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So klappt es mit dem Flirten

Lächeln, den Blickkontakt suchen: Flirt-Coach Annett Gaida weiß, wie man Kontakte anbahnt. In Berlin berät sie Paare und bietet Flirt-Seminare an

Flirten kann jeder, sagt Flirt-Coach Annett Gaida

Flirten kann jeder, sagt Flirt-Coach Annett Gaida

Foto: privat / BM

Da steht er oder sie – und ist einfach unwiderstehlich. Doch wie spreche ich ihn bzw. sie an? Wie deute ich Flirt-Signale richtig? Darf ich auch flirten, wenn ich vergeben bin? Darüber sprachen wir mit Annett Gaida. Sie ist Coach und Flirt-Expertin in Berlin, berät Singles und Paare und gibt Flirt-Seminare.

Berliner Morgenpost: Frau Gaida, Flirten bedeutet, auf sein Gegenüber zuzugehen. Wie geht das am besten?

Viele Menschen kommen zu mir und sagen: „Ich kann nicht flirten“. Dann frage ich: „Kannst du mit Kindern schäkern?“ Das bejahen sie. Na also! Flirten ist nichts anderes, als jemandem ein Lächeln zu schenken. Für einen kurzen Moment Gesten, Blicke und scherzhafte Worte auszutauschen. So einen Kontakt aufzubauen schafft jeder. Das Problem ist eher, dass es vielen schwer fällt, ihre positiven Gefühle zu zeigen.

Warum?

Weil sie Angst vor Ablehnung und Zurückweisung haben. Das ist ein Schmerz, der manchmal sogar körperlich spürbar ist. Den wollen wir vermeiden. Aber wenn ich etwas möchte, muss ich etwas dafür tun. Das Beste ist, positive Erfahrungen zu sammeln – und das Flirten zu trainieren. Einen Marathon läuft man auch nicht von jetzt auf gleich.

Also dann...wie stellt man es an?

Lächeln, in die Augen gucken – aber nicht länger als drei Sekunden. Die Augen mitlächeln lassen. Dann das Gespräch suchen, von mir aus über das Wetter oder die Abfahrtszeit des Busses. Wichtig sind auch Gesten. Dominanzsignale wie Arme verschränken oder Hände in die Hüften stemmen, das geht bei Männern gar nicht. Sie müssen das Signal senden: Ich bin harmlos, ich bin attraktiv. Und Männer wie Frauen dürfen nicht grenzüberschreitend sein. Das Ganze soll ja Charme haben. Also: Anbaggern ist ein No Go, cool sein auch.

Das klingt aber doch etwas kompliziert...

Das Wichtigste ist das Lächeln! Und der Blickkontakt. Gerade wenn ich zu einer Gruppe stoße, sollte ich erst einmal Blickkontakt zu der Person aufnehmen, die mich interessiert, um zu sehen, ob es überhaupt gerade passt. Männern ist es meist eher willkommen, wenn sich eine Frau zu ihnen gesellt, als andersherum. Übrigens machen Frauen zu 70 Prozent den ersten Kontakt. Männer bekommen das häufig gar nicht mit, sie reagieren erst auf den zweiten Blick.

Apropos Reaktion: Wie deutet man Flirt-Signale richtig, wie geht man damit um?

Frauen machen häufig den Fehler, verschämt wegzugucken, wenn ein Mann Blickkontakt mit ihnen aufnimmt. Die Frau sollte aber deutlich signalisieren, dass sie ihn gesehen hat. Ein Mann runzelt womöglich die Stirn. Davon sollte sich die Frau nicht abschrecken lassen! Wahrscheinlich ist er nur überrumpelt und denkt nach. Die Flirtmimik ist eine Mischung aus Freude und Verlegenheit.

Welche Anhaltspunkte zeigen, dass einen das Gegenüber interessant findet?

Wenn sich zwei Menschen kennenlernen, die sich attraktiv und sexy finden, wandert der Blick häufig zwischen Augen und Mund hin und her. Es gibt ein erhöhtes Augenzwinkern, womöglich Stottern oder Wortwiederholungen oder eine körpersprachliche Nachahmung. Das heißt, dass etwa beide gleichzeitig zum Glas greifen. Auch die sogenannten Selbstberuhigungsgesten sind ein gutes Signal. Männer streichen sich gern den Bart, Frauen spielen mit ihren Haaren. Oder die Objektberuhigung: Damit ist gemeint, dass der oder die andere mit Handy oder Kuli spielt. Schließlich die Fremdberuhigung, wenn sich die Frau bei der Freundin einhakt, der Mann dem Kumpel an die Schulter fasst. Wir machen vieles unbewusst. Wenn wir uns das bewusst machen, können wir Flirtsignale viel besser erkennen.

Was macht man, wenn man an einem näheren Kontakt gar nicht interessiert ist?

Ich finde es wichtig, auf jeden Fall immer zu reagieren, und zwar mit Wertschätzung und Respekt. Das bedeutet, freundlich zu sein und nicht genervt, mit einem Lächeln auf den Lippen „Nein“ zu sagen. Es ist auch erlaubt, auf die Toilette zu verschwinden oder zu sagen: „Na, vielleicht sehen wir uns nachher noch mal wieder.“ Ein Flirt ist unverbindlich, man hat sich nichts versprochen! Und eine Abfuhr sollte man nicht persönlich nehmen. Man weiß ja gar nicht, in welcher Situation der andere gerade ist.

Wie zeigt man, dass man es ernst meint?

Wenn es funkt, will man natürlich nicht drei Jahre bis zum ersten Kuss warten. Aber man muss gut auf die Balance zwischen Nähe und Distanz achten. Viele Menschen bringen schlechte Erfahrungen mit, da muss erst einmal Vertrauen aufgebaut werden. Ich bin mir sicher: Wenn man es ernst meint, dann kann man sich Zeit lassen. Dann kann man dem anderen die Zeit geben, die dieser braucht. Das ist auch ein Zeichen von Respekt. Grundsätzlich ist das Tempo natürlich auch typabhängig. Auch Kultur und Religion spielen eine Rolle.

Darf man eigentlich auch flirten, wenn man vergeben ist?

Ja, natürlich! Wenn ich mit Flirten meine, ein Lächeln zu schenken, ist das im Alltag ganz wunderbar. Man kann die Schwingung eines anderen Menschen aufnehmen, sollte aber nicht mehr erwarten. Flirten bleibt stets locker und leicht. Auch einer bestehenden Beziehung tut Flirten gut. Dem Partner Komplimente machen, lächeln, zuzwinkern: Das hält die Liebe frisch und erneuert das Spiel zwischen Mann und Frau, das wir häufig neben unseren Rollen als Eltern oder Berufstätige vernachlässigen. Ich persönlich finde Flirten schön! Wer im Urlaub an der Hotelrezeption flirtet, bekommt womöglich ein besseres Zimmer. Und wenn es beim Italiener heißt: „Möchten Sie noch einen Espresso, Signora?“, ist das doch viel galanter als ein „Noch’n Kaffee?“

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