An manchen Tagen geht es nicht anders. Dann muss Laura mit Papa Gerd Hammes (49) zur Arbeit gehen. Im Hotel Bleibtreu in Charlottenburg kennen alle Mitarbeiter die Fünfjährige mit den großen dunklen Augen und den braunen Locken. Und während ihr Papa als Küchenchef das Kommando an den Töpfen hat, sitzt sie mit am Empfang, begrüßt fröhlich die Gäste, begleitet die Kofferträger, isst ein Stück Kuchen oder malt ein Bild. „Laura findet das immer sehr spannend hier“, sagt Gerd Hammes, „aber trotzdem sind ihre Besuche bei meiner Arbeit eher die Ausnahme.“

Denn eigentlich hat Gerd Hammes den Terminplan von sich und seiner Tochter gut im Griff. Muss er auch. Seit zwei Jahren ist er alleinerziehender Vater, muss Job und Kind unter einen Hut bringen. Laura lebt bei ihm in Schöneberg, besucht alle zwei Wochen für ein Wochenende ihre Mutter. Damit gehört das Familienmodell von Gerd Hammes zu einer kleinen Minderheit. Nur etwas zehn Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland sind Männer. In den allermeisten Fällen bleiben die Kinder im Trennungsfall bei der Mutter.

„Bei uns hat sich das so ergeben“, sagt Hammes. „Ich habe mich schon immer sehr viel um Laura gekümmert. Als Koch habe ich oft erst spät angefangen zu arbeiten, und so habe ich den Tag immer mit Laura verbracht.“ Trotzdem gab es nach der Trennung Streit um das Mädchen. „Das war eine schreckliche Zeit“, sagt Gerd Hammes. „Für uns alle.“ Die Entscheidung, wo Laura leben soll, traf schließlich das Gericht – zugunsten des Vaters. „Ich habe mich natürlich gefreut“, sagt er, „aber es war auch eine enorm große Veränderung.“ Zuerst ging er zum Jugendamt, um eine Tagesmuter zu beantragen. „Die schauten mich ganz groß an. Einen alleinerziehenden Vater mit einem so kleinen Kind hatten sie bis dahin wohl noch nicht“, erinnert er sich. Schnell wurde Gerd Hammes auch klar, dass er seinen Job wechseln musste. Die Arbeitszeiten bis in die tiefe Nacht vertrugen sich nicht mit den Bedürfnissen einer Dreijährigen. Trotzdem wollte der ausgezeichnete Berliner Meisterkoch weiterhin auf hohem Niveau arbeiten. „Das war gar nicht so einfach. Die anspruchsvolle Gastronomie ist doch eher abends“, sagt er.

Straffe Organisation

Erst Anfang des Jahres fand er einen Kompromiss: Als Küchenchef im Hotel Bleibtreu kümmert er sich um das Business Lunch. Statt Burger, Bagel und Sandwich stehen dort jetzt auch Speisen wie Kalbstafelspitz, geschmorte Rinderbäckchen und Grillteller von Edelfischen auf dem Menü. „Natürlich ist meine Tochter an erster Stelle“, sagt er, „aber es tut uns beiden gut, wenn ich einen Job habe, der mir auch Freude macht.“ Der Tag bei Familie Hammes ist straff organisiert. Jeden Morgen um 8.30 Uhr bringt Gerd Hammes seine Tochter in die Kita. Ein Küsschen an der Tür und die Kleine verschwindet im Getümmel. Er geht direkt weiter zur Arbeit. Um 16 Uhr wird Laura von einer Tagesmuter abgeholt. Dort bleibt sie bis 19 Uhr. Schwierig ist es nur, wenn Laura mal krank ist. Oder eine Veranstalung ansteht, bei der er als Koch gebraucht wird. „Dann muss ich kreativ werden“, sagt er.

Zuhause angekommen setzen sich Vater und Tochter erst mal an den Küchentisch und überlegen, was es zum Abendbrot geben soll. „Fischstäbchen und Nudeln mit Käsesoße sind im Moment hoch im Kurs“, sagt der Meisterkoch. Das gemeinsame Essen bedeutet den beiden viel. „Da können wir reden und auch schon mal den nächsten Tag planen.“ Erst wenn Laura schläft, macht sich Gerd Hammes an die Hausarbeit. Er wäscht, räumt auf, ordnet Papiere, schreibt Einkaufszettel. Der Koch lachend: „Zum Glück brauche ich wenig Schlaf. Man kann das schon schaffen. All die alleinerziehenden Mütter müssen das ja auch irgendwie hinkriegen.“

Gerd Hammes will nicht als „Superpapa“ oder „Supermann“ hingestellt werden. Er findet es ganz normal, sein Leben auf seine Tochter einzustellen. „Mir geht es da doch nicht anders als den Müttern, die ihren Job und die Kinder unter einen Hut bringen müssen“, sagt er. „Und darüber redet schließlich auch niemand.“ Manchmal hat er aber doch ein bisschen das Gefühl, ausgegrenzt zu werden. So als Vater unter den vielen Müttern, die mit ihren Kindern auf dem Spielplatz sitzen. „Das ist schon eine ziemlich eingeschworene Gemeinde. Da bekommt man als Vater nur schwer Zugang“, sagt Gerd Hammes. Aber man müsse halt immer Kompromisse machen. Und sich immer wieder klar machen, was wirklich wichtig ist. Gerd Hammes braucht dann nur Laura anzusehen.