Der Vorhang geht auf. Erstmal nur einen Spalt. Ein Kopf lugt hervor, ein freier Hals, freie Schultern. Die blonde Frau strahlt, ihre Wangen sind leicht gerötet. So ein Brautkleid wiegt so einiges. Man braucht eine Anziehhilfe und einem wird ziemlich heiß in der Umkleidekabine unter all dem künstlichen Licht. Doch die Farbe im Gesicht kommt sicher auch ein bisschen von der Aufregung. Der Blick der jungen Frau verrät, wie gespannt sie ist auf die Reaktion ihrer Mutter, die sie zur Beratung ins Brautmodegeschäft „Lilly“ mitgebracht hat. Was wird sie sagen?
Jetzt zeigt sich Katharina Cramer – im weißen Kleinmädchentraum: oben eine enge Korsage mit viel Spitze und etwas Glitzer verziert, hinten eng geschnürt. Ab der Taille bis zum Boden hängen unzählige Tüllschichten an ihrem Körper herunter. „Tüllmonster“ nennen die Verkäuferinnen so ein Modell hier.
Das „Monster“ raschelt leise, während sich die Braut in spe auf den Sockel vor dem weißen Ledersofa stellt, das parallel zur Umkleide steht. Dort sitzt die Mutter von Katharina Cramer. Iris Bombes, eine der Verkäuferinnen, steht ebenfalls parat. Sie wird der Kundin die kommenden 90 Minuten bis zum für sie hoffentlich perfekten Kleid assistieren. Unter den Dutt klemmt sie noch schnell einen Schleier, drapiert ihn virtuos auf Katharina Cramers Schultern. Dann guckt sie die junge Frau über den Spiegel an und lächelt selig. Ihr Job ist es, Frauen glücklich zu machen, auch sie macht das glücklich.
Katharina Cramers Mutter bleibt stumm. Sitzt nur da, ein wenig wie ein Richter. Aus Verlegenheit sagt ihre Tochter schnell: „Guck nicht so kritisch, Mama!“ Die 33-Jährige zuppelt am Saum, legt den Kopf schief, schaut abwechselnd in den Spiegel vor und zur Mutter rechts neben sich. Dreht sich halb ein, versucht über die Schulter ihre Rückenansicht zu erhaschen, fasst sich an ihre Arme, untersucht die Schichten des Unterrocks. Es ist eine Mischung aus kritischem und träumerischem Blick zugleich.
Eigentlich wollte sie es schlicht haben
Der Moment ist ein besonderer. Katharina Cramer – noch – wird bald heiraten. Seit einigen Wochen schon sucht sie nach einem Kleid. Vielmehr nach dem Kleid, das sie schon bald tragen wird, wenn es vom Trauenden heißt: „Ich erkläre Sie nun zu Mann und Frau.“ Bislang blieb ihre Suche erfolglos. Katharina Cramer möchte sich in dem Kleid wohlfühlen, sich darin bewegen können, tanzen, natürlich sitzen und bloß keine Figur verändernde Unterwäsche wie Spanx tragen müssen, die Fettpölsterchen gekonnt wegdrückt.
Und eigentlich, erinnert sie sich nun beim etwa zwanzigsten Blick zu ihrem Spiegelbild, sollte es schlicht sein – ohne Spitze, ohne Glitzer, ohne Kitsch. Es müsse zum Stil der geplanten Hochzeit passen, findet sie. Ihr Verlobter und sie lassen sich nicht in der Kirche trauen, sondern draußen. Das Fest findet in einer Scheune in Brandenburg statt, in kleiner, intimer Runde. So viele Bedingungen, an die man denken muss. Katharina Cramer schaut an sich herunter. „Am Ende lande ich aber irgendwie doch immer wieder bei so einem Prinzessinnenkleid.“ Sie lacht.
Also wieder rein in die geräumige Kabine, Verkäuferin Iris Bombes eilt hinterher. Ausziehen, anziehen, ausziehen, anziehen. Etwa 15 Kleider schafft man hintereinander, dann aber kann man erstmal nicht mehr, sagt auch Katharina Cramers Mutter, die mit ihrer Tochter zuvor schon in zwei anderen Geschäften war. Man sieht keine Unterschiede mehr zwischen den Modellen – solche Anproben sind wirklich anstrengend.
Ein Vorhaben wird real
Wer es selbst noch nicht erlebt hat, wer noch nie eins getragen hat, kann nur mutmaßen, welch symbolischen Charakter es hat, sich zum ersten Mal in einem Hochzeitskleid zu sehen. Weil alles, was vorher geplant, besprochen, getan werden musste für den einen großen Tag, was noch die kommenden Wochen ansteht, lange Zeit nur theoretisch bleibt. Die Gäste, die Location, das Essen, das Standesamt, die Platzkarten, der Hochzeitsfotograf. Und dann steht man plötzlich da, mit einem Idealbild von sich im Kopf, und trägt ein Kleid, das dem nahenden Akt unfassbar viel Bedeutung einflößt. Weil sein Vorhaben damit erstmals visualisiert wird. Es wird real.
Dem Fernsehsender Vox ist dieser fast schon magische Moment, der Suche nach dem Traumkleid, eine ganze Sendung wert. „Zwischen Tüll und Tränen“ dokumentiert täglich die Arbeit von Verkäuferinnen in Brautmodeläden. Bei der Beratung verschiedenster Frauen müssen sie einen kühlen Kopf bewahren und zukünftigen Bräuten auf dem Weg zum Kleid zur Seite stehen. Auch bei der Sendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ auf demselben Sender – hier konkurrieren vier Paare um die perfekte Hochzeit – ist das Kleid ein großes Thema.
So viel positive Energie
Hier am Kudamm könnte draußen gerade die Welt untergehen, drin bei „Lilly“ würde wohl niemand davon Notiz nehmen. Zu viel positive Energie, die auf wenigen Quadratmetern versprüht wird. Sorgen und Ängste, Krieg und Zerstörung, das alles bleibt hier vor der Tür. Man streicht Negatives automatisch aus seinen Gedanken. Ob man will oder nicht: Beim Betreten dieses ganz eigenen Kosmos gibt es keinen Zweifel mehr am Schönen, an der Liebe. Zumindest muss man daran festhalten. Wen man hier mit Statistiken konfrontiert – immerhin wird jede zweite Ehe geschieden – kassiert einen Blick, der einem direkt sagt: Na und, ich liebe und werde geliebt!
Wieso Menschen heiraten, ist nicht monokausal zu erklären. Die Basis aber ist in den allermeisten Fällen wohl doch die vermeintliche Bestimmung zwischen diesem einen Mann und dieser einen Frau. „Bei uns ist es halb romantisch, halb pragmatisch“, sagt Katharina Cramer etwas ernüchtert. Mittlerweile probiert sie ihr drittes Kleid an. „Wow“, bemerkt ihre Mutter, als sich die Tochter wieder vor ihr präsentiert, „das ist die Kategorie bombastisch, würde ich sagen…“ Überzeugt klingt das nicht. Also wieder rein in die Kabine. Ausziehen, anziehen.
Katharina Cramer und ihr Zukünftiger sind seit zehn Jahren zusammen, haben ein gemeinsames Kind. Natürlich heiraten sie vor allem aus Liebe. Das fügt die Braut später doch noch hinzu. Es ist die Besiegelung einer Zusammenkunft. Das Sahnehäubchen. Dass damit auch rechtliche und steuerliche Angelegenheiten leichter werden, ist aber eben auch nicht ganz nebensächlich.
Ein Rückgaberecht gibt es nicht
Von Rationalität oder Pragmatismus will hier trotzdem niemand viel wissen. Das sagt auch Carolin Häusler, die seit 15 Jahren in diesem Laden berät. Die 52-Jährige selbst ist sogar geschieden. Auch vor den Kundinnen macht Negatives keinen Halt, trotz der rosaroten Brille, durch die bei „Lilly“ alle Anwesenden zwischen elf Uhr und 18 Uhr fast ausnahmslos zu blicken scheinen. Da gibt es eine Fallhöhe – zwischen der Gedankenwelt drinnen und der Realität draußen.
Alles habe sie schon erlebt, sagt Carolin Häusler. Die Braut, die erfährt, dass sie bald sterben wird und noch schnell heiraten möchte, bevor sie es nicht mehr erleben kann. Die Braut, dessen Mann am Hochzeitstag im Bett einfach nicht mehr aufwacht. Und die, die ihr Kleid kurz vor der Hochzeit nicht abholt, weil sie unerwartet verlassen wurde.
Manchmal ist es nur ein Anruf, bei dem die Tränen schon durchs Telefon spürbar sind. Da werden auch die geschulten Verkäuferinnen emotional, klar. Und dann müsse man der Kundin am anderen Ende auch noch erklären, dass sie das Kleid – irgendetwas zwischen 500 und 1500 Euro – trotz allem bezahlen muss. „Das ist hart, aber bei Hochzeitskleidern gibt es leider kein Rückgaberecht“, sagt Carolin Häusler.
Der Wille ist stärker als alles andere
Durch den Raum strömen solche Sorgen jedoch nicht, zum seichten Takt der Popballaden ist das auch kaum möglich. Gerade läuft Celine Dions „My Heart Will Go On“, später folgen Oasis und die Bee Gees. Lieber denkt man an die 13.759 Ehen, die in Berlin 2015 geschlossen wurden. Tränen fließen im Laden keine, höchstens werden die Augen vor Freude kurz mal etwas feucht. Der Wille, das perfekte Kleid zu finden, ist stärker als alles andere.
Und die Augen glänzen – die der Bräute und der Verkäuferinnen. Den ganzen Tag über schleppen sie Brautkleider quer durch den Laden, ihren Fokus immer auf der Protagonistin. Manchmal wirkt es, als würden sie einen Menschen umhertragen, so ausladend sind die Stoffe. Im Hinterzimmer sind die bereits verkauften Kleider nach Nachnamen geordnet auf Stangen gehängt. Derzeit warten etwa 250 Stück darauf, dass ihre Besitzerinnen sie holen.
In aller Regel würden Frauen etwa ein halbes Jahr vorher ihr Kleid kaufen, erzählen die Verkäuferinnen. Natürlich gibt es auch spontanere Entscheidungen, aber, und das ist eigentlich immer der Fall, die Schneiderin brauche auch noch ihre Zeit, um das Kleid bis hin zur Perfektion zu trimmen. Ganz so kurzfristig gehe es also nicht, wenn es nicht eins direkt von der Stange sein soll.
Weiß – das bedeutet Reinheit, Frische, Unschuld
Auch im Laden hängt alles voll, eng an eng schmiegen sich die Stoffe aneinander. Die meisten in Schneeweiß, manche in Rosé und Creme. Die traditionelle Farbe in Europa und der westlichen Welt bleibt Weiß. Reinheit, Frische, Unschuld bedeutet sie. Den Anstoß zu hellen Farben schreibt man dem Adel zu. Maria de’ Medici soll als eine der ersten Bräute um 1600 ein helles, eierschalenfarbenes Seidenkleid getragen haben.
Allgemein gültig wurde Weiß als Farbe in den 1920er-Jahren. Denn im 18. Jahrhundert war es nicht jedem möglich, ein Kleid extra für diesen Anlass zu kaufen. Daher trugen die meisten Bräute der Mittel- und Unterschicht bis Anfang des 20. Jahrhunderts zur Hochzeit einfach ihr bestes Kleid, das oft sogar schwarz war.
Beim Durchblättern von Hochzeitsmagazinen wie „Hochzeit“ oder „Braut und Bräutigam“ entdeckt man viele rückenfreie Kleider mit viel zarter Spitze. Etwa so wie das Kleid von Kate Middleton, die im Jahr 2011 Prinz William heiratete. Es soll 300.000 Euro gekostet haben. Das wohl teuerste getragene Kleid bei einer Hochzeit aber war das von Kim Kardashian mit rund 450.000 Euro. Das teuerste der Welt – allerdings unverkäuflich – wurde kürzlich in New York auf einer Brautmodenschau gezeigt: 165 Karat Diamanten und rund 62 Karat Edelsteine schmücken es für etwa 1,4 Millionen Euro.
Gibt es Trends? Nicht wirklich, meint Iris Bombes, die wie ihre Kollegin Carolin Häusler schon 15 Jahre im Haus ist. Was allerdings auffällt: Noch immer wird kein tiefer Ausschnitt getragen, das gehört sich nicht, und Puffärmel gibt es gar keine mehr. Was ist mit Dresscodes? Manche Kirchen seien strenger als andere, weiß die gelernte Schneiderin, da sei nackte Haut nur sehr ungern gesehen. Aber man könne Abhilfe schaffen – durch Boleros, Schals, Schleier. „Die können übrigens auch Frauen helfen, die zum Beispiel ihre Arme nicht mögen“, sagt sie.
Manchmal braucht es viel Sensibilität
Das mit dem Körper ist natürlich ein großes Thema. Die meisten Frauen kommen mit einer bestimmten Vorstellung von sich her, einer, die ab und an etwas verschoben ist. Sie schauen sich die Models in Magazinen an oder prominente Bräute, deren Statur eine ganz andere als die eigene ist. „Leider passen bei manchen Idealbild und Realität nicht zusammen“, sagt Filialleiterin Corinna Nawrocki. Nicht jedem steht nun mal ein schmales Mermaid-Modell oder ein Rückenausschnitt bis zum Steißbein.
Da brauchen die drei Damen bei „Lilly“ besonders viel Sensibilität in der Beratung. Fast mütterliche Qualitäten müssten sie beweisen. Dann wenn Komplexe zum Vorschein kommen oder der Reality-Check im Wunschkleid zu krass ausfällt, braucht es schnell Erfolgsmomente. „Die versuchen wir, so gut es geht, zu erzeugen, indem wir direkt Alternativen vorschlagen und mit milden Worten zu erklären versuchen, wieso das oder das für die Kundin wohl nicht funktionieren wird“, sagt Carolin Häusler. Natürlich müsse es da aber auch Vertrauen und Bereitschaft geben.
Um jede Frau zumindest einmal glücklich zu sehen, selbst wenn sie am Ende gar kein Kleid kauft, gibt es eins, das jede tragen kann – ob Größe 34 oder 44. Es ist ihr Joker. Die geschoppten Falten am Rock würden jeder Frau eine Taille machen. „Wenn nichts mehr geht, geht das“, sagt Corinna Nawrocki. Immerhin muss Frustration unbedingt vermieden werden. Wer übrigens sagt, er würde bis zum großen Tag noch zehn Kilo abspecken, dem dürfe man nicht glauben. „In all dem Vorbereitungsstress ist so etwas nur in den seltensten Fällen machbar“, sagt Carolin Häusler Deshalb verkaufen sie ausschließlich Kleider, die zum Zeitpunkt auch passen.
Die Mutter ist der beste Beistand
Kundin Jessika Linde muss nun bis zum 8. August 2018 ihre Figur halten. Die Berlinerin ist eine gazellenhafte Erscheinung, die aussieht wie Cinderella in ihrem Kleid. Sie hatte das Modell an einer Puppe gesehen und sich, obwohl sie es noch gar nicht brauchte, über ein Jahr vor der Hochzeit dafür entschieden. Eigentlich war sie nur gekommen, um ihr knielanges Kleid für das Standesamt zu finden – der Termin ist in zwei Monaten. Doch zuhause hatte sie immer wieder über dieses eine Kleid nachgedacht. „Ich musste einfach“, sagt sie mit gespielt dramatischem Ton.
Gerade probiert sie es ein zweites Mal an. Wie sie da steht und sich dreht! Sie hat ihren Traum in Weiß gefunden, das merkt man sofort. „Sie würde wohl in jedem Kleid so schön aussehen wie in diesem“, sagt Jessika Lindes Mutter verliebt. Ihre Tochter lacht.
Die Mama als Beistand sei die beste Entscheidung, sagen die „Lilly“-Verkäuferinnen. Auch die beste Freundin als Korrektiv, das sei perfekt. Natürlich ist es nie ganz einfach. „Mütter sind mächtig“, sagt Carolin Häusler. Das kann gut, aber auch weniger hilfreich sein – gerade, wenn die Mutter zahlt, dann wird ihre Meinung bisweilen zu dominant. Außerdem sei es wichtig, seine Begleiterinnen nach Wohlwollen auszuwählen. Der Grat ist schmal zwischen Lob und Kritik, zwischen Komplimenten und Wahrheit. „Manchmal“, erzählt Corinna Nawrocki, „merkt man neidvolle Dynamiken unter den Freundinnen.“ Wenn das der Fall ist, versucht sie die Situation schnellstmöglich zu entkrampfen. Sobald die Entourage beginnt, durch die Gänge zu schleichen, um der Freundin noch ein anderes Kleid vor die Nase zu halten, wird sie aufmerksam.
Männer im Brautladen? Ein Tabu
Dass Männer in dieser Domäne rein gar nichts zu suchen haben, hat gute Gründe. Zum einen liegt es an dem Glauben, es bringe Unglück, wenn der Gatte das Kleid schon vor der Hochzeit sähe. Zum anderen aber auch, weil Männer Frauen oft verunsichern würden. „Sie haben eine völlig andere Vorstellung von ihrer Frau in so einem Kleid“, sagt Carolin Häusler. Am Ende würden sie ihre Zukünftige vor dem Altar ja dann sowieso in allem schön finden. Männer in diese Entscheidung zu involvieren, bedeute unnötigen Stress. Und Stress gibt es schließlich genug.
Charlotte Lutz allerdings, die auch auf der Suche nach einem Kleid ist, behauptet von sich, sie sei „tiefenentspannt“. „Lilly“ ist das erste Geschäft, das sie besucht. „Auf den ersten Blick sehe ich nichts, was mir zusagt“, erklärt sie. Der ganze Tüll und die Strasssteine irritierten sie. Ähnlich wie Katharina Cramer machen auch sie und ihr Zukünftiger eine freie Trauung. Unkompliziert soll es sein, sagt sie, und auf keinen Fall spießig.
Was vor einigen Jahren noch recht ungewöhnlich schien, ist heute eher die Regel. Kirchlich würden nur die wenigsten der Kundinnen heiraten, sagt Corinna Nawrocki. „Dafür wird beim Standesamt alles gegeben – auch in Sachen Brautkleid.“ Den meisten, so auch Charlotte Lutz, gehe es vor allem um die Party im Anschluss. Die Brautpaare mögen die Vorstellung, einmal die Freunde aus aller Welt und die Mitglieder beider Familien an einen Ort zu lotsen. „Absurd eigentlich, dass man erst so einen Anlass braucht, um Menschen, die man liebt, miteinander vereinen zu können“, sagt die Braut.
Aus einem Stück Stoff wird Sehnsucht
Während Charlotte Lutz und ihrer Schwester zum Start der Beratung zwei Glas Sekt serviert werden, sind die 90 Minuten voller Pomp und Glitzer für Katharina Cramer um. Interessanterweise ist bei ihr nun genau das Kleid in der engeren Auswahl gelandet, das sie anfangs gar nicht erst anprobieren wollte. Dank Iris Bombes hat sie sich überraschend verliebt.
Aus der eher pragmatischen Einstellung und der notorischen Betonung, sich in all den Vorbereitungen ihrer Hochzeit gar nicht so stark emotional zu verlieren, wie es das Klischee beschreibt, scheint sich durch den Besuch bei „Lilly“ etwas in ihr verändert zu haben. Man merkt Katharina Cramer an, dass das Thema des perfekten Kleides ihr doch mehr bedeutetet, als sie dachte. Aus einem Stück Stoff wird schnell Sehnsucht.
Ob sie es nimmt, darüber müsse sie noch ein oder gleich mehrere Nächte schlafen, sagt sie lachend. Der Preis, 1500 Euro, sei eine Ansage. Immerhin trage sie es ja nur ein einziges Mal, bevor es dann eingemottet im Schrank verschwinden werde.
„Aber“, und das ist durchaus ein Argument, „das Kleid wird für alle Ewigkeit auf Fotos festgehalten sein“, sagt Carolin Häusler später. Überreden wollen die Damen niemanden. Denn am Ende sind sie nur mögliche Wegbereiter ins bevorstehende Glück.


