Das Thema ist ernst, im Grunde sogar existenziell. Es geht uns alle an. Vor allem aber diejenigen, die nach uns leben werden: Nachhaltigkeit. Der Begriff ist zu einem prägenden unserer Zeit geworden, zu einer Art unsichtbarer Tätowierung auf erhobenem Zeigefinger. Kaum ein gesellschaftliches Feld, in dem er nicht eine Rolle spielen würde. Kein Grund jedoch, ihn immer bloß sorgenvoll-mahnend zu diskutieren.
Ein kleiner Witz aus dem „Lexikon der Nachhaltigkeit“ (www.nachhaltigkeit.info) bringt gut einen Teil des Dilemmas auf den Punkt. Treffen sich zwei Planeten. Ruft der eine: „Du siehst aber schlecht aus!“ Erwidert der andere: „Mir geht’s auch schlecht. Ich hab’ homo sapiens.“ Darauf der erste Planet: „Oh weh, extrem unangenehm. Dauert aber nicht lang.“
Mehr als Energie sparen
Den Anspruch an Nachhaltigkeit und an eine umfassend nachhaltige Lebensweise zu erfüllen, ist eine Herausforderung. Gerade für Familien. Gerade in einer Stadt wie Berlin, die wächst und wächst, die in erheblichem Maße Ressourcen verbraucht, die Hauptstadt ist und als solche einer besonderen Verantwortung genügen soll und möchte. So verwundert es nicht, dass sich das Wort Nachhaltigkeit auf den knapp 190 Seiten des rot-rot-grünen Koalitionsvertrags 20-mal wiederfindet. Schon der Titel „Berlin gemeinsam gestalten“ enthält neben „solidarisch“ und „weltoffen“ den Zusatz „nachhaltig“.
Aber was meint es eigentlich genau, dieses Schlagwort? Die meisten Deutschen denken bei Nachhaltigkeit zunächst an „Energie sparen“, wie verschiedene Umfragen zeigen. Doch die Sache ist weitaus komplexer. Der Duden erklärt den Begriff allgemein mit „längere Zeit anhaltende Wirkung“. Eine anschauliche Erklärung liefert die Fortwirtschaft. Im engeren Sinne beschreibt Nachhaltigkeit dort das Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf als nachwachsen kann. Hans Carl von Carlowitz prägte den Begriff vor 300 Jahren in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ und gilt als Begründer.
Die Jugend ist nachdenklich geworden
Heute ist Nachhaltigkeit zu einem Leitbild für etliche Lebensbereiche geworden und zu einem – beinahe schon inflationär betonten − Handlungsmaßstab vor allem in der Politik. „Im übergreifenden Sinne bewertet ‚Nachhaltigkeit‘ gegenwärtiges Denken und Handeln unter dem Gesichtspunkt, die Lebenssituation der heutigen Generationen zu verbessern, ohne die Zukunftsperspektiven der kommenden Generationen zu verschlechtern“, beschreibt es der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags.
In einer Umfrage unter 14- bis 18-Jährigen fand die Bertelsmann Stiftung heraus, dass die Mehrheit der deutschen Jugendlichen das Thema beschäftigt. Rund zwei Drittel bejahten demnach die Frage „Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob deine Lebensweise oder die unserer Gesellschaft Nachteile haben kann, etwa für die Menschen in anderen Ländern, für die Zukunft junger Menschen oder für die Natur?“
Die Kritik an modernen Lebensweisen ist bekanntlich vielfältig. Wegwerfgesellschaft. Ausbeutung. Gedankenlosigkeit. Kurzsichtigkeit. Äpfel aus Neuseeland, Steinkohle aus Brasilien, Jeans aus Bangladesch. Dabei haben wir es zumindest zum Teil selbst in der Hand, unser Handeln anzupassen. Etwa indem wir verstärkt auf Produkte aus regionaler Herkunft setzen.
Wir haben uns in der Stadt und im Umland auf Spurensuche begeben und Beispiele für Projekte und Strömungen gefunden, die sich dem Prinzip der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Ob in Neubausiedlungen, auf Äckern oder in Materiallagern voll mit vermeintlichen Wegwerfgegenständen – immer stehen dahinter Menschen mit einer Überzeugung. Und wo, wenn nicht im ökonomisch-ökologisch-sozialen Biotop Berlin, könnte es spannender sein, sie zu Wort kommen zu lassen?
Verwerten statt wegwerfen: Kunst-Stoffe Pankow
Am Anfang, gibt Agnes Duda ehrlich zu, hat sie dann und wann noch den Kopf geschüttelt. Was die Leute nur mit all diesen Dingen wollten. Holzreste! Schaumstoffstreifen! Deformierte Klebebandrollen! Schreibtischlampen ohne Halterung! Unwissende würden so etwas als Plunder abtun. Agnes Duda gehört längst nicht mehr zu denen. Auch wenn sie bisweilen noch staunt. Darüber nämlich, wie viel Gebrauchtes noch wiederverwendet werden kann für andere, neue Zwecke. Und was für kreative Dinge aus vermeintlichen Wegwerfsachen entstehen können.
Seit Dezember 2015 verbringt die gebürtige Polin ihren Bundesfreiwilligendienst bei Kunst-Stoffe Berlin, der Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien. In einem unscheinbaren Vorderhaus an der Berliner Straße, direkt neben dem U-Bahnhof Pankow, betreibt der Verein ein Lager, das auf den ersten Blick beinahe bizarr wirkt. In mehreren renovierungsbedürftigen Altbauräumen türmen sich Stoffrollen bis unter die Decke, stapeln sich Glühlampen in Regalen, drängen sich Türknäufe, Sticker, leere Teelichter, Schrauben, Kieselsteine in Kästchen.
Duda führt durch die – auch im Winter – unbeheizten Räume, deutet mal hierhin, mal dorthin. Zu vielen Gegenständen, die als Spende zum Beispiel von Bühnenbauern oder Messeständen hier landeten, fällt ihr eine kleine Geschichte ein. Neulich etwa kam einer, der schnappte sich beglückt einige Kisten olle Kabel, die er für eine Inszenierung von „Und einer flog über das Kuckucksnest“ prima gebrauchen konnte. Oder die drei jungen Filmtreibenden, von denen einer – ein Amerikaner – beim Betreten der Räume ausrief: „Oh my god!“ Nicht aus Entsetzen, sondern vor Entzückung. Drei Bananenkisten voll Requisiten schleppten die Männer später heraus.
Grenzenlose Fantasie
„Und dann war da der Lehrer, der für seine Schule einen Berg Styropor kaufte. Was er daraus machte? Mit den Schülern seiner Theater-AG einen Sarg basteln.“ Agnes Duda grinst vergnügt, wenn sie davon erzählt. Der Fantasie sind in diesem Lager fürwahr wenig Grenzen gesetzt.
An diesem Vormittag hat die gelernte Krankenschwester einen Kreativ-Workshop mit Grundschülern geleitet. „Es ist faszinierend, was die Kinder für Ideen hatten, was man aus alten Dingen basteln kann“, sagt sie. Berührungsängste? „Igitt, Müll“-Ausrufe? Gleichgültigkeit gegenüber den gebrauchten Dingen? Mitnichten. „Die hatten riesig Spaß und waren toll vorbereitet auf das Thema Recycling und Re-Use.“
Es ist eben alles eine Frage der Betrachtungsweise. Nicht alles, was gemeinhin als wertlos abgetan wird, gehört weggeworfen. Das Bewusstsein dafür versucht Kunst-Stoffe seit seiner Gründung 2006 zu schärfen. 2013/2014 zeichnete die Bundesregierung den maßgeblich von der Wissenschaftlerin Dr. Corinna Vosse mitinitiierten Berliner Verein im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ aus. „Alte Werbeplanen, defekte Lüftungsrohre und zersplitterte Holzlatten sehen aus wie Müll, sind aber ein Schatz – wenn man ihn versteht zu heben. Genau das tun die Macher von Kunst-Stoffe, dem ersten deutschen Zentrum für Abfallumnutzung in Berlin“, hieß es zur Begründung, und: „Mit offenen Werkstätten, Kursen zur Nachhaltigkeitsbildung und einem Repair Café weist das Recyclingprojekt einen Weg aus der Wegwerfgesellschaft.“
Spenden sind willkommen
Die Urkunde hängt heute im Materiallager. Im Treppenaufgang säumen weitere Auszeichnungen die Wände. Darunter der Berliner Umweltpreis in der Kategorie Umweltengagement, vergeben für die Gründung des ersten Repair Cafés der Hauptstadt in Kreuzberg Anfang 2013. Initiatorin Elisa Garrote Gasch von Kunst-Stoffe möchte die Cafés, in denen jeder mit defekten Alltagsgegenständen Hilfe zur Selbsthilfe suchen kann, „als Nachbarschaftsorte etablieren, die von der Stadt gefördert werden“. Sie weiß: „Ohne Förderung ist unsere Situation prekär.“
Tatsächlich ist weder mit Repair Cafés noch mit dem Verkauf gebrauchten Materials viel Geld zu verdienen. Auszeichnungen dienen insofern vor allem dem Image. Sie sind eine Form der Wertschätzung. Und sie weisen auf Best-practice-Modelle hin, die nachzuahmen lohnt. Das Materiallager von Kunst-Stoffe nimmt Spenden gern entgegen. Allerdings keine Möbel und keinen offensichtlichen Abfall. Sondern nur solche Dinge, die auch weiterverwendet und -verkauft werden können, beispielsweise an Künstler .
Sogar die Bundeskanzlerin ist dort in Pankow zu Gast. In einem kargen Kellerflur stöbert Agnes Duda nach ihr. „Angie, wo bist du?“, murmelt sie scherzhaft, greift dann in einen Stapel aus Aluminiumtafeln und zieht triumphierend eine davon heraus. „Aha. Hier!“ Auf der Tafel ist zu sehen: Angela Merkel 2008 mit dem damaligen japanischen Premierminister Taro Aso. Ein Restbestand aus einer politischen Ausstellung offenbar.
Manchmal liegen Dinge bei Kunst-Stoffe zwei bis vier Jahre, sagt Agnes Duda und lacht: „Weil wir wissen: Kommt Zeit, kommt Abnehmer.“
Nachhaltiges Bauen: Längst kein Nischenthema mehr
Die Fahrt hinaus zu Franziska Hermanns führt über die B96a nach Norden, vorbei an Feldern, Reiterhöfen, Kleingartenanlagen und der Schildower Dorfkirche. Es mutet an wie eine Fahrt aufs Land, und doch ist Berlin ganz nah. Im Ortskern biegt die Straße nach links ab, und kurz darauf taucht am Straßenrand ein Neubaugebiet auf: die „Schildower Gärten“.
49 Häuser werden hier in nächster Zeit in Massivbauweise, also „Stein auf Stein“, entstanden sein. Das Prinzip Nachhaltigkeit wird quasi schon mit den Grundsteinen gelegt. Manche Häuser sind noch in Planung, manche im Bau, manche bezogen. Wie das von Franziska Hermanns. Im Mai 2016 war Baubeginn auf ihrem Grundstück, im Dezember konnte sie bereits von ihrer Mietwohnung in Wedding ins Eigenheim einziehen.
Wer beim Betreten der schmucken 130-Quadratmeter-Stadtvilla den für Neubauten mitunter typischen Geruch vermutet, staunt. Es riecht nach – nichts. Nicht nach Kleber. Nicht nach Farbe. Nicht nach Silikon. Allenfalls das Eichenparkett verströmt einen angenehmen Holzduft. „Es hat hier eigentlich nie nach Bau gerochen. Das finde ich toll“, sagt Franziska Hermanns. Zu verdanken ist es vor allem dem Ansatz des Bauträgers, ausschließlich hochwertige, schadstoffgeprüfte Baustoffe zu verwenden oder zu empfehlen. Er wirbt mit einer Zertifizierung durch das Sentinel Haus Institut in Freiburg, einem „Institut für gesundes Wohnen“, das sich zur Aufgabe gemacht habe, „Menschen vor unerwünschten Schadstoffen zu schützen“.
Auch mal mehr Geld investieren
Zu verdanken ist es aber auch dem Wunsch und der Bereitschaft der Bauherrin, bewusst auf hochwertige, sogenannte wohngesunde Baustoffe zu vertrauen und dafür mehr Geld zu investieren, als bei herkömmlicher Bauweise angefallen wäre. „Wir haben uns beispielsweise für Blähton statt dem standardmäßigen Porenbeton entschieden“, erzählt sie. „Das ist ein komplett natürlicher Baustoff mit hervorragenden Isolierwerten.“
Standardmäßig wäre ihr Haus außerdem mit Gas beheizt worden. Doch die Entscheidung für eine Wärmepumpe und gegen fossile Brennstoffe fiel ebenfalls bewusst. Hermanns ist keine Öko-Fundamentalistin. Und manches, gibt sie zu, ist schlicht „nice to have“. Doch Nachhaltigkeit liegt ihr am Herzen. Sie findet: „Wenn wir so wollen, liegt die Macht jedes Einzelnen ja im Konsum.“
Viel deutet darauf hin, dass das sogenannte nachhaltige Bauen in Zukunft immer weiter zunehmen wird. Laut der Studie „World Green Building Trends 2016“ der Marktforschungsorganisation Dodge Data & Analytics wird sich die Anzahl an nachhaltig gebauten Gebäuden weltweit von 2016 bis 2018 verdoppelt haben. Eine der Schlussfolgerungen der Untersuchung lautet: „Nachhaltiges Bauen ist im Bewusstsein von zunehmend mehr Menschen angekommen.“
Umsicht und Weitsicht
Frank U. Vogdt kann das bestätigen. Als Fachgebietsleiter für Bauphysik und Baukonstruktionen lehrt und forscht der Universitätsprofessor an der TU Berlin. Ein Nischenthema für einige wenige Überzeugte werde nachhaltiges Bauen nicht bleiben, meint Vogdt: „Es geht hier nicht um eine ideologische Betrachtung, sondern was dahintersteckt, hat Hand und Fuß. Nachhaltiges Bauen ist weit mehr als ein Zeitgeist-Phänomen.“
Doch was bedeutet der Begriff eigentlich genau? Vogdt: „Vereinfacht gesagt, wegzukommen von der jeweils eingeengten Sichtweise verschiedener Akteure im Bauwesen. Es geht also beispielsweise nicht darum, ein Haus mit möglichst geringen Investitionskosten zu errichten, sondern auch die Baufolgekosten, wie die Betriebskosten, zu berücksichtigen. Es ist also der gesamte Lebenszyklus zu betrachten – wo von der Kiesgrube über das Betonwerk, von der Baustelle über das Darin-Wohnen, von der Instandhaltung bis zu Abriss und Entsorgung alle Aspekte mit ihren ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Auswirkungen mitbedacht werden.“
Erfreulicherweise sei die Immobilienwirtschaft auf diesen Trend aufgesprungen, sagt der TU-Fachmann: „Denn sie hat erkannt, dass sich Gebäude, die einem höheren, also einem auf Nachhaltigkeit abzielenden Anspruch genügen, sehr gut vermarkten lassen.“
Leitfaden der Bundesregierung
Die Bundesregierung hat zum Thema vor vier Jahren einen 168-seitigen Leitfaden entwickelt. Umweltministerin Barbara Hendricks sieht nachhaltiges Bauen „als einen der Megatrends unserer Zeit“. Es brauche „intelligente und energieeffiziente Gebäudekonzepte sowie den Mut zum Einsatz von modernen Werkstoffen in Verbindung mit einer ansprechenden architektonischen Umsetzung“.
So wie bei Franziska Hermanns in Schildow. Wenn die Enddreißigerin aus ihrer großen, lichtdurchfluteten Fensterfront im Wohn- und Esszimmer blickt, sieht sie momentan noch blanke Erde. Doch schon bald soll hier im Neubaugebiet so einiges wachsen. Begonnen hat es schon.
Gemeinsam säen und ernten: SpeiseGut in Gatow
Vielleicht stellt man sich Christian Heymanns Betrieb am besten wie einen Möhrensamen vor. Zunächst wird der Samen in die Erde gesteckt, anschließend gehegt, gepflegt, gedüngt, gewässert. Aus dem Samen wird eine Pflanze, sie wächst und wächst, anfangs langsam, dann sichtbarer oberirdisch. Doch wie groß die Möhre unter der Erde am Ende werden wird, vermag keiner zu sagen.
In Gatow ganz im Westen Berlins betreibt Bauer Heymann seit mehr als vier Jahren eine „solidarische Landwirtschaft“ (Solawi). Sie nennt sich „SpeiseGut“ und ist die erste und einzige in Berlin. Das Prinzip ist simpel: Mehrere Privathaushalte teilen sich die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, finanzieren also mit ihrem Teilnehmerbeitrag Saatgut, Pflanzen, Maschinen, Lohnkosten etc. Im Gegenzug wird der Ernteertrag aufgeteilt.
Vorteil für die Finanziers: Stets frisches Gemüse, Obst und Kräuter aus biologischem Anbau und, vor allem, aus ihrer Region. Vorteil für den Landwirt: Das Risiko ist auf viele Schultern verteilt, er kann unabhängig von den Unwägbarkeiten des Marktes planen und wirtschaften, „ohne sich oder den Boden auszubeuten“, wie Heymann sagt. Also nachhaltig.
Mit anpacken ist Pflicht
Bis zu 250 Teilnehmer zu versorgen sei mit der vorhandenen Ackerfläche möglich, sagt Heymann. Sein Wirtschaftsmodell ist eines für Überzeugungstäter. Das beginnt damit, dass die Teilnehmer mindestens dreimal pro Jahr selbst auf dem Acker anpacken müssen, und endet damit, dass sie die Ware nicht bequem und gewaschen ins Haus gebracht bekommen. Gemüse für 217 Haushalte hat der passionierte Anpacker erst in der vergangenen Woche wieder an die diversen Depots im Stadtgebiet und nach Potsdam geliefert. Dort müssen sich die Teilnehmer ihre Ware selbst abholen. Je nach Größe des Haushalts und Umfang kostet der Monatsbeitrag zurzeit zwischen 40 und 80 Euro.
Eine der Abholstationen für die „SpeiseGut“-Kisten ist die „KlimaWerkstatt“ in der Altstadt von Spandau. „Wir verstehen uns als Agentur für Regionalwirtschaft und Klimaschutz“, erklärt Cornelia Niemeitz, im Bezirksamt zuständig für Nachhaltigkeit. „Zunehmend mehr Menschen wollen wissen, was wie und von wo auf ihre Teller gelangt – vor allem junge Leute“, sagt sie.
Lebensmittel - zum Greifen nah
Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will mit dem Land Brandenburg, unterstützt vom Bündnis „Ernährungsrat Berlin“, weitere Möglichkeiten zur stärkeren Nutzung regional erzeugter Lebensmittel ausloten. Unter anderem daran hapert es nach Einschätzung von Udo Tremmel vom „Ernährungsrat“ derzeit noch. „Der Trend geht dahin, dass Städte mehr Verantwortung übernehmen dafür, wie gute Ernährung zustande kommt“, beobachtet er wohlwollend. Was in Hamburg und anderen deutschen Städten schon recht gut klappt, sei in Berlin allerdings noch stark ausbaufähig.
So kommt Graswurzel-Bewegungen eine umso größere Bedeutung zu. Ein Beispiel ist „Marktschwärmer“, eine Plattform für Online-Direktvermarktung regionaler Lebensmittel. Kunden können dort online bestellen. Ihre quasi in der Berliner Nachbarschaft produzierte Ware holen sie dann in nahe gelegenen „Schwärmereien“ ab, wie die Orte der Verteilung heißen. Dort lernen sie die Produzenten kennen – unter ihnen Bäcker, Imker, Brauer, Landwirte, Tierhalter. Lebensmittel und ihre Herkunft werden so plötzlich zum Greifen nah.


