Mike Schubert (SPD) wird ab 28. November als neuer Oberbürgermeister die Geschicke Potsdams leiten. Der 45-Jährige setzte sich in einer Stichwahl gegen Martina Trauth (parteilos) durch. Im Interview mit der Berliner Morgenpost spricht er über seine Pläne für die Entwicklung der Landeshauptstadt.
Herr Schubert, es liegt ein langer Wahlkampf mit insgesamt drei Duellen hinter Ihnen. Was überwiegt, die Freude oder die Erschöpfung?
Mike Schubert: Ganz klar überwiegt bei mir die Freude über den Sieg. Der Wahlkampf hat sich gelohnt, das Ziel ist erreicht. Natürlich ist man danach auch erschöpft.
Unter Ihrem Vorgänger Jann Jakobs hat die Stadt eine atemberaubende Entwicklung genommen. Geht das so weiter?
Natürlich habe ich großen Respekt davor, was auf mich und auf die Landeshauptstadt zukommt. Ein Weiter-so kann es aber nicht geben. Wir müssen überlegen, wie wir die Stadt behutsam verändern. Es ist richtig, dass die Stadt eine tolle Entwicklung genommen hat, trotzdem muss man manche Punkte kritisch beleuchten.
Welche Punkte sind das?
Mit dem Wachstum ist die soziale Infrastruktur, das Angebot an Kitas und Schulen nicht in gleichem Maße mitgewachsen.
Aber so etwas braucht Zeit, von der Planung bis zum Bau vergehen oft Jahre.
Das stimmt. Aber manchmal reicht es, über den Tellerrand zu schauen. Andere Städte setzen auf Bauten in vorgefertigter Modulbauweise. So können wir schneller planen und bauen. Das heißt ausdrücklich nicht Containerbauten. Die Aufgabe besteht darin, diese soziale Infrastruktur für den vorhandenen Wohnraum bereitzustellen.
Potsdams Fläche ist begrenzt, die Stadt liegt zwischen Seen, Flüssen und Wald. Gibt es dafür denn genügend Platz?
Genau das macht ja den Reiz Potsdams aus, die Lage zwischen Grün und Wasser! Wir dürfen das Flair nicht kaputt machen, sondern die vorhandenen Flächen nutzen, um die bestehenden Bedürfnisse zu erfüllen. Es geht um ein behutsames Wachstum.
Wie wollen Sie das organisieren? Die Menschen fragen nicht, ob sie nach Potsdam ziehen dürfen. Sie machen es einfach.
Es bestehen noch 9000 Baurechte in der Stadt. Wir müssen uns überlegen, mit welchem Tempo wir neue Flächen für Wohnungsbau ausweisen. Die Menschen kommen ja nicht nur zum Wohnen, sondern weil Potsdam eine kinderfreundliche Stadt ist. Wir können aber nicht den einen Teil des Versprechens – das Wohnen – einlösen und den anderen – Schule und Kita – nicht. Dann wären die Menschen zu Recht enttäuscht und verärgert.
Das gleiche Problem besteht beim Verkehr. Mehr Menschen bedeutet mehr Verkehr. Was muss sich da ändern?
Das gehört zusammen. Durch wohnortnahe Infrastruktur lässt sich Verkehr vermeiden. Wenn ich an einem Ende der Stadt wohne und am anderen Ende einen Kitaplatz bekomme, muss ich zwei Mal durch die Stadt fahren. Das muss nicht sein. Außerdem möchte ich Pendlerströme viel früher von der Straße auf die Bahn umlenken. Das Problem kann Potsdam aber nicht allein lösen. Deswegen werde ich mich mit dem Landrat von Potsdam-Mittelmark und dem Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel zusammensetzen und austauschen.
In Ihrer Aufzählung fehlt Berlin. Müsste die Zusammenarbeit mit der großen Nachbarstadt nicht enger sein?
Ich habe auch schon mit meinem Spandauer Kollegen Gespräche geführt. Da setze ich auf eine gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit. Wir überlegen gemeinsam, wie wir die Verbindung von Groß Glienicke nach Kladow verbessern. Wir sind ein gemeinsamer Metropolenraum.
Ein weiteres Streitthema ist die Rekonstruktion des historischen Stadtbildes. Dagegen regt sich starker Widerstand. Wie wollen Sie das Dilemma lösen?
Ich bin in Potsdam aufgewachsen, ich verstehe beide Seiten. Wer auf den Erhalt der DDR-Architektur setzt, vergisst, dass der Wunsch nach dem Erhalt der historischen Baukultur und des historischen Stadtgrundrisses aus der Potsdamer Bürgerschaft gekommen ist. Das war Teil der Bürgerrechtsbewegung zur Wendezeit. Ich verstehe aber auch, dass Identitätsorte der DDR, wie das „Minsk“ am Brauhausberg und das „Mercure Hotel“, zur eigenen Biografie gehören. Das ist bei mir auch so. Meine Aufgabe wird es sein, beide Seiten wieder näher zusammenzubringen.
Auch im Rathaus stehen Veränderungen an. Müssen Sie die Verwaltung umbauen?
Ja, auch das wird eine zentrale Aufgabe sein. In den kommenden Jahren gehen pro Jahr 200 Mitarbeiter in den Ruhestand, allein in meinem Dezernat sind 67 Stellen nicht besetzt. Die Generation, die Anfang der 90er-Jahre angefangen hat, geht jetzt in den Ruhestand. Wir müssen dahin kommen, dass die Menschen gern in der Verwaltung arbeiten. Dazu werden wir in Kürze Bausteine vorstellen, wie wir neue Beschäftigte gewinnen wollen.
Wie soll das gelingen?
Da reicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht aus. Ich möchte verstärkt mit den Hochschulen und Fachhochschulen zusammenarbeiten. Aber der wichtigste Punkt ist, dass die Verwaltung in den vergangenen Jahren nicht mit der Entwicklung der Stadt mitgewachsen ist. Wir brauchen mehr Stellen, und es wird meine Aufgabe sein, nach außen deutlich zu machen, dass das keine Aufblähung bedeutet, sondern notwendig ist, um die Aufgaben zu erfüllen.


