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Schloss Dahlwitz: Die Jahre des Leerstands sind vorbei

Die Schlösser-Gesellschaft verkauft das Schloss Dahlwitz an einen bayerischen Anwalt. Der will dort Wohnungen unterbringen.

Die spätklassizistische Turmvilla steht inmitten eines vier Hektar großen Gutsparks.

Die spätklassizistische Turmvilla steht inmitten eines vier Hektar großen Gutsparks.

Foto: Bernd Settnik / ZB

Dahlwitz-Hoppegarten. So ein öffentliches Echo über den Verkauf eines Gebäudes habe er nicht erwartet, sagt Claus Jochen Ritzer. Der große, schlaksige Mann wirkt ein wenig verunsichert, als er der Presse jetzt sein neues Haus zeigt – das Schloss Dahlwitz im Landkreis Märkisch-Oderland. In seiner bayerischen Heimat, in München und Landshut, wecke ein derartiges Objekt kein größeres Interesse, ist der Steuerberater und Fachmann für Internationales Steuerrecht in der renommierten Sozietät Flock, Gocke und Schaumburg überzeugt. Er muss es wissen. Erst vor wenigen Jahren hat er in Landshut ein denkmalgeschütztes verfallenes Herrenhaus erworben und mit viel Einsatz saniert, um mit seiner Frau und den zwei Kindern dort einzuziehen. „Wenn auch eher als kenntnisreicher Amateur denn als Profi“, schränkt er ein. Doch es ist genau diese Erfahrung, die die Brandenburgische Schlösser gGmbH (BSG) überzeugt und Ritzer den Zuschlag für das 1855/56 vom Berliner Architekten und Schinkel-Schüler Friedrich Hitzig entworfene Herrenhaus in Dahlwitz im spätklassizistischen Stil gesichert hat.

Für einen symbolischen Euro hatte die Schlösser-Gesellschaft 2004 die unmittelbar östlich der Berliner Stadtgrenze gelegene Turmvilla samt vier Hektar großem Gutspark, angelegt 1821 bis 1827 nach Plänen von Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné, übernommen. Da habe das einst im Auftrag des Gutsbesitzers Carl Heinrich von Treskow errichtete dreistöckige Gebäude schon Jahre leer gestanden, erinnert sich der Hoppegartener Klaus Manthe. „Die Fenster und Türen waren verrammelt, um Vandalismus vorzubeugen.“

Seit ihrer Gründung 1993 hat sich die gemeinnützige Schlösser-Gesellschaft, deren Träger das Land Brandenburg und die privat geführte Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) sind, der Rettung historischer Bausubstanz in der Mark verschrieben. In die Sicherung und teilweise Sanierung von insgesamt zwölf Herrenhäusern und Schlössern seien seither rund 90 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln, Stiftungsgeldern und Spenden geflossen, erklärt Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Investiert worden sei in große Schlosskomplexe wie Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) und Lieberose (Dahme-Spreewald) ebenso wie in kleinere Objekte wie das Schloss Blankensee (Teltow-Fläming).

„Mit einem finanziellen Aufwand von 2,9 Millionen Euro war Dahlwitz nur ein kleinerer Posten“, erklärt Skudelny. Verwendet worden sei das Geld, um die historische Hülle des Hauses wieder herzustellen.

Schloss Dahlwitz: Neuer Eigentümer muss das Innere des Hauses gestalten

Das Innere – rund 1200 Quadratmeter Fläche – erweist sich als karger Rohbau: blanke Ziegelsteinmauern, an denen teils alte Tapetenreste flattern, unverputzte Decken, Holzbohlen oder nackter Beton als Bodenbelag. Es sei Aufgabe des neuen Eigentümers, das Innere des Haus zu gestalten, sagt Skudelny. Sein Konzept umreißt der neue Schlossbesitzer eher zögerlich: Wohnungen möchte er darin unterbringen. Bei der Lage der Villa innerhalb des Berliner Autobahnrings biete sich das an. Nur 15 Minuten Fußweg sind es bis zur nächsten S-Bahnstation, Busse queren in kurzem Takt die Gemeinde. Das sei ideal für Menschen, die in Berlin arbeiten, aber gediegen in der Natur leben wollen. Die müssen sie allerdings teilen – zumindest was den Gutspark betrifft. Der muss öffentlich zugänglich bleiben. Das war eine der Auflagen der Schlösser GmbH beim Verkauf.

„Meine Frau mit ihrem Faible für Details hat bereits den ersten historischen Fenstergriff angeschraubt“, deutet Ritzer ins dämmrige Erdgeschoss. In einem Immobilienportal waren die Ritzers auf das Schloss gestoßen. Für rund 950.000 Euro Mindestgebot wurde die imposante Immobilie dort feilgeboten. Es habe eine Vielzahl an Bewerbern gegeben, bestätigt Skudelny. „Darunter fanden sich zehn Interessenten mit wirklich seriösen Konzepten.“

Über die Kaufsumme, die Claus Ritzer aufbringen musste, habe man Stillschweigen vereinbart. „Zumindest hat sie einen Teil der Investitionen gedeckt“, erklärt der DSD-Vorstand. Was Kulturministerin Martina Münch (SPD) nicht betrübt: Der Sanierungsstau bei historischen Bauwerken sei nach dem Mauerfall immens gewesen. „Viele Schlösser wären wohl verloren gegangen, wenn es nicht dieses beispielhafte gemeinsame Engagement von Land und Denkmalschutzstiftung gegeben hätte.“