Berliner Morgenpost: Könnten die Berliner auch ohne Freiwillige Feuerwehren ruhig schlafen?
Eva Heiser: In einer Großstadt wie Berlin muss eine leistungsfähige Berufsfeuerwehr vorhanden sein. Die Freiwilligen Feuerwehren sind aber eine nicht wegzudenkende Instanz: Gerade in den Randbezirken bewältigen wir alle Einsätze selbstständig und ehrenamtlich neben Beruf, Studium oder Schule. Ganz gleich, ob wir zum Brand, einem Rettungsdiensteinsatz oder einer technischen Hilfeleistung gerufen werden, wir sind 365 Tage 24 Stunden in Alarmbereitschaft und müssen immer auf alles gefasst sein. Unsere Hauptaufgabe ist die Notfallrettung zum Beispiel bei Herzinfarkten, Wespenstichen und Kopfplatzwunden. Circa 80 Prozent unserer Alarmierungen entfallen darauf. Ohne uns könnte die Berufsfeuerwehr das Einsatzaufkommen nicht bewältigen.
Kann diesen Job denn jeder machen?
Eva Heiser: Wer sich in einer Freiwilligen Feuerwehr engagieren möchte, sollte zwischen 18 und 60 Jahren alt sein. Etwas handwerkliches Geschick oder technisches Verständnis sind von Vorteil, aber kein Muss. Ein einwandfreier Gesundheitszustand und eine gewisse Fitness müssen aber vorhanden sein. Jeder Neuling absolviert eine Grundausbildung an der Feuerwehrschule. Bei den Berufsfeuerwehrleuten in Berlin sind die Anforderungen etwas strenger, sie sind in der Regel Beamte des feuerwehrtechnischen Einsatzdienstes und arbeiten im Zwölf-Stunden-Schichtdienst.
Wie hart gesotten muss man für die Einsätze sein?
Eva Heiser: Wir sind ganz normale Menschen. Unsere Zusammensetzung ist bunt: Schüler und Studenten, Handwerker und Bauern, Rechtsanwälte und Beamte. Jeder bringt ganz eigene, oft ungeahnt hilfreiche Eigenschaften mit. „Hart gesotten“ muss man dabei aber nicht sein. Feuerwehr, das heißt nämlich auch Teamwork. Man ist bei uns nie auf sich allein gestellt und passt aufeinander auf. Der Zusammenhalt beim Einsatz schweißt im Alltag ebenso zusammen und lässt Freundschaften entstehen. Für viele ist die Wehr fast eine „zweite Familie“.
Wie sieht es mit Feuerwehrfrauen aus?
Eva Heiser: Grundsätzlich gibt es bei uns nichts, was eine Frau nicht auch könnte. 108 von 1387 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren in Berlin sind Frauen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Helfen großen Spaß macht, und ich kann alle nur ermutigen, es auszuprobieren, egal welches Geschlecht sie haben. Die Zahl der Mädchen in der Jugendfeuerwehr steigt seit einiger Zeit langsam an. Mädchen sind in der Jugendfeuerwehr sehr willkommen, wobei es auch darum geht, bei den Eltern alte Vorurteile abzubauen.
Ist den Kindern bewusst, dass der Feuerwehrdienst auch seelische Belastungen mit sich bringt?
Eva Heiser: Kinder sind von Natur aus neugierig, und das ist auch gut so. Für uns bedeutet das, dass wir sehr behutsam vorgehen, wenn die Kleinen Fragen zu belastenden Einsätzen stellen. Die Kinder machen sich oftmals schon viele Gedanken über die Gefahren. Sich frühzeitig damit zu beschäftigen, hilft aber, um später besser mit einer Belastungssituation umzugehen.
Werden die Kinder- und Jugendfeuerwehren auch schon zu Einsätzen mitgenommen?
Eva Heiser: Nein! Auch wenn vieles schon so ist wie bei den Erwachsenen: Es gibt eine klare Trennung zwischen den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr. In der Kinderfeuerwehr werden Kinder ab acht Jahren spielerisch an die Fragen des Brandschutzes herangeführt. Ältere, erfahrene Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die Kinder ab zehn aufnimmt, können unter strengen Voraussetzungen an einem echten Einsatz teilnehmen. Das gehört aber nicht zum Jugendfeuerwehralltag.





