Alfred Bröckel, 62, ist Co-Geschäftsführender beim Verein Geburt und Familie, der praktische Hilfen bei der Kindererziehung anbietet. Mit ihm sprach Sören Kittel.
Berliner Morgenpost: Welches ist das größte Problem, wenn sich familienfremde Personen um Kinder kümmern?
Alfred Bröckel: Die Hauptsache ist, dass Vertrauen entsteht. Dazu muss die Auswahl der Personen sorgfältig sein. Aus dem Alltag der Beratung weiß ich, dass alle, die auch allein mit den Kindern umgehen, überprüft werden müssen. Auch bei uns müssen alle 17 ehrenamtlich Tätigen ein Führungszeugnis vorlegen. Wir schauen uns die Leute genau an, das müssen auch die Paten-Vermittlungsagenturen leisten.
Berliner Morgenpost: Wie wichtig ist die Kontrolle der Eltern?
Alfred Bröckel: Die Eltern bleiben die Sorgeberechtigten und damit in der Verantwortung. Der Pate kann nur eine Unterstützung sein für die Familie.
Berliner Morgenpost: Kann ein männlicher Pate einen fehlenden Vater ersetzen?
Alfred Bröckel: So weit würde ich nicht gehen, aber auch aus meiner Erfahrung ist es sinnvoll, gerade bei alleinerziehenden Müttern eine männliche Bezugsperson zu haben. Jungen sind häufig in Schule, Kindergarten und Hort von Frauen umgeben. Da hilft es, wenn sie einfach ein männliches Lebensmodell haben, auch um Kräfte zu messen.
Berliner Morgenpost: Was ist, wenn Pate und Eltern aus anderen Schichten kommen? Sehen Sie darin eine Chance oder eine Gefahr?
Alfred Bröckel: Eindeutig eine Chance. Ich ziehe das "Bridging" dem "Bonding" vor. Bonding bedeutet, dass sich Menschen mit gleichen Problemen helfen, was schnell zum "Kochen im eigenen Saft" führen kann. Bridging, also das Zusammenschließen über Grenzen hinweg, kann viel mehr bringen. Menschen, die nicht in der gleichen Lebenslage sind, können sich oft sehr gut ergänzen. Auch der sozial Stärkere kann an den Erfahrungen wachsen.
Berliner Morgenpost: Können Paten in der Pubertät helfen?
Alfred Bröckel: Aus meiner Erfahrung haben es selbst die besten Eltern schwer, zu ihren Kindern durchzudringen. Gerade dann können Paten eine Erleichterung sein, wenn sie zur Verfügung stehen, als Zuhörer für die Eltern und Kontaktalternative für das pubertierende Kind - solange sie das aushalten können.

