Emil kommt vom Land und reist allein per Bahn in die Hauptstadt zu Oma und Tante in der Schumannstraße 7. Das findet Linus spannend, denn in diesen Ferien wird er mit elf Jahren zum ersten Mal allein fliegen. Emil hat Pech, ihm wird im Zug das Reisegeld geklaut, dann steigt er am falschen Bahnhof aus. "Einfach schrecklich", findet Linus. Allein in fremder Stadt, ohne Geld - und ohne Handy. Das gab's noch nicht, als Kästner 1929 seine Geschichte schrieb. Zum Glück lernt Emil eine Bande kennen, mit der er die Verfolgung aufnimmt, quer durch die City.
Die Plätze und Straßen gibt es heute noch, man kann auf den Spuren Emils den Roman ablaufen. Vom Bahnhof Zoo geht es zum Hotel des diebischen Mannes mit dem steifen Hut am Nollendorfplatz. Im Roman heißt es "Hotel Kreid" und liegt in der Motzstraße 7. Auch das Hotel gibt es noch, es sieht fast so aus wie auf der Zeichnung im Buch. Die Herberge heißt "Sachsenhof", aber der Wirt wollte damals nicht, dass im Buch steht, bei ihm übernachten Diebe. Linus steigt auf der Suche nach Zimmer 62, in dem der Schurke wohnte, die Treppen hoch und kommt sich vor wie Emil. Der suchte einen Verbrecher, Linus die Spuren einer Geschichte. "Das Buch ist mal witzig, mal altmodisch", sagt Linus und meint mit "altmodisch" Ausdrücke wie "Schupo" für Polizist. Aber er findet auch: "Die Jungs waren sehr selbstständig, ganz allein durch Berlin zu ziehen." Und, löst Emil den Fall? "Selbst lesen!", sagt Linus.
Erich Kästner: Emil und die Detektive, Dressler, 12 Euro
tom

