Henner Grote vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg ist noch immer fassungslos, wenn er an den Einsatz am 29. Oktober in Nauen (Havelland) zurückdenkt. „Das ist das größte Labor, das ich in meiner über 30-jährigen Zeit bei der Drogenfahndung gesehen habe“, sagt Grote. Und er könnte dazusetzen: wohl auch das ekligste.

Seit Mai 2025 war das Zollfahndungsamt den Tätern auf der Spur. Bei dem mit Unterstützung der Bundespolizei und der Landespolizeien Berlin und Brandenburg durchgeführten Zugriff entdeckten die Ermittler in einer 500 Quadratmeter großen Lagerhalle nach und nach große Mengen an Kanistern aller Größen und mit bislang noch unbekannten Chemikalien gefüllte offene Wannen.

Drogenlabor in Nauen
Ein Mitarbeiter des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg bei der Entsorgung von Chemikalien im Nauener Drogenlabor© -/Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg | -

Drogen bei der Herstellung „massiv verunreinigt“

Die erzeugte Droge ist eine in der Partyszene beliebte Substanz mit der Bezeichnung 3-CMC und 4-CMC. Chemisch handelt es sich um die Stoffe Clophedron (3-Chlormethcathinon) und Clephedron (4-Chlormethcathinon). Sie gehören zu den sogenannten synthetischen psychoaktiven Drogen, und letztlich zur Gruppe der Amphetamine. Sie sollen aufputschend, angstlösend und enthemmend wirken.

Bei der Herstellung im Panscher-Labor von Nauen habe es „massive Verunreinigungen“ zwischen Müll und Chemikalienresten gegeben, erklärt Christian Lanninger, Sprecher der Zollfahndung Berlin-Brandenburg. „Mir tut der Konsument leid, der dieses Zeug verkauft bekommt“, so Lanninger weiter.

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Die Entsorgungsarbeiten nahmen sechs Tage in Anspruch und sind nun fast abgeschlossen. Die flüssigen Chemikalien seien in den Wannen in einer Art Drogenküche, wie man sie etwa aus US-Serien und Spielfilmen kennt, von den Drogenmixern zusammengerührt worden. Nach vier bis fünf Tagen bildeten sich aus den Grundstoffen Kristalle, die dann abgeschöpft, getrocknet und zermahlen wurden. Durch austretende Dämpfe erlitten drei Beamte am ersten Einsatztag leichte Verätzungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

In dieser Lagerhalle in Nauen wurden die synthetischen Drogen hergestellt.
In dieser Lagerhalle in Nauen wurden die synthetischen Drogen hergestellt.© Getty Images | Sean Gallup

Spezialfirma musste Chemikalien entsorgen

In der Folge machten sich die Fahnder, unterstützt von Kräften des Katastrophenschutzes, der freiwilligen Feuerwehren Havelland und Märkisch-Oderland, von Chemikern des Bildungs- und Wissenschaftszentrums sowie Kräften des Technischen Hilfswerks, ans Aufräumen. Die Halle wurde fachgerecht geleert, die darin befindlichen Stoffe in ein Zwischenlager gebracht. Zur Räumung wurden insgesamt zwölf Container benötigt, teilweise mussten Chemikalien durch eine spezialisierte Firma entsorgt werden.

Die Zollfahndung wolle nun mit Hilfe von Chemikern feststellen, wie viel Rauschgift dort aus den gefundenen Chemikalien hergestellt wurde. Allein die beschlagnahmten 400 Kilogramm entsprechen bei einem Verkaufspreis von 12 bis 15 Euro pro Gramm einem Wert von mehr als vier Millionen Euro im illegalen Handel. 

Bei der Entsorgung mussten zwingend Schutzanzüge und Atemschutzmasken getragen werden.
Bei der Entsorgung mussten zwingend Schutzanzüge und Atemschutzmasken getragen werden.© Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg | Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg

Zwei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft

Zwei verdächtige Männer aus Polen und der Ukraine – 41 und 50 Jahre alt – sitzen in Untersuchungshaft. Sie wohnten in Räumen neben den Hallen mit den Drogen, sollen das Labor am Stadtrand von Nauen, rund 40 Kilometer von Berlin entfernt, laut den Fahndern aber nicht allein betrieben haben. In den Wohnräumen wurden 200.000 Euro in bar gefunden.

Die Zollfahndung hatte am vergangenen Mittwoch nach einem Hinweis zugeschlagen. Nach Komplizen und Hinterleuten werde weiter gefahndet. Die Zollfahndung ist für den Fall zuständig, weil die Stoffe aus dem Ausland kamen und es einen direkten Grenzbezug gebe, so der Sprecher. Im Gegensatz zu den Polizeibehörden der Bundesländer könne auch bundesweit ermittelt werden.

tok mit dpa