Erziehung

10 Eltern-Regeln gegen Peinlichsein

| Lesedauer: 4 Minuten
Utta Raifer
Früher fanden die Kids die Anekdoten von Papa lustig. Jetzt sind sie ihnen nur noch peinlich

Früher fanden die Kids die Anekdoten von Papa lustig. Jetzt sind sie ihnen nur noch peinlich

Foto: Reto Klar

Eines Tages sind Mama und Papa für die Kinder nicht mehr die Superhelden – sondern schlimmstenfalls peinlich. Was können Eltern tun?

Freunde Was tun, wenn das Kind plötzlich so tut, als seien Sie Luft, nur weil es auf dem Schulweg Freunde getroffen hat? Freuen Sie sich. Es hat Freunde. Verabschieden Sie sich kurz und sachlich. In einem ruhigen Moment können Sie ja mit ihm darüber sprechen, ob es in Zukunft alleine in die Schule gehen will.

Anekdoten Lustige Kindermund-Geschichten zum Besten geben, wenn das Kind anwesend ist? Wenden Sie sich zuerst an das Kind. Es wird Ihnen signalisieren, ob es einverstanden ist. Manche Kinder erzählen auch gerne selbst. Wenn nicht, besser schweigen. Verabreden Sie ein geheimes Zeichen, das wechselseitig gilt. Auch Kinder können peinliche Sachen ausplaudern!

Singen und Tanzen Aus den Boxen einer Kirmesbude kommt Musik. Sie singen laut mit und deuten Tanzbewegungen an? Das mögen einige Kinder gar nicht. Seien Sie nicht enttäuscht, dass Ihr Kind ein Spaßverderber ist. Und mal ehrlich: Sie machen das eh nur, um zu zeigen, wie jung und cool Sie sind. Haben Sie das nötig?

Musik Die Freunde Ihres Kindes kommen zu Besuch und wollen Musik hören. Sie mischen sich ein, kramen Ihre Playlist heraus oder erzählen gar von dem legendären Pixies-Konzert von 1998. Vorsicht, Sie bewegen sich auf dünnem Eis. Besser abwarten, irgendwann entdecken die Kinder die Plattensammlung der Eltern von selbst.

Abstand Das Kind möchte, dass Sie auf der Straße ein paar Schritte hinter ihm gehen? Das ist bitter. Jetzt nicht hektisch ins nächste H&M rennen und quietschbunte Hoodies besorgen. Sprechen Sie das Thema in einem entspannten Moment an. Sagen Sie Ihrem Kind, wie es Ihnen dabei geht. Es könnte sich ein schönes Gespräch entwickeln, das Sie näher zusammenbringt.

Liebe Der Teenager ist zum ersten Mal verliebt und bringt seine Freundin mit. Sie umarmen das Mädchen, bieten das Du an und planen fürs Wochenende einen gemeinsamen Ausflug. Es könnte sein, dass Ihr Kind plötzlich nicht mehr verliebt ist, dafür künftig auffallend selten zu Hause. Besser freundlich, aber zurückhaltend reagieren. Weder ihr Kind vor der Freundin auffällig loben noch kritisieren – und auf keinen Fall lustige Anekdoten aus der Kindheit erzählen.

Schimpfen Jemand rempelt Sie im Beisein Ihres Kindes auf der Straße rüde an. Sie schimpfen lautstark zurück und lassen im Weitergehen ihrem Ärger über die schlechten Manieren der Menschheit Luft. Ein laut schimpfendes Elternteil an der Seite ist für Kinder sehr peinlich, besonders, wenn der Ärger nicht ihm gilt. Aber gut, manchmal kann man nicht aus seiner Haut.

Politik Sie besuchen Ihr Kind in der Studenten-WG und halten am Küchentisch politische Brandreden. Egal, wie Sie politisch stehen: Junge Menschen möchten nicht belehrt werden. Und schon gar nicht Vorträgen außerhalb von Hörsälen zuhören müssen. Bringen Sie lieber leckere Sachen mitbringen und reden Sie übers Wetter.

Soziale Netzwerke Gut, Sie sind auf Facebook mit Ihrem Kind befreundet. Wäre ja auch komisch, wenn nicht. Halten Sie aber seine Timeline frei von familieninternem Kram. Die sozialen Medien sind eine verlockende Falle. Hier müssen Sie viel Empathie aufbringen, um Ihr Kind nicht zu blamieren oder zu beschämen.

Grenzüberschreitung Sich mal auf einer Familienparty so richtig gehen lassen. Enthemmt tanzen, den Refrain mitgrölen, Bierflasche schwenkend den Schwager abknutschen. Dann blicken Sie in die entsetzten Augen Ihres Sohnes. Kann sein, dass ihm das peinlich ist. Aber manchmal haben Momente, in denen man eine Grenze überschreitet, etwas sehr Lustvolles. Kann man auch mal genießen. Und Ihr Sohn hat etwas zu erzählen in seiner Studenten-WG.