Regenbogenfamilien

Homosexuelle Väter und Mütter müssen sich ständig neu outen

Wie verarbeiten Familien das Coming Out eines Elternteiles? Wer hilft den Betroffenen? Darüber sprach Lennart Paul mit Constanze Körner, Projektleiterin für Regenbogenfamilien des Bildungs- und Sozialwerkes Berlin beim Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.

Berliner Morgenpost: Frau Körner, vor welchen Schwierigkeiten stehen Väter oder Mütter, die entdecken, dass sie schwul oder lesbisch sind?

Constanze Körner: Väter und Mütter müssen ihr Coming Out für sich selbst verarbeitet haben. Das ist wichtig, denn sie müssen sich ständig wieder neu outen. Zum Beispiel im Kindergarten, wenn sie den Erzieherinnen erklären müssen, dass nun zwei Väter oder Mütter berechtigt sind, das Kind abzuholen. Auch die Familien, die ehemaligen Partner, die Kinder und die Eltern, haben ganz andere Erwartungen, die nun plötzlich enttäuscht werden. Und natürlich hatten die Betroffenen auch jahrelang ganz andere Erwartungen an sich selbst und ihr Leben.

Berliner Morgenpost: Wie häufig passiert es, dass Mütter oder Väter sich outen?

Constanze Körner: Noch vor zehn Jahren machte das einen großen Teil unserer Beratung aus. Heute sind Anrufe von lesbischen Müttern und schwulen Vätern, die in heterosexuellen Beziehungen leben, eher selten. Die Bedingungen haben sich in den vergangenen Jahren verbessert, Die meisten Lesben und Schwulen in Berlin haben ein größeres Selbstbewusstsein entwickelt und erleben ihr Coming Out viel früher.

Berliner Morgenpost: Melden sich bei Ihnen mehr Frauen oder mehr Männer zu diesem Thema?

Constanze Körner: Eindeutig mehr Frauen, das ist aber bei allen Fragestellungen so. Frauen fällt es immer noch leichter, Hilfe anzunehmen und sich beraten zu lassen.

Berliner Morgenpost: Bei wem leben später meist die Kinder?

Constanze Körner: In der Mehrzahl bei den Müttern. Dabei spielt in Berlin nach meiner Einschätzung die sexuelle Identität keine Rolle mehr. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem eine lesbische Mutter aus diesem Grund das Kind nicht zugesprochen bekam.

Berliner Morgenpost: Ist es wirklich für die Kinder völlig unproblematisch, bei zwei Müttern oder Vätern aufzuwachsen?

Constanze Körner: In Berlin gibt es gute Bedingungen für Lesben, Schwule und deren Kinder. Natürlich erleben Kinder vereinzelt auch Diskriminierungen, aber wir hören davon immer seltener. Es ist aber auch möglich, dass die Jugendlichen niemandem davon erzählen, wenn es auf dem Schulhof oder unter Freunden Probleme gibt.

Berliner Morgenpost: Wohin können sich Betroffene wenden?

Constanze Körner: Im Internet finden sie das Projekt Regenbogenfamilien des Lesben- und Schwulenverbandes unter www.regenbogenfamilien.de, dort findet sich auch die Initiative lesbischer und schwuler Eltern, Ilse. Ich selbst berate unter der Berliner Telefonnummer 22 50 22 18. Für Kinder gibt es außerdem die Möglichkeit, miteinander im Internet zu chatten: jeweils mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr unter www.kids.lsvd.de

Berliner Morgenpost: Und wer hilft Vätern und Müttern, deren Partnerin oder Partner sich geoutet hat?

Constanze Körner: Natürlich helfen auch alle Familienberatungsstellen weiter, um mit dieser Situation fertig zu werden. Es gibt aber auch ein Forum für die Angehörigen von Schwulen und Lesben, das sich unter folgender Internetadresse findet: www.befah.de