Wäre ein Busfahrer im September 2023 mit 38 statt mehr als 70 km/h auf einer Landstraße in Brandenburg unterwegs gewesen, könnte Paul (14) heute noch leben. Zu diesem Ergebnis kam ein Gutachter im Prozess, der am Freitag mit einer Verurteilung endete. Enrico D. erhielt sechs Monate auf Bewährung, berichtet die „Märkische Allgemeine Zeitung“.

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Tödlicher Unfall: Busfahrer bei Kremmen mit mehr als 70 km/h unterwegs

Irgendwie versuchen abzuschließen, das eigene Trauma verarbeiten – aus diesen Gründen waren auch die Eltern von Paul beim Urteilsspruch im Gericht anwesend und traten als Nebenkläger auf. „Wir wollten feststellen, was an diesem Tag wirklich passiert ist“, zitierte die „MAZ“ den Vater von Paul. Auch wenn das nichts ändere, „es ist eine Tragödie“.

Wie ein Gutachter vor Gericht verdeutlichte, war der Busfahrer an einer Haltestelle bei Kremmen (Landkreis Oberhavel) mit 71 bis 74 km/h unterwegs und fuhr den Teenager an, der dabei tödlich verletzt wurde. Per Rettungshubschrauber kam Paul nach dem Zusammenstoß in die Charité nach Berlin. Doch die Verletzungen waren zu schwerwiegend. Er verstarb wenig später. Wäre der Busfahrer 39 km/h oder langsamer gefahren, wäre Paul nichts passiert, hatte der Anwalt der Eltern vor Gericht erklärt.

Gutachter vor Gericht widerlegt Ergebnis der Unfallkommission

Am Ende war dieses Gutachten entscheidend, denn zuvor hatte eine Verkehrsunfallkommission nach einem Ortstermin an der Unglücksstelle erklärt, dass weder eine Geschwindigkeitsreduzierung noch ein Überholverbot den Unfall hätte verhindern können. „Das war unserem Sohn gegenüber sehr unfair. Deshalb war es für uns wichtig zu sehen, wie es wirklich war. Unser Sohn war nicht der alleinige Schuldige“, sagte der Vater von Paul gegenüber der „MAZ“.

Die Familie will nun prüfen, ob sie zivilrechtlich gegen die OVG (Oberhavel Verkehrsgesellschaft) vorgeht. Das Geld will die Familie spenden. Vielleicht für einen Fußballverein. Paul war leidenschaftlicher Fußballer.