Pubertät

Reden statt streiten

Als ihr Sohn pubertierte, griff Daniela Böhle zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie schrieb mit ihm ein Buch. So blieben die beiden im Gespräch

Dokument einer besonderen Zeit: Daniela Böhle mit dem Jugendbuch, das sie gemeinsam mit ihrem Sohn verfasste

Dokument einer besonderen Zeit: Daniela Böhle mit dem Jugendbuch, das sie gemeinsam mit ihrem Sohn verfasste

Foto: Sergej Glanze / Glanze

„Pubertät – wenn Erziehen nicht mehr geht“: So heißt ein Buch des bekannten Erziehungsexperten Jesper Juul. Und damit spricht er wohl der Mehrheit der Eltern mit pubertierenden Kindern aus der Seele. Pubertät: Das ist, wenn die Hormone der Kids plötzlich verrückt spielen. Wenn Mütter und Väter ihre Kinder nicht wiedererkennen. Wenn ihr Einfluss auf den Nachwuchs gegen Null tendiert. Was tun? Wie steuern Familien am besten durch diese entscheidende Entwicklungsphase auf dem Weg zum Erwachsenwerden, durch diese Zeit voller Turbulenzen und Herausforderungen?

Die Berliner Autorin und Lektorin Daniela Böhle, zweifache Mutter, hat einen Weg gefunden. Zunächst war da nur die Idee, ihrem lesefaulen Sohn einen Zugang zur Welt der Bücher zu eröffnen. Der Welt, die sie selbst schon im Alter von vier Jahren für sich entdeckt hatte. Auch in der Pubertät hatten ihr Bücher geholfen, mit den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens klar zu kommen. Dumm nur, dass ihr Sohn, damals zwölf und heute 17 Jahre alt, sich partout nicht für Literatur interessierte – Comics ausgenommen.

„Schreib doch über eine Prügelei“

Das änderte sich jedoch schlagartig, als Daniela Böhle ihm die Idee unterbreitete, ihm genau das Buch zu schreiben, das ihm gefällt. Der Deal: Der Sohn schlägt vor, was passiert, die Mutter bringt es aufs Papier. „Schreib doch über eine Prügelei im Klassenzimmer“, lautete der erste Vorschlag des Sohnes. Herausgekommen ist ein Tagebuch, das sein ziemlich verpeilter Altersgenosse Paul schreibt. Es trägt den Titel „Mein bisher bestes Jahr“ und ist gerade erschienen.

„Was meinem Sohn nicht gefallen hat, kam gleich in den Müll“, erzählt Daniela Böhle vom Entstehungsprozess des 240 Seiten starken Werks, das sich an Jugendliche richtet, aber auch für Erwachsene lesenswert ist. Selbst dann, wenn die Autorin eine Passage für besonders gelungen hielt und es ihr wehtat, wurde gnadenlos ausgesiebt. So war nun mal die Abmachung. Und die hatte, wie Daniela Böhle bald feststellte, einen wunderbaren Nebeneffekt. Denn das Buchprojekt half Mutter und Sohn, sich besser zu verstehen. „Jede Menge Details hat mein Sohn, denke ich, nur ausgepackt, weil wir ein Schreibteam waren. Er hätte mir davon vielleicht auch erzählt, wenn ich gefragt hätte, aber ohne das Buchprojekt wären mir solche Fragen gar nicht eingefallen.“

Wirrnis, Wut und Widerstand

Uns wiederum sind beim Lesen des Buches viele Fragen und Gedanken gekommen, so dass wir Daniela Böhle zum Gespräch gebeten haben. Über die Pubertät im allgemeinen, aber im besonderen über ihr eigenes Erleben und ihren Umgang mit typischen Pubertätssymptomen wie Wirrnis, Wut und Widerstand. Da, wo andere Eltern lieber vornehm schweigen, gibt sich Daniela Böhle schonungslos ehrlich. Der offene Umgang half ihr, mit dem Erwachsenwerden ihres Sohnes besser klarzukommen. Und vielleicht hilft er auch anderen Eltern? Lesen Sie selbst.

Ich habe heute Morgen meiner zwölfjährigen Tochter erzählt, dass ich ein Interview über die Pubertät mache, und habe sie gefragt: „Was würdest du denn fragen?“ Sie hat gesagt: „Frag sie: Warum ist mein Vater so blöd?“

Daniela Böhle: (lacht) Oh nein! Sie Ärmster! So einen hatte ich nicht. Also so einen, der mit mir rumgestritten hat. Bei uns gab es andere Dinge, über die wir uns in die Haare gekriegt haben.

Welche denn?

Wir hatten dieses völlig Verpeilte, dieses In-einer-anderen-Welt sein. Ich erinnere mich an einen echt abgefahrenen Moment, als er in der fünften Klasse gerade in die Pubertät reinschlitterte. Da habe ich mit meinem Sohn für einen Vokabeltest geübt. Ich habe ihn gefragt: „Was heißt small?“ Keine Antwort. Ich: „Small heißt klein. Was heißt small?“ Er: „Weiß ich nicht.“ Ich: „Was heißt small?“ Er: „Woher soll ich das denn wissen?“ Ich: „Small heißt klein. Was heißt small?“ Er: „Ach, ich habe es schon wieder vergessen.“ Und da habe ich vor ihm gesessen und gedacht: „Um Himmels Willen! Was passiert denn da gerade mit ihm? Hat der was?“ (lacht)

Und dann?

Irgendwann wurde mir klar: Es gibt halt so Tage. Wenn er aus der Schule kam, konnte ich schon sagen, ob am Nachmittag was ging oder ob einfach nur Bolzplatz möglich war.

Das klingt erstaunlich gelassen...

Naja, das hat sich entwickelt. Es hat geholfen, dass ich ein, zwei andere Mütter hatte, mit denen ich mich ausgetauscht habe. Da hat man angerufen und gefragt: „Na, wie geht’s?“ Und die andere hat gesagt: „Schlecht!“ (lacht) Das war gut. Da bin ich froh, dass ein paar Jungs im Umfeld eine ähnliche Phase durchgemacht haben und man sich sagen konnte: „Na gut, wenn meiner nicht der einzige ist, kann es so schlimm nicht sein.“ Es können ja nicht alle gleichzeitig durch ein Virus ausgeschaltet sein. Das braucht man, denke ich. Man braucht ein paar Leute um sich, die sagen: „Ja, ich krieg’ ständig die Krise.“

Bei was sind Sie denn ausgeflippt?

Computer. Dieses Gedaddel dann später: grässlich! Darüber bin ich immer mal wieder ausgerastet. Das war so ein Punkt, wo ich gedacht habe, noch länger und ich fange an zu hyperventilieren. Ich bin dann auch laut geworden. Ach ja, und Schule, das war eine Zeit lang auch Thema. Bei manchen Sachen hat er plötzlich nicht mehr gelernt. Ich habe dann gesagt: „Ich möchte nicht neben dir sitzen müssen, damit du lernst, aber ich möchte auch keine Faulheitsnoten mehr sehen.“

Haben Sie dann gestritten?

Streit gab es eigentlich wenig. Ich finde, mein Sohn hatte immer ein gutes Gespür. Ich musste nicht viel eingreifen. Irgendwann habe ich mich allerdings neben ihn an den Computer gesetzt und gesagt: „Jetzt will ich mal alles sehen, was du da machst und spielst.“ Das Thema Computer hat mich wirklich an meine Grenzen gebracht. Aber grundsätzlich hatte mein Sohn die Dinge in der Hand und ich konnte über all die Jahre Vertrauen in ihn haben. Dass er Entscheidungen trifft, für die er auch die Konsequenzen tragen kann. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine Grenzen ziehen musste.

Wie meinen Sie das?

Es musste klar sein, was meine Meinung ist. Und auch, wo meine Grenze ist. Was ich nicht ertragen kann, was mich kränkt oder nervt. Diese Ausdrücke etwa wie „Alter!“ Bei sowas habe ich gesagt: „Sag das meinetwegen zu jemand anderem, aber nicht zu mir und nicht in meiner Gegenwart.“ Ein anderes Beispiel: Es gibt da ja diese Pubertanten, die mies gelaunt sind. Das finde ich scheußlich. Ich kann doch nicht sagen: „Hauptsache, du entwickelst dich gut, schnauz mich ruhig an und maule rum.“ Nein. So ein Verhalten ist unerfreulich. Ich habe da sehr sichtbare Grenzen gezogen. Aber die Regeln und Grenzen dürfen halt nicht so eng sein, dass sich das Kind nicht mehr anvertraut.

In Ihrem Buch setzt sich die Mutter von Paul in dessen Zimmer und verlangt, dass der Sohn vor ihren Augen aufräumt. Haben Sie so etwas auch gemacht?

Ja. Ich habe mich mit einem Buch hingesetzt und habe ihn aufräumen lassen. Das waren so Situationen, wo meine Grenze einfach mal erreicht war. Ich wollte es keine Sekunde länger ertragen und ich wollte es auch nicht selber machen. Und dann habe ich mich da hingesetzt und mir gedacht: „Reg dich ruhig auf.“ Er hat sich dann auch aufgeregt, aber er ist nie gemein geworden, sondern hat eher gestöhnt und es dann erledigt.

Können Sie sich an Ihre eigene Pubertät erinnern?

Ich konnte das immer in solchen Momenten. Also etwa wenn ich zu meinem Sohn ins Zimmer kam und dachte: „Wow, das sieht ja ungeheuerlich aus!“ Dann dachte ich: „Ja, so war es bei mir auch.“ Das hilft sehr. Meine Mutter hat es damals gehasst, dass ich mein Zimmer nicht aufräumen konnte. Sie hat gesagt: „Wenn ich dir gute Nacht sagen soll, dann muss da eine Schneise sein. Ich muss zu deinem Bett kommen können, ohne zu stolpern.“ Das konnte ich. Ich habe die Dinge dann nach rechts und links zur Seite geschoben. Heute denke ich: Das ist ja so bescheuert!

Warum?

Na, vieles ist doch total einfach. Wenn man nach Hause kommt, kann man die Dinge doch einfach gleich da hin tun, wo sie hingehören. Aber aus der Erinnerung weiß ich : Das geht nicht. Ich erinnere mich auch, dass mein Bruder eine unglaubliche Energie entwickelt hat, um Dinge nicht zu erledigen. Der hat Schulsachen versteckt, anstatt sie erledigen, oder hat sich überlegt, wie er es am besten anstellt, dass es aussieht, als würde er sie machen. Aus heutiger Sicht sage ich: Das ist so viel mehr Aufwand! Aber irgendetwas hat einen damals dazu gebracht, sich so zu verhalten. Heute kann ich übrigens ohne Probleme aufräumen.

Sind Sie denn strenger erzogen worden, als Sie mit Ihren Kindern umgehen?

Das würde ich nicht sagen. Aber tatsächlich habe ich meinem Sohn in diesen Jahren alle möglichen Sachen abgenommen. Wenn er zum Beispiel im dritten Anlauf immer noch nicht daran gedacht hat, den Müll rauszubringen, habe ich es getan. Ich weiß nicht, ob das gut war. Mein Mann hat gesagt: „Tu das nicht! Gib ihm Aufgaben!“ Aber ich habe gesagt: „Vergiss es, er schafft es nicht, dann streite ich mich drei Mal die Woche mit ihm. Und er macht es trotzdem nicht. Damit ist niemandem geholfen.“ Ich habe darauf vertraut, dass unser Sohn selbstständig wird, ich habe es ja auch geschafft.

Trägt er denn heute den Müll raus?

Ja, ja, er kann das alles. Und wenn ich spüle, dann kommt er und sagt: „Ich trockne ab.“

Hatten Sie in der Pubertät Ihres Sohnes öfters eine andere Erziehungsansicht als Ihr Mann?

Mein Mann hat sich da eher rausgehalten. Das war insofern ganz gut, weil ich in vielen Momenten gelassen war. Ich habe gedacht: „Du, Sohn, bist eigentlich so ein netter Mensch. Was geht da gerade ab?“ Was ich meine: Ich habe mir viele Schuhe nicht angezogen, habe es nicht persönlich genommen, wenn er zum Beispiel nicht aufgeräumt hat. Ich selbst habe es in meiner Pubertät ja auch nicht persönlich gemeint. Das war bei meinem Mann anders. Er hatte den Konflikt zwischen sich und seinen Eltern anders in Erinnerung, intensiver. Ich habe nicht so wahnsinnig mit meinen Eltern gekämpft damals. Da hatte ich andere Baustellen und fand meine Eltern nur minder interessant. Und davon bin ich auch bei meinem Sohn ausgegangen. Dass er mich nicht sonderlich meint, dass er sich nicht an mir abarbeitet.

Hat man im Nachhinein Mitleid mit seinen Eltern?

Zumindest kann ich verstehen, warum sie ab und an mal so ausgerastet sind. Wenn ich immer gesagt hätte: „Guck mal, die Zahnpastatube ist offen! Heb doch mal deine Schulmappe auf! Die Sachen da liegen im Weg!“ Dann ist man danach eben trotzdem nicht entspannter, sondern rastet irgendwann aus. Dann ist es doch besser, man flippt irgendwann aus, ohne dass man davor ständig rumgenölt hat. Ich mag mich jedenfalls nicht in der Rolle der Meckerziege.

Gab es bei Ihnen auch mal körperliche Auseinandersetzungen?

Ich erinnere mich, dass es zwei Situationen gegeben hat, wo ich körperlich geworden bin. Da habe ich meinen Sohn am Kragen gepackt und an die Wand geschoben oder an den Haaren gepackt. Manchmal habe ich auch gedacht: „Gleich rutscht mir die Hand aus! Am liebsten möchte ich ihn jetzt vermöbeln!“ Das habe ich natürlich nicht getan. So weit habe ich mich unter Kontrolle. Aber ich weiß, wie wichtig es war, das Gefühl zu haben, dass ich das Alphatier bin. Dass ich auch körperlich noch auf der Höhe bin. Ich hab früher lang Jiu Jitsu gemacht und ich weiß, dass das jahrelang wichtig war für unser Verhältnis. So lächerlich das klingt! Mein Sohn hat dann selbst angefangen mit Kampfsport, aber ich hätte ihn in diesen Jahren noch eine ganze Weile besiegen können. Und ich wusste: Das bedeutet was. Es hätte nicht gereicht, wenn ich nur schlauer gewesen wäre. Es gibt dieses Alter, wo der körperliche Respekt sehr wichtig ist.

Mein Sohn wollte ständig diskutieren. Über alles. Vor allem Politik. Und er war immer gegen meine Meinung. Ich hatte den Eindruck: Er braucht eine Mauer. Er braucht die Provokation. Kennen Sie das auch?

In manchen Momenten, ja. Mein Sohn wollte manchmal diskutieren um des Diskutierens willen. Wenn ich was wollte und er nicht. Da habe ich schon mal gesagt: „Das ist mir jetzt zu blöd.“ Aber diese politischen Diskussionen fand ich immer wahnsinnig interessant. Ab und zu hat er eine Extremposition eingenommen, der ich nicht ganz folgen konnte. Aber das fand ich immer total schön. Da habe ich gesehen, wieviel Pragmatismus sich über die Jahre bei mir eingeschlichen hat. Und ich habe nochmal gesehen: Ja, man kann jetzt auch mal alles oder nichts denken. Und eigentlich finde ich das wunderbar. Das ist doch Jungsein. Dass man immer das Ganze in die Waagschale wirft.

Sind Sie über alle Themen mit Ihrem Sohn im Gespräch geblieben? Hat er sich mit allem an Sie gewandt? Auch in Liebesdingen?

Ne, da bin ich raus. Das ärgert mich auch sehr, das finde ich blöd. Ich bin doch neugierig! Ich hab immer mal gesagt: „Du musst sie mit nach Hause bringen!“ Aber er sagt, dass mich das alles nichts angeht. Über Mädchen spricht er mit seinen Kumpels. Ich habe noch nicht mal mitgekriegt, als er sich verliebt hat. Da fand er wohl, dass das nicht mein Ding ist. Ansonsten findet er mich im Großen und Ganzen in Ordnung, glaube ich. Irgendwann hat er mal gesagt, dass er andere Mütter peinlicher fand als mich. Das war ein großes Kompliment. Allerdings hat alles seine Grenzen. Es wollte eine ganze Zeit nicht unbedingt mit mir in der Öffentlichkeit unterwegs sein. Peinlich!

Hat sich durch das Buchprojekt das Verhältnis zwischen Ihrem Sohn und Ihnen verändert?

Die Zeit, in der wir es gemacht haben, war super. Einfach, weil ich ihm so viele Fragen stellen konnte. Wir haben Situationen entwickelt und ich habe ihn gefragt: „Was würdest du jetzt sagen oder tun?“ Ich war oft von seiner geraden Linie begeistert. Einmal rief der Lektor an und meinte besorgt: „In dem Buch wird so viel geprügelt. Willst du das nicht nochmal überdenken?“ Da habe ich ein schlechtes Gewissen bekommen und bin zu meinem Sohn hin und habe gesagt, dass das vielleicht doch ein bisschen viel ist.

Wie ging es weiter?

Mein Sohn hat mich nur verständnislos angeguckt und gesagt: „Aber das ist in der Grundschule so.“ Da habe ich gesagt: „Gut, dann bleibt es so.“ Ich finde es übrigens auch gut. Wahrscheinlich, weil ich diesen Clinch unter Mädchen aus meiner eigenen Schulzeit als so schrecklich in Erinnerung habe. Da wurde ausgeschlossen und getuschelt. Ich hätte lieber mal was auf die Schnauze gekriegt anstatt diesen Psychostress zu haben. Aber was das Buch angeht: Es war meinem Sohn auch von vorneherein klar, dass es nicht nur von Prügeleien und Schulstreichen handeln darf. Sondern dass ich auch Dinge reinbringe, die mich bewegen und die sich teilweise im weiteren Umfeld ereignet haben. Verwicklungen mit anderen Eltern. Ein Junge, der ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat. Eine Mutter mit Angststörung.

Wer soll das Buch lesen?

Ich würde mir wünschen, dass es auch Eltern gefällt. Aber auf jeden Fall möchte ich, dass es Jungen zur Hand nehmen, die sonst keine Bücher lesen. So ab vierte, fünfte, sechste Klasse. Und auch Mädchen. Ich glaube, ich hätte so ein Buch als Mädchen lesen wollen, um zu verstehen, warum die Jungs so komisch sind. Um zu erfahren: „Was denken die in bestimmten Momenten? Denken die überhaupt was?“

Sie haben noch eine neunjährige Tochter. Glauben Sie, dass Sie bei Ihrer Tochter behütender sein werden als bei Ihrem Sohn? Weil sie ein Mädchen ist?

Das habe ich mal gedacht. Sie ist allerdings ganz anders, als ich es war. Ich glaube, ich brauche sie überhaupt nicht zu behüten. Sie droht eher den Jungs in der Klasse über sich Prügel an und setzt das dann auch durch. Das hätte mein Sohn nicht gemacht. Ich auch nicht.

Hat die Pubertät Ihres Sohnes auch Sie verändert?

Bestimmt. Ich habe eine Menge über mich gelernt. Über meine Grenzen, ab wann ich die Nerven verliere. Ich glaube, es ist wichtig, dass man dieser Fassungslosigkeit, dieser Ratlosigkeit, die man als Mutter oder Vater regelmäßig hat, Raum gibt. Dass man schaut, wohin man seine Energie lenkt und wo man lieber Kraft einspart. Ich jedenfalls bin schon gelassener geworden. Na, vielleicht auch nicht. Aber ich kann anders Prioritäten setzen. Über die Dinge, die mich stören, kann ich mich immer noch sehr aufregen. Aber über viele Kleinigkeiten rege ich mich gar nicht mehr auf. Auf eine bestimmte Weise bin ich optimistischer geworden. Habe einen Blick dafür gewonnen, was wirklich zählt.

Also sind Sie gewappnet für Ihre Tochter?

Gar nicht! Ich habe eine Heidenangst vor ihrer Pubertät. Der Vorteil bei meinem Sohn ist, dass er nie gesagt hat: „Ich hasse dich“. Ich glaube, Töchter sagen das irgendwann.

Das Buch: Daniela Böhle: Mein bisher bestes Jahr. Wer vorher nachdenkt, verpasst ‘ne Menge.
Satyr Verlag, 2016, 12,95 Euro
Am 24. Juni feiert Daniela Böhle Buchpremiere im „Krumulus“ in Kreuzberg. Gäste sind willkommen. Zeit: 16.30 Uhr. Ort: Krumulus Buchhandlung, Galerie und Druckwerkstatt für Kinder, Südstern 4, 10961 Berlin

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