Brandenburg

Hoch zu Ross und mit der Lanze in der Faust

Eine Deutsche Meisterschaft in Krügersdorf in Brandenburg soll die Sportart „Tent pegging“ bekannt machen.

Steffen Kukral (l.) und Angela Breme in Krügersdorf. Vom Niveau der Norweger, Holländer und Briten ist man in Deutschland noch Welten entfernt

Steffen Kukral (l.) und Angela Breme in Krügersdorf. Vom Niveau der Norweger, Holländer und Briten ist man in Deutschland noch Welten entfernt

Foto: Patrick Pleul / dpa

Krügersdorf.  Im schnellen Galopp fegen vier Lanzen schwingende Reiter über eine Koppel in Krügersdorf (Oder-Spree) und spießen aus der Bewegung heraus etwas vom Boden auf. Der rasante Ritt, bei dem mit einer Waffe vom Pferd aus ein etwa handygroßes Ziel anvisiert wird, nennt sich Tent pegging – eine Sportart, die vor allem in den Commonwealth-Staaten populär ist. „Wer es genau erfunden hat, ist nicht ganz klar. Aber es muss zu Zeiten der Kavallerien gewesen sein, gewissermaßen als Freizeitbeschäftigung“, sagt der Krügersdorfer Steffen Kukral.

Entdeckt bei einer Reise in den Oman

Vor zwei Jahren hat der leidenschaftliche Pferdesportler Tent pegging für sich entdeckt, bei einer Reise in den Oman. Seitdem hat der 58-Jährige, der seit Jahren einen Pferdetrainingshof betreibt, eine Mission: „Ich will diesen interessanten, schnellen und leicht zu verstehenden Sport bekannter machen. Allein das Zuschauen ist schon spannend. Da geht echt die Post ab, und ich glaube, dass man Leute dafür begeistern kann.“ Das will er bei den zweiten Deutschen Meisterschaften beweisen, die am 23. und 24. Juni in Schönwalde-Glien (Havelland) ausgetragen werden. „Antreten werden 20 Sportler mit Pferden, Lanzen oder auch Säbeln.“

50 Menschen spielen derzeit deutschlandweit Tent pegging. Hochburgen seien das Rhein-Main-Gebiet und Brandenburg. „Wir in Krügersdorf bilden ein Team, dann gibt es noch eines in Müncheberg (Märkisch-Oderland) sowie unsere Kindergruppe im Havelland“, so Kukral. Beide Teams gehörten zur Abteilung Breitensport beim Kreissportbund Märkisch-Oderland (KSB MOL), der die Deutschen Meisterschaften veranstaltet.

Der Kreissportbund hat schon mehrfach neuen Sportvereinen Starthilfe gewährt, beispielsweise der Einradtruppe Fredersdorf. „Sie brillieren inzwischen bei Deutschen Meisterschaften sowie Showveranstaltungen und haben ihre Randsportart populär gemacht“, sagt Sportbund-Geschäftsführerin Manja Lindner, die sich das auch in Sachen Tent pegging vorstellen kann.

Je erfolgreicher und professioneller eine Sportart dann werde, um so mehr sollten die Aktiven an eine eigene Vereinsgründung denken, meint sie. Das sieht auch Kukral so. Zudem versuche der Deutsche Tent pegging-Verband, dessen Präsident er ist, eine Europa-League aufzubauen. „Es gibt Sportler in Norwegen, Holland, Großbritannien und Polen. Allerdings müssen wir Europäer noch ganz schön üben, um gegen langjährige Tent-pegging-Nationen wie Südafrika oder Australien bestehen zu können“, so der Krügersdorfer. Im August organisiert er ein internationales Trainingslager auf seinem Hof.

Ziel sind kleine Schilder aus Holz und Pappe

Vertrauen und reiterliches Können seien das Ausschlaggebende beim Tent pegging, sagt Kukral. Bei internationalen Wettbewerben würden die Sportler nicht mit dem eigenen Pferd antreten. „Die Wettkampftiere werden unter den Reitern verlost. Du musst dich arrangieren“, erzählt der gebürtige Süddeutsche. „Dieses besondere Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter“ reizt auch Lea Frings an der Sportart. Die 34-jährige Berlinerin gehört zum Krügersdorfer Team, schwört auf die „Feinabstimmung“ zwischen Tier und Mensch. „Du hast die Lanze in der Hand, kannst dich nicht mehr auf die Zügel konzen­trieren, um das Pferd zu lenken. Es weiß, was es zu tun hat“, sagt sie und übt genau das unermüdlich mit ihrem Pferd Siri.

Schließlich will die Auszubildende zur Pferdetrainerin bei den Deutschen Meisterschaften eine gute Figur machen. Dort gibt nicht nur Einzel-, sondern auch Teamwettbewerbe, bei denen die Sportler nebeneinanderreiten. Ins Visier genommen werden im Galopp nicht nur kleine Holz- oder Pappschilder am Boden, die sogenannten Pegs, sondern auch Ringe, wahlweise Äpfel, die 2,20 Meter über dem Boden hängen, gleich mehrere hintereinander in einem Abstand von 15 Metern.

Doch es geht nicht nur um die Ziele, sondern auch um Geschwindigkeit, die Zeit wird gestoppt, bei Überschreitungen gibt es Strafpunkte. „Die besten Tent pegger international schaffen die 80 Meter lange Wettkampfstrecke in 6,3 Sekunden“, sagt Kukral. Pferd und Reiter erreichen so im Durchschnitt um die 50 Kilometer pro Stunde.

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