Nahverkehr

Alstom verkauft Regionalzug-Sparte aus Hennigsdorf

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Alstom hat Anfang des Jahres den Zughersteller Bombardier übernommen und damit auch mehrere Produktionsstandorte.

Alstom hat Anfang des Jahres den Zughersteller Bombardier übernommen und damit auch mehrere Produktionsstandorte.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Bisher arbeiten 200 Mitarbeiter in Hennigsdorf in der Produktion von Talent-3-Zügen. Sie sollen trotz des Verkaufs am Standort bleiben.

Hennigsdorf. In Hennigsdorf werden künftig keine Regionalzüge vom Typ Talent 3 mehr gefertigt. Wie Bahnhersteller Alstom am Mittwoch mitteilte, gehe die Talent-3-Regionalzugplattform – also die entsprechenden Eigentumsrechte, Planungsunterlagen und Software – an die spanische Unternehmensgruppe CAF. Der Konzern ist bereits weltweit tätig, hat Produktionsstätten in sieben Ländern und werde nun seine Aktivitäten im deutschen und mitteleuropäischen Markt verstärken, hieß es.

Das französische Unternehmen Alstom hatte Anfang des Jahres den Zughersteller Bombardier Transportation übernommen, zudem unter anderem auch der Produktionsstandort in Hennigsdorf gehörte. Insgesamt arbeiten dort mehr als 2000 Personen, davon bislang rund 200 in der Produktion der Talent-3-Regionalzüge. Wie ein Alstom-Sprecher auf Anfrage der Berliner Morgenpost betonte, würden aber trotz des Verkaufs alle Produktionsmitarbeiter in Hennigsdorf bleiben, auch der Standort bestehe wie bisher fort. „Wir haben keine Produktionshalle verkauft“, sagte er. Lediglich 25 Ingenieure würden auf freiwilliger Basis zu CAF wechseln.

Alstom: Hennigsdorf bleibt relevanter Standort

Um die Zukunft des gesamten Brandenburger Standorts hatte es in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen gegeben. Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge hatte im Interview mit der Berliner Morgenpost im Sommer zwar gesagt, dass in die Stätte investiert werde, zugleich aber erklärt, dass die Zahl der Beschäftigten auch vom Erfolg bei laufenden Ausschreibungen – wie für die S-Bahn in Berlin – abhänge. Der Alstom-Sprecher sagte nun, Hennigsdorf bleibe für den Konzern relevant. Der Fokus werde weiter auf Entwicklung, Design und Wartung von Zügen gelegt.

Dass die Regionalzug-Sparte aus Hennigsdorf verkauft werden soll, war schon mit der Bombardier-Übernahme durch Alstom klar: Denn die EU-Kommission hatte die Fusion nur unter der Voraussetzung freigegeben, dass Alstom einige Unternehmensteile verkauft. Neben der Talent-3-Plattform gehen deshalb auch das Bahnwerk im elsässischen Reichshoffen sowie die Plattform der Coradia-Polyvalent-Züge – ebenfalls Regionalbahnen – an CAF. Zuvor war auch mit dem tschechischen Unternehmen Skoda Transportation intensiv verhandelt worden, die Gespräche hatten jedoch zu keinem Abschluss geführt.

Noch stehe der Verkauf aber unter Vorbehalt, teilten Alstom und CAF mit. Die Übernahme unterliege dem Abschluss von Sozialvereinbarungen, Beratungen mit Arbeitnehmervertretungen und behördlichen Genehmigungen. Der Vollzug wird demnach zwischen April und September 2022 erwartet.