Feuerwehr im Einsatz

Warum brennende E-Autos schwer zu löschen sind

Ein Fahrzeug gerät in Brand: Ist es ein Elektro-Auto, kann es für Feuerwehrleute auch gefährlich werden.

Brennt ein Auto, müssen die Feuerwehrleute schnell wissen, ob es es um ein Elektrofahrzeug handelt.

Brennt ein Auto, müssen die Feuerwehrleute schnell wissen, ob es es um ein Elektrofahrzeug handelt.

Foto: Thomas Peise

Falkensee.  Auf Brandenburgs Straßen sind immer mehr Elektro-Fahrzeuge unterwegs - für die Feuerwehr eine große Herausforderung, wenn sie in Brand geraten. „Uns fehlen oft die Kenntnisse. Wir wissen meist nicht, was auf uns zukommt, wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden“, sagt Daniel Brose, Leiter der Feuerwehren Falkensee (Havelland), der Deutschen Presse-Agentur. Dort gibt es zehn Feuerwehren mit 70 ehrenamtlichen und 33 hauptamtlichen Feuerwehrleuten.

Gefahren drohten durch die Hochspannung in den Fahrzeugen, wie durch Akkus, aber auch Materialien in den Batterien. „Wir können hier nicht einfach die brennenden Akkus mit Wasser löschen“, sagt der Feuerwehrmann. Brennende Benzin- oder Dieselfahrzeuge seien hingegen Alltagsgeschäft.

In Brandenburg sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 1,4 Millionen Personenwagen zugelassen (Stand: April 2019). 540 haben einen Elektromotor und 2730 sind Hybridfahrzeuge. Im Juli vergangenen Jahr war es in etwa die gleiche Zahl an Pkw - jedoch nur 371 Elektro-Autos und 2085 mit Hybridantrieb.

„Eine zentrale Erfassung von Bränden bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb gibt es noch nicht“, sagt Brose. Die Feuerwehrleute versuchten sich aber bundesweit über ihre Verbände auszutauschen, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. „Wir brauchen aber mehr Fortbildungen, Plattformen und Netzwerke“, sagt er. Es gebe zwar Hinweise von der Industrie: „Aber als Feuerwehr rennen wir oft hinterher.“

Mehr Austausch und mehr Fortbildung gefordert

Bei Einführung neuer Technologien sollte es eher Hinweise geben, was im Falle einer Havarie zu tun sein. Hier gebe es noch zu wenige Erfahrungen aus dem Alltag. Mehr Austausch und Fortbildungen fordern auch andere Feuerwehrverbände.

So zum Beispiel der Vorsitzende des Thüringer Feuerwehrverbandes Lars Oschmann. Innerhalb der Feuerwehr müssten Plattformen für den Erfahrungsaustausch gebildet und Fortbildungen über die Landesfeuerwehrschulen organisiert werden, sagt Oschmann. Dass das bisher nicht in dieser Form existiere, habe damit zu tun, dass es noch nicht viele entsprechende Unfälle gegeben habe. „Zum Glück gibt es diese Fälle nicht so häufig“, so der Thüringer Verbandsvorsitzende. „Aber wenn es irgendwann eine bestimmte Anzahl gibt, wird sich auch unser Erfahrungsaustausch verstärken.

„Bei modernen Fahrzeugen sei der Brandverlauf schneller und heftiger“, vor allem durch die stärkere Verwendung von Kunststoffen“, sagt Daniel Brose aus Falkensee. Bei einem E-Mobil seien zudem wesentlich mehr Stromleitungen im gesamten Kfz verbaut und dazu noch die Akkus als Energielieferanten. „Wir müssen zuerst diese Gefahr beseitigen und das dauert“, sagt er. Vergleichbar sei das mit einem Computer, der langsam runterfahre.

Gefährlich seien bei einem Brand die Akkus, in denen unter anderem Lithium verbaut werde. Das Material entwickele bei einem Brand eine Temperatur von über 2000 Grad. „Mit unseren Mitteln ist das kaum zu löschen“, sagt er. Einige Feuerwehren würden die Akkus bereits in speziellen Containern für einige Tage unter Wasser setzen, da sie noch Stunden oder Tage später reagieren könnten. Auch die Spannung in den Batterien von 300 bis 600 Volt sei ein Problem - im Haushalt seien es zwischen 220 bis 230 Volt. Zudem könnten Säuren und Laugen sich durch chemische Reaktionen bilden und gefährliche Atemgifte auftreten. „Wir werden oft gerufen, ohne dass wir wissen, um was für ein Fahrzeug es sich handelt“, sagt Brose. Der Einsatzleiter müssten vor Ort entscheiden, welche Taktik angewendet werde. Für E-Autos seien die normalen Löschfahrzeuge der Feuerwehren aktuell nicht ausreichend ausgerüstet.

Doch die E-Mobilität wollen sich mache Feuerwehren auch selbst zunutze machen. So die Berliner Feuerwehr, die Teile ihres Fuhrparks schrittweise umrüsten will. Die Behörde entwickelt gemeinsam mit einem Brandenburger Unternehmen ein neues Löschfahrzeug mit Hybrid-Technologie, das im Regelbetrieb 80 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen und ab 2021 auf Berlins Straßen rollen soll.

Berlin testet Hybride Elektrolöschfahrzeug

„Wir denken das Feuerwehrauto neu“, sagte kürzlich Marko Unglaube der Berliner Morgenpost, der gemeinsam mit Kollegen das Projekt vorantreibt. Das Gesamtbudget des Projektes liegt bei 1,8 Millionen Euro und stammt fast ausschließlich aus dem Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE). Neben der deutlichen Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes soll auch die Architektur des Fahrzeuges verändert werden. Ist das „Hybride Elektrolöschfahrzeug“ fertig, soll es auf drei Wachen in der Stadt getestet werden. Schon jetzt im Einsatz sind bei der Berliner Feuerwehr mehrere Elektroautos, bald hinzukommen sollen zudem elektrische Kastenwagen.