Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Baby und Familie" fand heraus, dass die Hälfte der Bundesbürger (51 Prozent) die Erkrankung nicht wirklich ernst nimmt. Die GfK Marktforschung Nürnberg befragte hierfür 2065 Männer und Frauen ab 14 Jahren.

Experten warnen allerdings davor, die Erkrankung auf die leichte Schulter zu nehmen. ADHS sei durchaus keine "moderne Zivilisationskrankheit", so Dr. Christa Kappler und Professor Dr. Dietrich Reinhardt von der Haunerschen Kinderklinik in München. Einzelne Kinderärzte hätten hyperaktive Kinder schon im 19. Jahrhundert behandelt. Allerdings wurden den Medizinern zufolge die entscheidenden Erkenntnisse über die Störung erst in den vergangenen 15 Jahren gewonnen, die Bezeichnung ADHS setzte sich durch, und die Medien berichteten vermehrt über das Thema. Eine echte Zunahme der Krankheit hingegen lasse sich aber nicht nachweisen. Es werde aber vermutet, dass in unserer heutigen Gesellschaft mit ihren erhöhten Anforderungen an den Einzelnen und ihrer medialen Reizüberflutung das ADHS deutlicher zutage trete.

In Deutschland leiden nach Informationen Kapplers und Reinhardts etwa fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen - Jungen deutlich häufiger als Mädchen - unter ADHS. Das sind also insgesamt etwa 500 000 Betroffene. Durchschnittlich befindet sich in jeder Schulklasse ein Kind mit ADHS. Etwa 100 000 Kinder, also rund ein Fünftel der Betroffenen, werden bisher mit Medikamenten behandelt.

LR