In Krankenzimmern einer Station des Oberlinhauses an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Potsdam-Babelsberg sind am Mittwoch vier Menschen getötet worden. Eine Frau wurde schwer verletzt. Eine 51 Jahre alte Mitarbeiterin der Einrichtung des Oberlinhause wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Wir erklären, was wir bisher über den Fall wissen. Über die aktuellen Entwicklungen berichten wir hier.

Polizisten stehen vor dem Eingang.
Polizisten stehen vor dem Eingang.© Peise | Unbekannt

Vier Tote in Potsdamer Oberlinhaus: Was wir bisher wissen

  • Was ist passiert? Am Mittwochabend, 28. April 2021, sind vier Tote in Krankenzimmern des Oberlinhauses an der Rudolf-Breitscheid-Straße im Potsdamer Stadtteil Babelsberg entdeckt worden, außerdem eine weitere schwer verletzte Frau. Auch sie ist eine Bewohnerin des Heimes für behinderte Menschen, sagte die Sprecherin des diakonischen Anbieters Oberlinhaus, Andrea Benke. Zu der Gewalttat kam es im Thusnelda-von-Saldern-Haus, das zu dem Gebäudekomplex gehört.
  • Gibt es einen Verdächtigen oder eine Verdächtige? Ja, die Polizei hat eine 51 Jahre alte Mitarbeiterin am Abend festgenommen, die unter dringendem Tatverdacht steht. Die Statasanwaltschaft hat Haftbefehl beantragt. Das Amtsgericht wies die Frau in die Psychiatrie ein. Inzwischen wird ihre Schuldfähigkeit geprüft.
  • Was ist der Hintergrund der Tat? Bisher ist unklar, was hinter dem Verbrechen steckt. Zum möglichen Motiv lägen noch keine Informationen vor, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Mordkommission und die Staatsanwaltschaft Potsdam ermitteln zum Verdacht eines vorsätzlichen Tötungsdelikts. Der Vorwurf lautet bisher Totschlag, kann aber auf Mord erweitert werden.

Vier Tote in Potsdamer Wohnheim für Behinderte

Der gewaltsame Tod von vier Bewohnern einer diakonischen Einrichtung in Potsdam hat tiefe Bestürzung ausgelöst.
Der gewaltsame Tod von vier Bewohnern einer diakonischen Einrichtung in Potsdam hat tiefe Bestürzung ausgelöst. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze
Vor dem Oberlinhaus legten Trauernde am Donnerstag Blumen, Briefe und Plakate ab.
Vor dem Oberlinhaus legten Trauernde am Donnerstag Blumen, Briefe und Plakate ab.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze
Das Thusnelda-von-Saldern-Haus gehört zum Komplex des Oberlinhauses. Es ist nach dessen Angaben eine Wohnstätte für Erwachsene mit mehrfachen schweren Behinderungen. Zum Oberlinhaus gehören neben Einrichtungen für Menschen mit Behinderung auch eine Schule und eine Orthopädische Fachklinik.
Das Thusnelda-von-Saldern-Haus gehört zum Komplex des Oberlinhauses. Es ist nach dessen Angaben eine Wohnstätte für Erwachsene mit mehrfachen schweren Behinderungen. Zum Oberlinhaus gehören neben Einrichtungen für Menschen mit Behinderung auch eine Schule und eine Orthopädische Fachklinik.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze
Ermittlungen zur Aufklärung der tödlichen Gewalttat vom Mittwochabend auf Hochtouren.
Ermittlungen zur Aufklärung der tödlichen Gewalttat vom Mittwochabend auf Hochtouren. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze
Die Gebäude der Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus mit dem Thusnelda von Saldern Haus (M).
Die Gebäude der Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus mit dem Thusnelda von Saldern Haus (M). © dpa | Soeren Stache
Auf dem Schaufenster steht „Thusnelda von Saldern Haus“ und darunter „Rehabilitation - Wohnen - Pflege“.
Auf dem Schaufenster steht „Thusnelda von Saldern Haus“ und darunter „Rehabilitation - Wohnen - Pflege“.© dpa | Soeren Stache
Ein Polizist mit einem Spürhund geht an einer Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus vorbei.
Ein Polizist mit einem Spürhund geht an einer Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus vorbei.© dpa | Christophe Gateau
Eine Frau und ein Mann stellen am Eingang der Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus Kerzen auf und beten.
Eine Frau und ein Mann stellen am Eingang der Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus Kerzen auf und beten. © dpa | Soeren Stache
Vor einer Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus liegen u.a. Blumen und Kerzen.
Vor einer Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus liegen u.a. Blumen und Kerzen. © dpa | Christophe Gateau
Am Morgen nach der Tat wurde die ersten Blumen niedergelegt.
Am Morgen nach der Tat wurde die ersten Blumen niedergelegt.© AFP | ODD ANDERSEN
Ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei bringt am Donnerstag Gegenstände in ein Polizeiauto.
Ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei bringt am Donnerstag Gegenstände in ein Polizeiauto.© dpa | Christophe Gateau
Auch am Donnerstag war noch viel Polizei vor Ort.
Auch am Donnerstag war noch viel Polizei vor Ort.© dpa | Christophe Gateau
Polizisten stehen vor einem Gebäude des Oberlinhauses.
Polizisten stehen vor einem Gebäude des Oberlinhauses.© dpa | Christophe Gateau
Der Eingang zum Gelände des Oberlinhauses in Potsdam.
Der Eingang zum Gelände des Oberlinhauses in Potsdam.© dpa | Christophe Gateau
Am Mittwoch gegen 21 Uhr wurde die Polizei verständigt.
Am Mittwoch gegen 21 Uhr wurde die Polizei verständigt.© dpa | Paul Zinken
Ein Auto der Feuerwehr steht in der Einfahrt.
Ein Auto der Feuerwehr steht in der Einfahrt.© dpa | Paul Zinken
  • Was ist über die Toten bekannt? Was genau den Menschen zugestoßen ist, noch unklar. Die Leichen sollen massive Schnittverletzungen am Hals aufweisen, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Bei allen soll es sich um langjährige Bewohner des Heims handeln, zwei von ihnen lebten bereits als Kind dort.
  • Was für eine Einrichtung ist das Thusnelda-von-Saldern-Haus? Das Thusnelda-von-Saldern-Haus ist Teil der Oberlin Lebenswelten in Potsdam, in denen Menschen mit schweren Behinderungen wohnen oder in anderer Weise unterstützt werden. In dem Wohnheim mit 65 Betten leben Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung oder Hirnschädigungen nach Krankheiten und Unfällen. Sie werden nach Angaben des Oberlinhauses von 80 Mitarbeitern versorgt. Es gebe drei Leistungsbereiche, erklärte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen der Oberlin Lebenswelten: In einem Wohnbereich könnten Menschen mit schweren Köperbehinderungen eine Heimat finden. Daneben gebe es einen Bereich für „Übergangswohnen“, in dem Menschen mit körperlichen Behinderungen oder neurologischen Schädigungen nach Unfällen oder Krankheiten drei Jahre lang an einer Rehabilitation teilnehmen. Deren Ziel sei, wieder ein weitgehend selbstständiges Leben führen zu können. In der „Wohnpflege“ würden Menschen nach Unfällen oder schweren Erkrankungen wie etwa Hirnblutungen versorgt. Zu der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus im Stadtteil Babelsberg gehören neben der Behindertenarbeit eine Schule und eine orthopädische Fachklinik.

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BM