Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) hat die Zerstörung eines Gedenkorts zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen scharf verurteilt. In einem Instagram-Beitrag zeigte sie sich am Donnerstagnachmittag „betrübt und schockiert“, dass der von einer privaten Initiative errichtete Ort geschändet und zerstört worden sei.
Laut Polizei hatten mehrere bislang unbekannte Jugendliche am Mittwochabend an dem Gedenkort am Bassinplatz Bücher angezündet. Die Scheiben der umgebauten Telefonzelle, die als „Bibliothek der verbrannten Bücher“ dient, waren zersplittert. Auch Literatur aus der Installation wurde in Brand gesetzt.
Gedenkort in Potsdam zerstört: Bürgermeisterin ruft zur Zivilcourage auf
Aubel rief dazu auf, wachsam zu bleiben: „Lasst uns da gemeinsam aufmerksam sein, auch einschreiten, wenn wir sowas feststellen, natürlich ohne sich selbst zu gefährden.“ Sie kündigte an, zeitnah mit der Initiative sprechen zu wollen. Die Polizei prüft, ob die Tat politisch motiviert war.
Der Gedenkort im historischen Stadtzentrum war 2024 entstanden – als Mahnmal für die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten im Mai 1933. Schon im vergangenen Jahr hatte die Polizei dort wegen verbrannter Bücher ermittelt. Damals wie heute erinnert das Denkmal an Autorinnen und Autoren, deren Werke als „undeutsches Schrifttum“ galten – darunter Bertolt Brecht, Erich Kästner, Anna Seghers, Alfred Döblin, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky.
bm/dpa


