa einen schweren Unfall und was bedeutet das für die Familie? Weshalb ist Mama bloß immer so traurig, kann man etwas dagegen tun? Oder auch: Wie geht das Leben weiter, wenn die Eltern sich trennen?

Wenn ein schlimmes Ereignis eintritt – in der eigenen Familie, aber auch bei Freunden oder Bekannten –, geraten Kinder in einen Strudel der Gefühle und suchen nach Antworten. Antworten, die nicht immer leicht zu finden sind. Auch, weil sogenannte „schwere Themen“ lange von Kindern ferngehalten wurden und eine Tradition des Erklärens fehlt. Früher wollten Eltern den Nachwuchs möglichst lange vor den „Härten des Lebens“ beschützen und hüllten sich daher in Schweigen. „Das verstehst du nicht“, hieß es, oder „Dafür bist du noch zu klein“.

Wissen, dass man nicht allein ist

Heute ist das anders. Kinder werden ermutigt nachzufragen und offen ihre Gefühle zu zeigen, anstatt sie zu unterdrücken. Und zwar schon im Kleinkindalter. Davon zeugt auch das Sortiment an Kinderbüchern. Seit einigen Jahren erzählen immer mehr Bilderbücher nicht nur lustige Geschichten, sondern setzen sich auch mit Themen wie dem Alter, Behinderung, Depression, Scheidung, Krieg oder Gewalt auseinander. Einige der schönsten Neuerscheinungen dieses Jahres wollen wir hier vorstellen. Ja, schön: Denn so hart die Themen sind – die Gestaltung der Bücher ist äußerst liebevoll, bunt und fantasiereich.

Da ist zum Beispiel der kleine Bauchweh. Er leidet unter fiesen Bauchschmerzen. Aber woher kommen sie? Dieses Buch aus dem Mabuse Verlag lädt zum Austausch über Emotionen ein. Das Bilderbuch „Für immer“ von Beltz & Gelberg weiht in die Erlebniswelt des kleinen Egon ein. Der Junge hat seinen Vater verloren und versucht, begleitet von seinem roten Drachen, sich neu im Alltag zu verorten. „Papas Unfall“ aus der Reihe „Kids in Balance“ stellt trickfilmartig die Situation einer Familie nach einem schweren Motorradunglück des Vaters dar.

„In Büchern finden betroffene Kinder einen Stellvertreter, mit dem sie sich identifizieren können. Es kann schon helfen zu wissen, dass man nicht allein ist“, sagt Karin Koch. Sie ist Lektorin beim Psychiatrie-Verlag, in dem die Reihe „Kids in Balance“ erscheint. Dort legt man Wert darauf, dass die kindlichen Protagonisten nicht hilflos dargestellt werden, sondern dass sie selbst etwas machen können, um ihre Situation zu verbessern. Die Bücher sollen helfen, Gefühle zu ordnen und altersgemäße Informationen vermitteln, gerne mit einer Prise Humor. Sie sollen Mut machen und zeigen, dass es Hilfe gibt.

Offen mit Kindern reden

Nach Karin Kochs Erfahrung ist es nützlich, wenn Eltern offen mit dem Nachwuchs reden, wenn etwa bei einem Familienmitglied eine schwere Krankheit wie eine Depression diagnostiziert wurde. „Kinder bekommen mit, wenn etwas passiert ist. Wenn man schweigt, fühlen sie sich schnell schuldig und befürchten womöglich, selbst die Ursache des veränderten elterlichen Verhaltens zu sein.“ Das sei schädlich für die Entwicklung: So hätten Kinder psychisch kranker Eltern ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. „Es ist wichtig, sich Zeit dafür zu nehmen, den Kinder zu erklären, was mit Mama oder Papa passiert. Über Bilder kann man leicht ins Gespräch kommen.“

Doch auch ohne eine unmittelbare Betroffenheit können Bilderbücher etwa über Krankheit, Krieg oder Tod eine Bereicherung sein. Hier einige Beispiele.

Depression: Wenn die Grummelgrame unterwegs sind

Der fünfjährige Jan versteht die Welt nicht mehr. Mama ist plötzlich ganz anders als sonst. Sie hört nicht mehr zu, weint ständig, meckert ihn und Papa an und vergisst sogar, fürs Kindergartenfest ihren superleckeren Schokokuchen zu backen. Hat sie ihn nicht mehr lieb? Ist er schuld an ihren Tränen?

Zum Glück hat Papa die Idee, dass „der Ritter“ helfen könnte. Der ist zwar gar kein richtiger Ritter, sondern ein Psychotherapeut. Aber er kann Jan endlich erklären, was mit seiner Mutter los ist: Sie ist krank. Ihre Seele hat ein Loch bekommen, in das sich Grummelgrame eingenistet haben. Diese gemeinen Biester machen Mama und die Wirklichkeit ständig hässlich und schlecht. Zum Glück verrät Herr Ritter Jan die Zaubersprüche, mit denen man Grummelgrame vertreiben und wieder Farbe ins Leben bringen kann...

Dieses Buch erklärt das schwierige Thema Depression anschaulich und in wunderbaren Bildern. Es zeigt, wie eine psychische Erkrankung die ganze Familie beeinflusst. Tipps einer Psychologin ergänzen die einfühlsame Erzählung.

Anja Möbest, Barbara Korthues (Ill.): Als Mama nur noch traurig war. Coppenrath, 14,95 Euro. Empfohlen von 4 bis 6 Jahren.

Tod eines Haustiers: Abschied von Biko

Biko ist ein lieber, sehr alter Hund. Seit vielen Jahren wohnt er zusammen mit Herrchen, Frauchen, dem großen Kind, dem kleinen Kind und der Katze. Er passt gut auf alle auf: die Familie, das Haus, den Garten, das Auto und natürlich auf den Postkasten. Als er jünger war, hat er wild herumgetobt. Aber jetzt tut ihm alles weh, vor allem seine Knochen. Es fällt ihm sogar schwer, den Wassernapf zu erreichen.

Seine Familie ist sehr traurig und bringt ihn zum Tierarzt. Doch das große Kind weiß schon, dass man nicht mehr helfen kann und es Zeit ist, Biko gehen zu lassen. „Alles ist gut“, sagt es zu Biko. „Von jetzt an passen wir aufeinander auf. Du musst dir keine Sorgen machen.“ Darüber ist Biko erleichtert – und macht beruhigt die Augen zu.

Die Geschichte vom Tod eines Haustiers wird hier aus der Perspektive des Hundes Biko erzählt. Wie er und seine Familie Frieden mit dem Lauf der Dinge schließen, ist sehr tröstlich. Die Bilder der Berliner Illustratorin Eva Muszynski strahlen eine große Ruhe aus und helfen, den unvermeidlichen Abschied zu verstehen und zu akzeptieren.

Saskia Hula, Eva Muszynski (Ill.): Bikos letzter Tag. Klett Kinderbuch, 14 Euro. Empfohlen für Kinder ab 4 Jahren

Unfall: Als alles anders wurde

An einem wunderschönen Sommertag verändert sich das Leben dieser ganz normalen Familie mit zwei Töchtern schlagartig. Der Vater hat einen schweren Motorradunfall und überlebt nur knapp. Er wird nie mehr laufen können, muss das Sprechen neu lernen und ist auf Hilfe angewiesen. Ausgerechnet Papa, der tolle Sportler, der vor dem Unfall mit seinen Inlineskates sogar über hohe Rampen springen konnte. Zum Glück gibt es Oma und die Haushaltshilfe Nina, die die Familie unterstützen – schon weil Mama nun mehr arbeiten muss.

Das Unglück verändert aber nicht nur den Alltag, sondern auch die Stimmung in der Familie. Statt Unbeschwertheit gibt es viele Sorgen, böse Alpträume, Traurigkeit und Wut. Doch da sind auch schöne Momente – und Hoffnung. Alle halten zusammen und wachsen an dem Schicksalsschlag.

Wie in einem Trickfilm reihen sich die Bilder aneinander und sind auch ohne Text verständlich. Auch das kompakte Format macht das Buch zu einem hilfreichen Begleiter für Kinder, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind oder davon hören.

Atelier Artig (Hg.), Achim Kirsch (Ill.): Papas Unfall, Kids in Balance, 14,95 Euro, von 4 bis 6 Jahren

Krieg, Flucht und ein neues Leben in Deutschland

Wasim ist acht Jahre alt. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Samira ist er vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen. Weil Oma und Opa nicht mitkommen konnten, hat Oma Wasim eine Weste genäht – aus ihrem alten Kleid und Opas abgetragener Hose. Sie soll ihn trösten und beschützen.

In dem Buch erzählt Wasim von der gefährlichen Flucht übers Meer und der Ankunft in einem Flüchtlingsheim in Deutschland. Man erfährt, wie der Alltag dort aussieht, wovon die Menschen träumen und worunter sie leiden. Wasim geht es meistens gut: Er fühlt sich sicher, es gibt nette Menschen, Kleidung und genug zu essen. Sogar einen neuen Freund findet er. Aber manchmal hat er böse Träume, und dass Mama und Papa kaum noch lächeln, belastet ihn. Zum Glück gibt es die Weste – und Hoffnung. Im Café Welcome fassen Wasims Eltern wieder Lebensmut. Das macht auch Wasim und Samira stark.

Mit einfachen Worten und eindrücklichen Bildern werden die Themen Flucht und Trauma erklärt.

Anja Offermann, Christiane Tilly: Wasims Weste. Kids in Balance, 14,95 Euro, ab 5 Jahren

Tod eines Elternteils: Hoffnung und Halt für Egon

Egon ist ein Zurückgebliebener. Das hat aber nichts mit Dummheit zu tun. Vielmehr ist es so, dass Egon seinen Vater verloren hat. Der war schwer krank, und vor zwei Wochen musste Egon ihn gemeinsam mit seiner Mutter auf dem Friedhof begraben.

Seitdem ist alles anders als sonst. Ob Egon nun in die Kita geht oder mit Mama zum Einkaufen – alles fühlt sich komisch an. Auch die Leute verhalten sich plötzlich merkwürdig: Entweder sie schauen mitleidig und tuscheln oder sie geben sich übertrieben fröhlich, wenn sie Egon begegnen. Manche schweigen auch nur. Das, findet Egon, ist am schlimmsten. Zum Glück hat er Mama. Sie sagt ihm, dass es normal ist, dass sich alles anders und schwer anfühlt. Aber sie erklärt auch, dass es weitergehen wird. Und dass Papa auf eine besondere Weise immer noch da ist – weil Egon selber ein kleines Stück Papa ist.

Mit anrührenden, poetischen Bildern, die fast schon für sich selbst sprechen, erzählt dieses Bilderbuch von der häufig herrschenden Sprachlosigkeit angesichts des Tabu-Themas Tod – und zugleich vom Bedürfnis betroffener Kinder, über ihr Schicksal zu sprechen und eine neue Normalität zu schaffen. Ein wunderschönes, hilfreiches Buch.

Kai Lüftner, Katja Gehrmann: Für immer. Beltz & Gelberg, 12,95 Euro, ab 5 Jahren

Trennung: Wie Kinder trotzdem glücklich werden

Das kleine Orange lebt glücklich zusammen mit seinen Eltern, Papa Gelb und Mama Rot. Bei ihnen fühlt es sich sicher und geborgen. Doch eines Tages teilen seine Eltern ihm mit, dass sie sich trennen werden. Papa Gelb zieht in eine Wohnung am anderen Ende der Stadt und das kleine Orange sieht ihn nur mehr alle zwei Wochen. Es vermisst seinen Vater sehr.

Sein Herz ist schwer und es wird immer röter. Doch wenn es bei Papa ist, geht es ihm auch nicht gut: Dann wird es immer gelber, so wie Papa, und sehnt sich nach Mama Rot. Zum Glück verstehen die Eltern seine Gefühle und finden Lösungen, damit es wieder fröhlich ist und knallorange leuchten kann.

Ein tolles Buch nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern in Trennungsfamilien. Die Farbsymbolik verdeutlicht auf leicht verständliche Weise die typischen Sehnsüchte und Verlustängste betroffener Kinder. Die Geschichte zeigt auf originelle Art die Verantwortung der Eltern auf – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern indem sie direkt ins Herz trifft.

Judith Zacharias-Hellwig: Die Sehnsucht des kleinen Orange. Papierfresserchens MTM-Verlag, 14,90 Euro, ab 3 Jahren

Gefühle: Was uns Bauweh lehren kann

Es ist gar nicht so einfach, über Gefühle zu sprechen. Manchmal ist es sogar schwierig, überhaupt erst zu erkennen, was genau uns umtreibt. So geht es auch dem kleinen Bauchweh.

Das niedliche Fantasiewesen mit den spitzen Ohren und dem kecken Haarbüschel auf dem Kopf fühlt sich schrecklich unwohl. „Ich hab sooooo Bauchschmerzen“, jammert es und hält sich den kugelrunden Bauch. Aber woher kommen bloß die Schmerzen? Hat der kleine Bauchweh zu viel gegessen? Ist er zu lange Achterbahn gefahren? Liegt ihm die Wut wie ein Stein im Magen? Oder ist er womöglich verliebt?

Auf kunterbunten Bildern werden in diesem Buch verschiedene Möglichkeiten und Situationen vorgestellt und wieder verworfen. Am Ende ist der Grund des Übels gefunden: Der kleine Bauchweh hat Angst, denn es gab einen Streit. In dicken Tränen macht er seinem Kummer Luft und lässt sich vom großen Bauchweh trösten. Das Angstgespenst hat keine Chance mehr – und plötzlich sind auch die Schmerzen fast wie weggeblasen.

Corinna Leibig ist Designerin und Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Sie hat das Buch für den Gesundheitsverlag Mabuse liebevoll gestaltet und einen nützlichen Wegbegleiter für die ganze Familie geschaffen. Kinder können sich leicht mit dem putzigen Höhlentierchen identifizieren und seine Überlegungen bieten eine tolle Basis für einen vertrauensvollen Austausch über Gefühle zwischen Kindern und Erwachsenen.

Der Bildgeschichte angehängt ist ein Ratgeber für Eltern, Erzieher und andere Unterstützer. Darin informiert Joachim Pietsch-Gewin, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, warum sich Konflikte bei Kindern oft in dem körperlichen Symptom Bauchweh äußern und was möglicherweise dahintersteckt. Außerdem gibt er Tipps für den Umgang mit Krisensituationen.

Corinna Leibig: Der kleine Bauchweh. Mabuse, 12,95 Euro, ab 3 Jahren

Autismus: Mia verstehen lernen

Lotte ist ein begeistertes Kita-Kind. Sie lacht und singt für ihr Leben gern und hat in ihrer Gruppe eine Menge Freunde. Sofia gehört dazu, Hanna, Max – und natürlich Mia. Lotte nennt Mia ihre „ganz besondere Freundin“, denn Mia ist anders als die anderen Kinder.

Mia sieht zwar nicht krank aus, ist es aber irgendwie doch. „Mia kann laufen wie wir, aber sie spricht nicht mit uns. Mia kann wohl hören, aber sie versteht mich trotzdem nicht“, sagt Lotte. Und sie erzählt auch, dass sich Mia häufig etwas seltsam verhält. An manchen Tagen schaut sie nur aus dem Fenster. An anderen Tagen läuft sie quer durch den Gruppenraum, lächelt und trällert vor sich hin. Das Stillsitzen im Stuhlkreis fällt ihr schwer, und um ihre Brotdose zu öffnen, braucht sie Hilfe.

Man könnte der kleinen Mia leicht ein Etikett verpassen: Sie ist Autistin. Doch dieses Wort fällt in dem fröhlichen Kinderbuch nie. Stattdessen lässt Protagonistin Lotte ihre kleinen und großen Leser/Zuhörer einfach an ihren aufmerksamen Beobachtungen im Kita-Alltag teilhaben, ohne das Verhalten von Mia zu bewerten. So gelingt das Porträt eines liebenswerten blonden Mädchens, dem ganz selbstverständlich ein Platz in der Welt gehört, auch wenn es in den Augen anderer manchmal etwas wunderlich ist. Zudem gibt das Buch Anregungen, wie man Mia am besten begegnet.

Wie im Anschluss an die Geschichte verraten wird, gibt es Mia wirklich: Sie ist die jüngste Tochter von Autorin Dagmar Eiken-Lüchau. Als gelernte Erzieherin und Mutter von fünf Kindern schafft diese es, ein kompliziertes Thema kindgerecht zu vermitteln. Die lebhaften Illustrationen untermalen den heiteren Ton des Bilderbuchs genauso wie die Botschaft. Sie lautet:
Respektiere jeden, wie er ist – es könnte der Beginn einer tollen Freundschaft sein.

Dagmar Eiken-Lüchau, Tanja Husman (Ill.): Mia – meine ganz besondere Freundin. Neufeld Verlag, 14,90 Euro, ab drei Jahren

Krebs: Lina und ihr tapferer Kampf

„Gestern hatte ich meine Haare vergessen.“ Mit diesem entwaffnenden Satz beginnt die Geschichte von Lina, dem tapferen Mädchen, dass schon in jungen Jahren gegen den Krebs kämpfen muss und trotzdem nie den Humor verliert. Auch nicht, als ihr wegen der Krebstherapie ihre langen blonden Haare ausfallen. Lina sammelt sie in kleinen Röllchen in ihrer grünen Rapunzel-Dose, und die hätte sie zu gerne Schwester Heike in der Klinik gezeigt. Aber dann hat Lina die Haare eben doch zu Hause vergessen.

Das kann schon mal vorkommen, wenn man so einen aufwendigen Alltag wie Lina hat. Ständig muss sie wegen ihrer Leukämie-Erkrankung zu Therapien und Kontrollen ins Krankenhaus, bekommt Blut abgenommen oder Medizin mit merkwürdigen Nebenwirkungen verabreicht. Andere Kinder zu treffen kann lebensgefährlich für sie sein, genauso wie ein Zoobesuch. Das alles erzählt Lina in dem Bilderbuch „An der Leine“, und mit jeder Seite wächst die Bewunderung für das lebensfrohe Kind, das den Kampf gegen den Krebs annimmt, und für seine Familie, die es wunderbar unterstützt.

Das Bilderbuch macht kleinen Lesern eine fremde, beängstigende Welt begreiflich und schafft es, die geschilderten Härten mithilfe von Humor abzufedern. Dazu tragen auch Szenen bei, die Kinder aus dem eigenen Alltag kennen. So spielt Lina wie die meisten Kinder gerne UNO – auch wenn sie damit anders als andere das Warten auf eine Bluttransfusion überbrückt.

Ein Mutmach-Buch für betroffene Familien und Lesestoff auch für gesunde Kinder, denen ihre Eltern nahebringen wollen, was es bedeutet, richtig schwer krank zu sein.

Anja Gumprecht, Anne Vockeroth (Ill.): An der Leine. Geest Verlag, 11,60 Euro, von 5 bis 12 Jahren