"Es gibt keine starken äußeren Zwänge mehr, so wie früher, die ein Zusammenbleiben erforderlich machen", sagt sie. Damit eine Beziehung über lange Zeit gelingt, ist vor allem gegenseitiger Respekt nötig. "Dazu gehört auch Abstand voneinander", sagt sie. Etwa dadurch, dass man sich eigene Interessen bewahrt und eigene Freunde. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass man den Partner nicht dafür verantwortlich macht, die eigenen Bedürfnisse zufrieden zu stellen. "Sonst kann es viele böse Auseinandersetzungen geben." Etwa durch Vorwürfe wie: "Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du das und das tun oder dich so und so verhalten." Aus diesen Vorwürfen kann Verachtung werden, wenn der Partner sich eben nicht so verhält wie gewünscht. "Jeder soll die Verantwortung für sein eigenes Leben behalten und nicht dem anderen zuweisen", sagt Sabine Deitschun. "Man kann einen anderen auch mögen, wenn er Schwächen zeigt."

Beziehungen scheitern aus Sicht der Therapeutin oft daran, dass sie durch alte Verstrickungen und Kindheitserfahrungen überfrachtet werden. "Etwa, wenn jemand als Kind erfahren hat, dass er nicht geliebt, nicht wertgeschätzt wird." Diese Erfahrung könne wie eine Spur sein, wie eine Loipe, in die derjenige auch in der Partnerschaft zurückkehre. Etwa mit der Einstellung: "Ich wusste es schon immer, ich werde nicht geliebt." Dann kann zum Beispiel eine Paar-Therapie helfen.

Sabine Deitschun empfiehlt aber auch etwas anderes. "Man kann sich eine Stunde in der Woche Zeit nehmen, um einander einfach nur von sich zu erzählen - ohne Vorwürfe, ohne Besserwisserei." Das könne so ablaufen, dass einer beginnt und eine Viertelstunde lang redet und der andere nur zuhört. Der ist in der nächsten Viertelstunde mit dem Erzählen dran. Und nach diesen 15 Minuten wird erneut getauscht. "In dieser Zeit könnte man nur über sich sprechen, was man erlebt hat und wie man sich fühlt."

Frei von Krisen und Gefahren wird eine Ehe wohl nie sein. Sie könne auch nach Jahrzehnten noch scheitern, meint die Therapeutin, weil das Paar immer neue Phasen durchlaufe. Nach dem Kennen lernen folgt eine Zeit der Stabilisierung der Beziehung. Routine zieht ein. Dann kommen Kinder. Eines Tages sterben die eigenen Eltern. Die Kinder gehen aus dem Haus. Schließlich beginnt die Zeit des Rentnerdaseins. Und sie bringt eine neue Herausforderung: Wie geht man mit der Freizeit um?