Verkehr

Pendler warten auf mehr Sitzplätze in Regionalbahnen

Bereits für April waren mehr Kapazitäten in Regionalbahnen versprochen. Doch noch immer gibt es Probleme.

Eigentlich sollen auf der RB10 seit Monaten Doppelstockzüge fahren. Doch der Einsatz verzögert sich.

Eigentlich sollen auf der RB10 seit Monaten Doppelstockzüge fahren. Doch der Einsatz verzögert sich.

Foto: imago/Carola Koserowsky

Berlin/Nauen. Wer mit der Regionalbahn aus dem Umland nach Berlin pendelt, der muss einiges aushalten können. Die Züge sind regelmäßig überfüllt, und dass alle Fahrgäste nur mit größter Not in die Bahn passen, ist keine Seltenheit. Ab April sollte das, zumindest auf den vier Linien RE7, RB10, RB13 und RB14, besser werden. Eine deutliche Kapazitätserhöhung durch Doppelstockwagen oder zusätzliche Waggons war versprochen. Der Start wurde schließlich auf den November verschoben, unter anderem wegen Verzögerungen bei der Instandhaltung von Zügen. Und nun zeigt sich: Noch immer läuft es nicht rund.

„Stand heute stellen wir fest, dass auf den Linien RB10 und RB14 an keinem einzigen Tag (Mo–Fr) im November die bestellte Kapazität gefahren wurde“, erklärt Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) auf Anfrage. Die Linie RB10 ist zwischen Nauen und Berlin-Südkreuz mit 467 Sitzplätzen unterwegs, dort sollte eine Umstellung auf Doppelstockwagen eigentlich für gut 110 weitere Plätze sorgen. Auf der Linie RB14 zwischen Nauen und dem Flughafen Schönefeld sollen planmäßig montags bis freitags drei Triebwagen mit knapp 170 Sitzplätzen zusätzlich eingesetzt werden, so dass dann 467 Plätze zur Verfügung stehen.

Volle Züge: VBB spricht von einer „sehr unbefriedigenden Situation“

Gerade auf diesen Strecken werden zusätzliche Platzkapazitäten gebraucht: Die beiden Regionalbahnlinien führen auch durch das stark wachsende Falkensee (Havelland) an der Grenze zu Spandau. Von dort fahren täglich 9500 Pendler zu ihren Arbeitsstellen nach Berlin. Nur aus Potsdam sind noch mehr. Aus dem gesamten Havelland pendeln am Tag mehr als 21.000 Menschen zum Arbeiten in die Hauptstadt.

Für die Linien RB13 (Wustermark-Jungfernheide) und RE7 (Dessau–Berlin–Wünsdorf-Waldstadt), wo es zwei, beziehungsweise drei verstärkende Triebwagen geben soll, habe es im vergangenen Monat tatsächlich eine Verbesserung gegeben, sagt Krokowski. Dennoch spricht sie von einer „weiterhin sehr unbefriedigenden Situation“.

Passagiere äußern an der Situation auf Twitter Kritik

Ein Urteil, das wohl viele Pendler unterschreiben würden. Regelmäßig äußern Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Kritik an der Situation in den Zügen. Auch im Dezember noch beschreiben Fahrgäste kaum zumutbare Zustände. „Wer nicht fast erstickt ist, wurde erdrückt“, kommentiert ein Twitter-Nutzer seine morgendliche Fahrt mit der RB10.

Ein weiterer bemängelt ebenfalls fehlende Wagen bei der RB10 und RB14. „Das treibt die Leute wieder nur in die Autos. Soviel zum Thema ÖPNV.“ Und ein dritter Nutzer, der Mitte Dezember ebenfalls kritisierte, dass die Deutsche Bahn erneut einem zu kleinen Zug auf der Linie RB10 eingesetzt habe, fragte: „Wo bleiben denn die versprochenen Maßnahmen?“

Deutsche Bahn verweist auf fehlende Zulassungen

Die Deutsche Bahn, deren Tochter DB Regio für die vier Linien zuständig ist, äußert sich auf Nachfrage erwartungsgemäß weniger selbstkritisch. „Seit dem 4. November konnten wir die Kapazität auf den Linien insgesamt verbessern, insbesondere auf der RE7 und der RB13, auch wenn nicht immer die vorgesehene Zugbildung eingehalten werden konnte“, sagt ein Sprecher auf Nachfrage.

Problematisch sei, dass weiterhin notwendige Zulassungen für einzelne Wagen für den Nord-Süd-Tunnel fehlen. Hintergrund ist, dass für die Erhöhung der Kapazitäten 21 gebrauchte Doppelstockwagen aus Bayern in die Hauptstadtregion kommen sollten. Damit Züge durch den Berliner Nord-Süd-Tunnel fahren dürfen, müssen diese mit einer bestimmten Technik ausgerüstet sein, einer sogenannten Notbremsüberbrückung, und anschließend vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen werden.

Diese Zulassungen hätten sich „wegen neuer Brandschutzrichtlinien verzögert“, so der Sprecher weiter. Erwartet werden diese erst für Anfang 2020, dann könnten die Doppelstockwagen auch auf der Linie RB10 eingesetzt werden.

Doppelstockwagen bei Bahnunfall beschädigt

Zudem verweist die Deutsche Bahn auf einen Bahnübergangsunfall am 2. November bei Kirchmöser. Dabei seien vier von fünf Doppelstockwagen „massiv beschädigt“ worden, so der Sprecher. „Dadurch ist der Gesamtbestand der Fahrzeuge kleiner geworden und ermöglicht damit weniger Flexibilität im Fahrzeugeinsatz.“ Die Deutsche Bahn versucht das auszugleichen, indem Wagen aus anderen Regionen angemietet werden. Gleichzeitig soll der Instandhaltungsstau durch zusätzliche Werkstattmitarbeiter abgebaut werden. Die Tendenz sei positiv, so der Sprecher.

Die VBB hatte schon Anfang November wegen der Verzögerungen eine sehr kritische Bilanz gezogen. Die Geduld der Fahrgäste sei langsam erschöpft, hieß es damals. „Wir können DB Regio immer wieder nur auffordern, die vereinbarte Leistung auch zu erbringen“, erklärt Sprecherin Krokowski nun. Züge, die nicht gefahren werden, würden natürlich auch nicht bezahlt werden. „Insofern gibt es für DB Regio auch einen finanziellen Druck, die Leistungen zu erbringen“, so die Sprecherin.