Digitale Medien

Lernen mit Computer und Konsole - Wie findet man das richtige Programm?

Computer und Spielkonsolen genießen nicht den allerbesten Ruf, wenn es ums Lernen geht. "World of Warcraft", Playstation & Co. stellen meist eher eine Ablenkung als eine Lernhilfe dar. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein.

Mittlerweile gibt es eine große Auswahl von Lernprogrammen für nahezu alle Altersstufen und Fächer. Doch wie findet man das geeignete Programm? Wie vermeidet man Fehlkäufe, die dann im Regal verstauben? Und wie setzt man Lernsoftware richtig ein?

Das Gros der Lernprogramme setzen elementare Lesekenntnisse voraus. Obwohl es durchaus auch schon spezielle Lern- und Spielkonsolen für Kleinkinder gibt, richten sich die meisten von ihnen an Kinder und Jugendliche ab dem Grundschulalter. Vor allem jüngere Kinder sollten bei der Benutzung der Software wie bei den "richtigen" Hausaufgaben von Erwachsenen angeleitet und begleitet werden.

Das setzt natürlich voraus, dass sich die betreuenden Personen selbst mit dem jeweiligen Programm auseinandersetzen. An erster Stelle steht die Wahl der Plattform. Da in den meisten Haushalten mindestens ein PC vorhanden ist, wird das wohl in der Regel ein stationärer oder mobiler Computer sein. Er sollte so eingerichtet sein, dass er für die Benutzung durch Kinder geeignet ist. Anleitungen dazu findet man im Internet unter dem Stichwort "kindgerechter PC". Als Lernplattform bietet sich aber auch die mobile Spielkonsole "DS" von Nintendo an. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge fördert das mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm und einem Mikrofon ausgestattete Gerät die Koordination zwischen sinnlicher Wahrnehmung, Gehirn und Hand. Das erhöht die Merkfähigkeit und damit den Lernerfolg. Darüber hinaus werden auch die motorischen Fähigkeiten geschult. Die Eingabe per Hand und Stift kommt besonders jüngeren Kindern entgegen, die die komplexe Steuerung mit PC-Tastatur und Maus noch überfordert.

Bleibt die Frage, wie man die richtigen Programme findet. Am besten natürlich durch Ausprobieren. Das ist im Falle von im Fach- oder Buchhandel gekaufter Software natürlich nur bedingt möglich. Die Hersteller bieten auf ihren Webseiten aber häufig Demoversionen zum Download an. Auch das Ausleihen von Freunden oder über die Multimediaabteilungen der Bibliotheken sind Möglichkeiten, sich die Programme vor dem Kauf einmal anzusehen.

Orientierungshilfen gibt es auch bei Feibel.de, der Webseite des Berliner Büros für Kindermedien und bei Internet-abc.de, einer werbefreien Ratgeberseite verschiedener Landesmedienanstalten. Ein Archiv empfehlenswerter Lernsoftware samt Expertentests findet sich unter der Internet-Adresse www.internet-abc.de/eltern/lernsoftware-liste.php .

Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass die verwendete Hardware den auf der Packung genannten Systemvoraussetzungen entspricht. Zu beachten ist besonders die ebenfalls auf der Verpackung angegebene Alterseinstufung. Das Hauptmenü sowie die Einteilung des Stoffes sollten klar strukturiert sein, damit sich Kinder auch selbstständig darin zurechtfinden. Die Aufgaben sollten abwechslungsreich sein und den Kindern Lösungshilfen anbieten, wenn sie einmal nicht weiterkommen.

Häufig enthalten die Programme Minispiele zur Belohnung für Lernerfolge. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, da sie dazu beitragen können, die Motivation aufrechtzuerhalten. Sie sollten jedoch möglichst einfach gehalten sein, um nicht dauerhaft von der Beschäftigung mit den eigentlichen Lerninhalten abzulenken. Denn dann könnte man ja auch gleich ein Computerspiel einlegen.

Der Verfasser ist Fachautor für digitale Medien und Jurymitglied beim jährlich vergebenen Deutschen Kindersoftwarepreis "Tommi"

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