Schauspieler Franz Dinda spricht über seinen Stiefvater, die Liebe und seinen neuen Film „Westwind“

Lässig kommt Schauspieler Franz Dinda um die Ecke: weißes Hemd, schwarzer Hut, charmantes Lächeln, Dreitagebart. Im Café „Florian“ am Heinrichplatz bestellt er einen Milchkaffee. Nur wenige Stunden vor der Premiere seines neuen Films „Westwind“ im Kino am Friedrichshain ist er erstaunlich entspannt. „Für mich war der Dreh zu ,Westwind‘ eine Reise in die Vergangenheit“, sagt er. Absurderweise stand er aber auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs. „Als einziger Ostdeutscher in dem Film spiele ich einen Westdeutschen.“

„Westwind“ erzählt anrührend und direkt die Geschichte von zwei Zwillingsschwestern aus der ehemaligen DDR, die 1988 ihren Sommerurlaub am ungarischen Balaton-See verbringen. Eine der beiden verliebt sich in den Westjungen Arne (Dinda) und lässt sich unter der Hutablage seines Autos in den Westen schleusen. „Ich habe den originalen Arne leider nie getroffen“, so Dinda. Er konnte sich aber trotzdem gut in seine Situation versetzen.

Ein halbes Jahr vor dem Mauerfall ist auch Franz Dinda in den Westen gekommen. Und auch in seinem Fall ging es um eine romantische Geschichte. „Ich habe die Figur des Arne an meinen Stiefvater angelegt. Auch er kam in seinem Urlaub von der Bundesrepublik in DDR gereist, verliebte sich in meine Mutter. Wir sind dann zusammen per Ausreisantrag in den Westen“, sagt Dinda. Damals war er sechs. „Für mich war mein Stiefvater ein Held“, so der 28-Jährige. Weniger begeistert ist er von der Flut an Filmen über die DDR. „Ich denke, dass viele bei dem Thema DDR schon etwas überdrüssig sind – ich inklusive. Entweder wird die DDR zum Dackel der Bundesrepublik hochstilisiert oder das Thema Stasi wird überdramatisiert.“ Gute Filme zu dem Thema gebe es selten.

Generell beschäftigt sich der gebürtige Jenaer bevorzugt viel mit den Themen Liebe und Romantik; er ist aber mit dem, was in dieser Hinsicht im Fernsehen angeboten wird, ebenfalls eher kritisch. „Im Film wird Romantik häufig entweder im Kitschbereich angesiedelt, oder es werden Plattitüden abgearbeitet. Eine so wahrhaftige Liebesgeschichte wie ,Westwind‘ sieht man nicht oft“, sagt Dinda. Im vergangenen Jahr kam sein Bilder-Reimbuch über Liebe raus. Ganze fünf Jahre arbeitete er neben der Schauspielerei an seinen Gedichten und der Illustration. „Es ist ausverkauft“, sagt Dinda nicht ohne Stolz. Nun soll es den zweiten Liebesakt geben: „Romantik ist der rote Faden in meinem Schaffen. Nach dem Buch kommt jetzt die Bühneninszenierung im Heimathafen mit Anna Thalbach dazu.“ Am 2. November soll Uraufführung sein, 2012 folgt dann die Deutschlandtour. Und sein reales Liebesleben? Dinda schweigt. „Kein Kommentar“, sagt er nur. Reale Romantik brauche keine Öffentlichkeit.