Erneuerbare Energien

Berliner Stadtwerke bauen Windpark bei Bernau

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Dominik Bath
Die Bauarbeiten für einen neuen Windpark bei Bernau laufen bereits. Ab 2021 sollen die Anlagen Ökostrom liefern.

Die Bauarbeiten für einen neuen Windpark bei Bernau laufen bereits. Ab 2021 sollen die Anlagen Ökostrom liefern.

Foto: Berliner Stadtwerke

Mehr als 38 Millionen Euro investieren die Berliner Stadtwerke in den neuen Windpark. Die Anlagen sollen Strom an 31.000 Haushalte liefern.

Bernau. Mit dem Bau eines Windparks östlich von Bernau wollen die Berliner Stadtwerke in diesem Jahr die Kapazitäten ihrer Windkraftanlagen deutlich steigern. Mit neun Windrädern und einer Gesamtleistung von gut 31 Megawatt gehört das Projekt zu den aktuell größten Onshore-Neubauvorhaben bundesweit, wie die Stadtwerke am Donnerstag mitteilten. Baustart war im Februar, die Fundamente sind fast fertig. Türme und Rotoren sollen bis zum Spätherbst montiert sein – und die Anlagen ab Anfang 2021 Ökostrom für fast 31.000 Haushalte liefern. Insgesamt investieren die Stadtwerke in das Windparkprojekt den Angaben zufolge 38,7 Millionen Euro.

Auf den Flächen, die den Berliner Stadtgütern gehören, werden neun Windräder des dänischen Herstellers Vestas errichtet. Acht davon sind insgesamt 200 Meter hoch, eins 212 Meter, weil es einen größeren Rotordurchmesser und ein etwas höheres Fundament hat. Die Fundamente haben den Angaben zufolge jeweils einen Durchmesser von 26 Metern.

Auch wenn der Kampf gegen das Coronavirus im Moment viele Kräfte binde, habe die Energiewende nichts von ihrer Dringlichkeit verloren, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Allein dieses Projekt sorgt dafür, dass unser CO2-Fußabdruck um 30.000 Jahrestonnen leichter wird.“

Sorge um Akzeptanz von Windparks

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) betonte, die Akzeptanz von Umweltprojekten sei ebenso wichtig wie ihr Nutzen. „Hier wurde durch Verdichtung eines bestehenden Windparks, durch Verzicht auf maximale Bauhöhen und durch vertrauensvolle Kooperation mit den benachbarten Gemeinden gute Arbeit geleistet, wie auch durch das Landesamt für Umwelt, das die Genehmigungsverfahren durchführte“, sagte Vogel.

Hinter Brandenburgs Windenergiebranche liegt allerdings ein dürftiges Jahr. 2019 wurden lediglich 59 neue Anlagen in Betrieb genommen. Das war im Vergleich zu früheren Jahren ein deutlicher Rückgang. 2017 etwa lag der Zubau noch bei 174 Anlagen. Ein Grund ist die seit Monaten andauernde Diskussion um die Abstandsregelungen zwischen Windenergieanlagen und Wohnhäusern. Das Bundesumweltministerium will, dass Windräder und Bebauung mindestens 1000 Meter voneinander entfernt sind. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rückte zuletzt aber von einer pauschalen 1000-Meter-Regel ab. Von der Fachagentur Windenergie hieß es, dass bundesweit im ersten Quartal dieses Jahres der Zubau von Windenergieanlagen an Land wieder etwas an Fahrt aufgenommen habe.

Brandenburger Zubau-Ziele in Gefahr

Brandenburgs Landesregierung hatte sich zuletzt dafür stark gemacht, Bürger wieder stärker in Windpark-Projekte einzubinden. Landes-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte sich für mehr Bürgerwindparks ausgesprochen. „Wenn es die Menschen selbst sind, die diese Anlagen betreiben, dann brauchen wir nicht mehr über Akzeptanz zu sprechen. Brandenburg will vor allem das von dem Land angepeilte Ausbauziel nicht verfehlen. Demnach sollen in dem Bundesland im Jahr 2030 mindestens 10.500 Megawatt Windenergieleistung verbaut sein.

Ein Problem dabei: Weil in den nächsten Jahren viele Altanlagen aus der EEG-Förderung herausfallen, droht Tausenden Windrädern das Aus. Allein in Brandenburg sind davon in den nächsten fünf Jahren Windräder mit einer Leistung von 2385 Megawatt betroffen. Für den Weiterbetrieb müssten Besitzer dann den erzeugten Strom an der Börse anbieten und deutlich niedrigere Erträge als mit der EEG-Förderung in Kauf nehmen.

Für die Berliner Stadtwerke selbst spielt Windkraft bislang noch keine überragende Rolle. Mit den bisherigen Windkraftanlagen werden rund 20.000 Haushalte mit Strom versorgt. Derzeit besitzen die Berliner Stadtwerke vier Windkraftanlagen und sind an einem regionalen Windpark der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) beteiligt. Die verfügbare Windleistung beträgt den Angaben zufolge 20,4 Megawatt. Ein weiteres Windprojekt mit bis zu drei Anlagen ist der Senatswirtschaftsverwaltung zufolge bei Stahnsdorf südlich von Berlin geplant.

( mit dpa )