Nach 55 Jahren in Hamburg ist das renommierte Klassik-Label "Deutsche Grammophon" zurück nach Berlin gezogen. Etwa 45 Mitarbeiter arbeiten nun am Osthafen in Friedrichshain. Morgenpost Online hat das Label besucht.
Das Gelb ist kräftig wie ein Paukenschlag. Die zum Markenzeichen avancierte Farbe der Deutschen Grammophon kleidet die kleine Wendeltreppe. Sie führt vom eher unspektakulär gestalteten Foyer des Universal-Gebäudes an der Spree zur modernen Zentrale des traditionsreichen Klassik-Labels. Gleich im ersten Stock des Domizils des Mutterkonzern Universal Music Deutschland am Osthafen, hat das weltweit erfolgreichste Label für Klassikmusik kürzlich seinen neuen Sitz bezogen .
Die nach eigenen Angaben „Global Player“ agieren jetzt mitten im kreativen Umfeld des Mediaspree genannten Areals in Friedrichshain. Dort sind, wie es heißt, „etwa 45 Mitarbeiter“ der Deutschen Grammophon beschäftigt. Das Unternehmen hatte bereits von 1900 bis 1956 seinen Sitz in Berlin, bevor es dann 55 Jahre lang in Hamburg beheimatet war.
Engere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens
„Mit dem Umzug nach Berlin schaffen wir die organisatorischen Voraussetzungen für eine noch engere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und sichern damit den zukünftigen Erfolg des größten, traditionsreichsten und renommiertesten Klassik-Labels der Welt“, begründet Frank Briegmann den Standortwechsel an die Spree. Der Präsident der Universal Music Deutschland, Österreich, Schweiz und Deutsche Grammophon bemüht große Worte: Er schätzt die Hauptstadt als „offene Weltmetropole und als ein Kreativzentrum von globaler Bedeutung“.
Der 44-Jährige schwärmt geradezu von der Schlagkraft der hiesigen Klassikszene – „zehn renommierte Orchester, zwei große Konzerthäuser, vier Opernhäuser, etwa tausend Orchestermusiker, hundert klassische Ensembles und 880 Chöre beweisen, wie groß und lebendig diese Szene in der Hauptstadt ist“. Beste Bedingungen für die Arbeit des Klassiklabels, wie Briegmann meint. „Hier startet die weltweite Suche nach immer wieder neuen und innovativen Künstlern, hier sitzen die verantwortlichen Manager, und hier werden Vermarktungsstrategien entworfen“, fasst Briegmann die wichtigsten Arbeitsbereiche des Unternehmens zusammen. Management mit Blick auf die Spree.
Diese Aussicht genießen zumindest die meisten Mitarbeiter. Selbst viele, deren Büros an der Seite zur Stralauer Allee liegen. Die Designer der neuen Firmenzentrale, das Berliner Büro „Pott Architects“, realisierten modernen Durchblick. „Wir haben die Etage offen und durchlässig konzipiert, indem wir für die Trennwände der Büros zu den Mittelfluren beispielsweise Glas wählten“, sagt Carsten Czaja, Projektleiter im Team von Ingo Pott.
Das Spiel mit verschiebbaren Wänden
Der Architekt weist auf „einen ganz wichtigen Teil der Gestaltung“ hin – das Spiel mit verschiebbaren Wänden. Auf ihnen werden die mehr als 100-jährige Geschichte des Traditionsunternehmens und ihre Künstler gewürdigt. Originalpartituren, historische wie aktuelle Fotos und Auszeichnungen sollen die Historie der Deutschen Grammophon für Mitarbeiter und Gäste erlebbar machen.
Bereits vor dem Entree zur 1500 Quadratmeter großen Unternehmenszentrale erinnert ein riesiges Foto an den Star-Dirigenten Herbert von Karajan. Der 1989 verstorbene Maestro ist nur einer der Größen, die von der Deutschen Grammophon nun in ihrem Eingangsbereich geehrt werden. Ob Dirigenten wie Claudio Abbado oder Daniel Barenboim, Solisten wie Anne-Sophie Mutter – die Liste mit Künstlern, die bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag stehen, ist lang und reicht weit zurück. So wurde bereits 1902 eine erste Aufnahme des später weltbekannten Tenors Enrico Caruso veröffentlicht.
60 Millionen Jahresumsatz
Mit etwa 60 Millionen Jahresumsatz, davon ein Großteil in den USA, Japan und Frankreich, gilt die Deutsche Grammophon derzeit als Marktführer im Klassikbereich. Laut Briegmann soll die Firma auch in Berlin unabhängig bleiben.
Berlin ziehe Künstler und Kreative aus der ganzen Welt an, sagt ihr Präsident. Diese schöpferisch produktive, internationale Atmosphäre sei das ideale Umfeld, um Trends und neue kreative Strömungen zu erkennen, etablierte Musiker zeitgemäß zu beraten und junge Talente möglichst früh zu entdecken und zu fördern.


